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38 Buran - Die russische Fähre

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7. Buran

7.2 Die russische Fähre


Eva schlug Jan mit der Hand auf die Schulter. »Das nenne ich Präzision. Ein gutes Manöver.«
Garmond machte sich von seinem Sitz los und kam zu ihm herüber. »Herr Lückert, ich brauche Ihnen nicht zu sagen, dass dieser Anflug eine äußerst saubere Aktion war. Sie haben es wirklich im Blut. Sie sind mit einem, Ihnen fremden, Schiff geflogen und haben sowohl eine Kurskorrektur als auch ein exaktes Andockmanöver durchgeführt. Sie haben die Prüfung bestanden. Herzlichen Glückwunsch!«
Er schüttelte Jan die Hand, der erst jetzt allmählich begriff, was da eben geschehen war. Er, ein Sechstsemester, hatte soeben die praktische Prüfung als Raumschiffpilot abgelegt. Sie mussten wirklich einen sehr großen Bedarf an Piloten haben, wenn sie sogar zuließen, dass die Ausbildungszeit verkürzt wurde. Langsam stahl sich ein Lächeln auf sein Gesicht und er bedankte sich bei Garmond. Eva umarmte ihn stürmisch und küsste ihn auf die Wange.
Ein Signal unterbrach diese Szene. Es machte darauf aufmerksam, dass die Druckanpassung nun erfolgt war und man die Buran betreten konnte. Einer nach dem anderen ließen sie sich durch den Rüssel zur Buran treiben, wo man bereits das äußere Schleusenschott geöffnet hatte. Als sie alle drüben waren, schlossen sie die Schleuse und öffneten das innere Schott.
Oleg Velyky erwartete sie bereits. »Willkommen auf der Buran - der letzten technischen Großtat der Sowjetunion.«
Mit der Hand beschrieb er einen Bogen, um seine Kollegen aufzufordern, sich die Fähre näher zu betrachten. Sie befanden sich direkt hinter dem Cockpit und Jan warf neugierig einen Blick dort hinein. Auf den ersten Blick sah es nicht viel anders aus als an Bord eines US-Spaceshuttles, nur dass es etwas geräumiger war. Obwohl die Außenmaße der Fähre mit der US-Variante vergleichbar waren, hatte man es geschafft, die Aufteilung im Innern so zu optimieren, dass man mehr Platz für Personal oder Transportgut hatte.
Jan drückte Oleg die Hand und meinte anerkennend: »Ein interessantes Fahrzeug habt Ihr da damals entwickelt. Schade, dass es nie wirklich zum Einsatz gekommen ist.«
»Nun ja, vielleicht bekommt das Baby jetzt seine Chance. Man hat noch Einiges getan, bevor man die Buran hierher geflogen hat. Ein Teil des Laderaumes steht uns nicht mehr zur Verfügung, weil wir nun auch über ein Triebwerk verfügen, was in der ursprünglichen Konstruktion nicht vorgesehen war. Auch die Steuerung musste daraufhin angepasst werden. Ich kann dir garantieren, dass diese Fähre besser ist, als die alten Spaceshuttles. Leider ging der NSAU das Geld aus, bevor sie die Buran einer kommerziellen Verwendung zuführen konnten.«
»Und jetzt soll die Buran zu diesem Asteroiden fliegen?«, fragte Jan.
Eva Terbuer lachte. »So schnell wird es leider nicht gehen. Auch wenn wir nicht viel Zeit haben, um uns vorzubereiten. Die Buran ist seit ihrer Ankunft hier auf dem Mond noch nicht wieder bewegt worden. Wir haben keine Erfahrung mit diesem Vogel und besitzen im Grunde nur das Handbuch.«
»Das kann doch nicht euer Ernst sein!«, ereiferte sich Jan. »Was ist mit den Spezialisten der NSAU?«
»Sind abberufen worden«, warf Oleg ein. »Wir sind wirklich auf uns allein gestellt. Am besten schaust du dir die Cockpitkontrollen mal selbst an.«
Er stieß sich von der Wand ab und schwebte in Richtung Cockpit. Jan und die übrigen Mitglieder der Gruppe folgten Oleg. Als sie dort angekommen waren, sah sich Jan interessiert um und versuchte die Funktion verschiedener Kontrollen zu erraten. Mit einem Mal verstand er, was ihnen Schwierigkeiten bereiten würde.
»Oh verdammt, das ist ja alles Kyrillisch! Wie sollen wir das denn bedienen?«
»Wenn ich mich einmal einmischen dürfte«, unterbrach Garmond den Dialog. »Oleg Velyky ist an Bord, weil er ursprünglich aus der Ukraine stammt und die kyrillische Schrift lesen kann. Er wird eine Übersetzung sämtlicher Bedienelemente anfertigen und ihnen helfen, diese Maschine zu beherrschen.«
»Wem? Mir?«, fragte Jan. »Ich soll dieses Ding zu diesem Asteroiden fliegen? Ich dachte, Eva ist hier die Pilotin.«
»Das ist grundsätzlich schon richtig«, bestätigte Eva. »Ich werde die Mission begleiten, aber ich werde nur dabei sein, weil die Akademie unbedingt einen erfahrenen Piloten dabei haben will. Ich soll quasi ihre Rückversicherung sein. Du aber sollst erster Pilot der Buran werden.«
»Wer wird Co?«, fragte Jan knapp. »Ohne einen guten Piloten als Co brauche ich über diesen Job überhaupt nicht nachdenken.«
»Das bleibt dir überlassen. Du hast da freie Hand.«
Jan schüttelte immer wieder seinen Kopf. »Ich kann es überhaupt nicht glauben. Noch vor einigen Stunden war ich Student der Akademie im sechsten Semester und jetzt übertragt ihr mir quasi das Kommando über ein bisher nicht getestetes Schiff. Entschuldigung, aber das haut mich doch um.«
»Sie werden das schaffen, Herr Lückert«, stellte Cyrill Garmond fest. »Da bin ich mir sicher. Es würde sich auch positiv auf ihre weitere Karriere auswirken.«
Jan wandte sich an Oleg: »Oleg, du als Ukrainer – könntest du nicht den Platz des Co einnehmen?«
Oleg winkte heftig ab. »Auf gar keinen Fall Jan. Ich würde diese Mission höchstens als Techniker begleiten, aber zwing mich bitte nicht auf den Platz des Kopiloten.«
»Es war auch nur so eine Idee, weil du doch diesen ganzen Zeichenkram hier lesen kannst.«
Jan überlegte. Plötzlich kam ihm ein Gedanke. Wieso war er nicht sofort darauf gekommen. Isabella stammte aus Rumänien. Sie konnte möglicherweise ebenfalls kyrillische Schrift lesen. Vielleicht verstand sie auch ausreichend russisch. Aber würde sie den Platz des Co einnehmen, wenn er am Steuer saß? Isabella war selbst eine ausnehmend gute Pilotin. Vielleicht wäre sie sogar besser geeignet als er.
»Ich bin der Meinung, Isabella könnte den Job übernehmen. Vielleicht ist sie sogar besser darin, dieses Schiff zu führen. Auf jeden Fall kann sie wohl diese Schrift hier lesen. Wir sollten sie fragen.«
»Sie würden also freiwillig darauf verzichten, als erster Pilot zu fliegen?«, wunderte sich Garmond.
»Vielleicht wäre sie ja besser geeignet.«
»Nein, nein, wir lassen es so, wie es ist«, bestimmte Garmond. »Frau Grimadiu ist sicherlich eine sehr gute Pilotin, aber die Instinkte, die uns bewogen haben, Sie auszuwählen, sind bei Ihnen einfach stärker ausgeprägt. Es steht Ihnen jedoch frei, Ihre Freundin zu fragen, ob sie bereit wäre, unter Ihrer Leitung bei dieser Mission mitzumachen. Normalerweise sehen wir es zwar nicht so gern, wenn ein Paar gemeinsam an Bord ist, aber Sie haben schon wiederholt bewiesen, dass Sie Missionen professionell angehen.«
»Jetzt sollten Oleg und du allerdings versuchen, hier Grund rein zu bekommen«, mahnte Eva. »Die Buran soll nämlich auf einen niedrigeren Orbit verlegt werden, wo sie dann betankt wird und Lebensmittel und Atemluft erhalten soll.«
In den folgenden Stunden waren Jan und Oleg intensiv damit beschäftigt, kyrillische Beschriftungen zu überkleben, sofern es möglich war. In manchen Fällen musste Jan einfach lernen, wo bestimmte Funktionen abzurufen waren. Schließlich war es so weit. Eva kletterte wieder zurück in ihr kleines Mondshuttle, welches dann abgekoppelt wurde.
»Ich mach mich wieder auf den Weg«, verkündete sie noch über Funk, bevor sie die Triebwerke zündete und sich schnell von der Buran entfernte. Nun waren Jan und Oleg die einzigen Menschen an Bord der Buran, die in der Lage waren, es zu steuern. Es lag an ihm, die Fähre in einen mondnahen Orbit zu befördern. Er startete den Kursrechner der Buran und wartete, bis dieser hochgefahren war.
»Verdammte Scheiße!«, rief er aus, als er auf den Monitor blickte. »Oleg, könntest du mal eben schauen?«
»Ups.« Oleg verzog das Gesicht, als er sah, was Jan meinte. »Die Navigationssoftware ist natürlich auch russischer Bauart. Am Besten gibst du mir die Vorgaben und ich tippe sie ein. Anders werden wir das Problem jetzt und hier nicht lösen können.«
»Dann bist du jetzt für dieses Manöver doch mein Kopilot«, bestimmte Jan, dem Oleg fast leidtat, als er dessen säuerlichen Gesichtsausdruck sah.
Es dauerte nicht lange und die beiden hatten sich so aufeinander eingestimmt, dass  Jan Vorbereitungen für die erste kurze Zündsequenz traf. Mit einem Donnern erwachte das neu eingebaute Haupttriebwerk zum Leben und bremste die Buran ab. Jan schaltete nach wenigen Sekunden wieder ab und prüfte die Wirkung des kurzen Manövers auf den Kurs. Seine Schätzung war korrekt gewesen. Die Unterlagen über die Schubleistung des Triebwerks waren überraschend exakt. Überhaupt war die Bedienung des Schiffes erstaunlich komfortabel. Die Russen hatten aus den Fehlern der Amerikaner gelernt. Eine Schande, dass man diese Technologie nicht weiterentwickelt hatte. Die Buran war eindeutig ein Opfer der politischen Entwicklung gegen Ende der Achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Jan jedenfalls liebte dieses Schiff bereits jetzt.
Durch die Verringerung der Geschwindigkeit stürzte die Buran nun automatisch auf den Mond zu, würde sich aber in einer stark elliptischen Bahn stabilisieren. Jan ließ Oleg einige Berechnungen zu den Brennpunkten der zu erwartenden Ellipse anstellen. Es war der einzige Wermutstropfen: Die komplette Softwareausstattung war in russischer Sprache und in kyrillischer Schrift. Er sah sich schon in der Akademie sitzen und russisch büffeln – eine Aussicht, die ihm nicht sonderlich gefiel.
»Das ist eine sehr exzentrische Bahn, in die Sie uns da manövriert haben«, meinte Garmond von seinem Sitz aus. »Wollen Sie die Buran in dieser Bahn belassen?«
Jan schüttelte den Kopf. »Auf keinen Fall! Es wäre viel zu gefährlich. Wir würden ständig Bahnen anfliegender Schiffe von der Erde schneiden und eine Kollision riskieren. Nein, wir werden gleich ein Anpassungsmanöver durchführen, das uns in eine annähernde Kreisbahn bringen wird. Ich warte nur auf den richtigen Moment für die Zündung. Bleiben Sie bitte alle angeschnallt.«
Garmond nickte anerkennend. Dieser junge Mann wusste, wovon er sprach.
Kurz darauf wendete Jan das Schiff, als hätte er noch nie etwas anderes getan, und feuerte ein paar kurze Stöße aus dem Haupttriebwerk.
»Bahnlage prüfen!«, rief er Oleg zu, der sogleich seine Instrumente checkte.
»Na ja, es ist noch immer eine Ellipse, aber sie kommt schon sehr nah an einen Kreis heran.«
»Dann lassen wir es dabei«, entschied Jan. »Wir sind in Reichweite der Tankschiffe und Bodenshuttles. Bis wir wieder starten, um zu diesem Asteroiden zu fliegen, können wir hier bleiben. Nun will ich ein Gespräch mit meiner Freundin führen. Sie müsste eigentlich ungefähr jetzt Feierabend machen. Vielleicht kann sie uns abholen.«
Er stellte das Funkgerät auf die private Frequenz ein, die er mit Isabella vereinbart hatte und drückte auf die Ruftaste. Einen Moment später drang Isabellas Stimme aus dem Lautsprecher: »Hier spricht Isabella Grimadiu von der SH-M-014. Wer ruft mich auf dieser Frequenz?«
»Wer soll das wohl sein?«, fragte Jan lachend zurück. »Hast du noch nicht Feierabend?«
»Ich wollte gerade zur Station zurückfliegen. Ich hatte eben noch ein paar chinesische Arbeiter zum Frachter zurückgebracht. Wo steckst du, Jan? Der Ruf kommt nicht von der Oberfläche.«
»Dir kann man nichts vormachen, was?«, lachte Jan. »Nein, ich bin nicht auf der Oberfläche. Ich hab auch eine Aufgabe bekommen. Du könntest uns abholen und mit nach unten nehmen. Wie sieht es mit deinem Treibstoff aus? Reicht der noch für einen Abstecher in den Orbit?«
»Die Tanks sind voll. Ich hab vor einer Stunde erst aufgetankt. Wo steckst du denn?«
»Ich schick dir ein Peilsignal. Wir sind in einer Umlaufbahn.«
Jan drückte eine Taste, worauf die Buran begann, ein permanentes Signal auszusenden.
»Okay, ich hab das Signal. Was ist das für eine eigenartige Kennung? Ein Shuttle ist es nicht.«
»Isabella, wie sieht es mit deinen Russischkenntnissen aus?«
»Russisch?«, fragte Isabella. »Ich stamme aus Rumänien, hast du das vergessen? Wir lernen Russisch schon in der Grundschule. Ich habe es zwar schon länger nicht mehr gesprochen, aber ich denke, das bekomme ich noch ganz gut hin. Warum fragst du?«
»Du wirst es sehen, wenn du hier ankommst. Ich bin an Bord einer russischen Raumfähre.«
»Du willst mich veralbern!«, stellte Isabella fest. »Die Russen hatten noch nie eine Raumfähre, es sein denn, sie hätten in letzter Zeit eine entwickelt. Wie ich hörte, ist die russische Raumfahrt in den letzten Jahren wiederbelebt worden.«
»Komm einfach, Isabella. Die Andockschleuse ist auf der Oberseite. Wir lassen dort ein Leuchtsignal blinken.«
»Bin unterwegs«, kam die Antwort. »Ich bin in fünfzehn Minuten bei euch. Ihr steht in einer günstigen Position für mich.«
Eine Viertelstunde später hatte Isabella an der Schleuse der Buran angedockt und kam durch einen Rüssel derselben Art, den sie beim Betreten der Buran benutzt hatten, an Bord. Jan begrüßte sie gleich überschwänglich und umarmte sie.
»Das ist also ihre Freundin, die Pilotin Grimadiu, von der ich schon so viel gehört habe«, sagte Garmond, um die Begrüßungsszene etwas abzukürzen.
Isabella sah ihn an. »Ganz recht, mein Name ist Grimadiu. Mit wem habe ich das Vergnügen?«
Garmond schwebte zu ihr hinüber und hielt ihr seine Hand hin.
»Ich bin Cyrill Garmond von der Prüfungskommission der UNO. Herr Lückert und ich haben uns bereits miteinander bekannt gemacht. Am besten erklärt er ihnen, worum es hier geht.«
Isabella blickte fragend zu Jan, der sein Grinsen überhaupt nicht mehr unter Kontrolle bekam.
»Also was ist los?«, fragte sie verstimmt. »Ich kann Geheimniskrämerei nicht leiden. Erst rufst du mich aus dem Mondorbit an, während ich im Glauben war, du wärst zu Hause in der Station. Dann stellt sich heraus, dass du in einer Raumfähre bist, von deren Existenz ich noch nie etwas gehört habe. Klär mich mal auf, was hier gespielt wird.«
»Also zunächst einmal die kurze Fassung. Eva Terbuer hatte mich für eine kleine Exkursion gemeldet, hinaus zur Buran, die sich in einem hohen Orbit um den Mond befand. Es stellte sich heraus, dass Cyrill Garmond mit an Bord war, um mich zu begutachten und zu prüfen. Ich habe bestanden und erhalte in den nächsten Tagen mein Pilotenpatent. Diese Fähre hier, die Buran, wurde mir als Piloten zugeteilt. Ich soll damit einen Flug zu einem Asteroiden unternehmen, der demnächst in etwa zwei Millionen Kilometern an uns vorbei fliegen wird. Der Haken ist die Beschriftung der Instrumente und die Navigationssoftware. Sie ist komplett in kyrillischer Schrift. Jetzt kommst du ins Spiel.«
Isabella hob abwehrend die Hände. »Wart mal einen Moment, das geht mir jetzt ein wenig schnell. Wieso hast du schon deine Pilotenprüfung absolviert? Wir sind erst im sechsten Semester. Und überhaupt: Was soll das heißen: Diese Raumfähre wurde dir zugeteilt?«
»Es ist alles korrekt, Frau Grimadiu«, mischte sich Garmond in die Unterhaltung ein. »Herr Lückert hat tatsächlich sein Pilotenpatent erworben. Sie beide sind mit großem Abstand die besten Piloten, die wir seit Langem an unserer Akademie ausbilden durften. Unser Bedarf an guten Piloten ist derzeit ungeheuer groß. Auch für Sie habe ich bereits ein Blankopatent in der Tasche. Ihr Einsatz für die neue Station der Chinesen am heutigen Tage war auch nichts weiter, als eine vorgezogene Prüfung. Der Schwierigkeitsgrad der Landungen auf dem Mond war enorm und Sie haben es mit Bravour gemeistert, wie mir von meinem chinesischen Kollegen berichtet wurde.«
»Wann haben Sie denn diese Informationen bekommen?«, wunderte sich Jan.
Garmond tippte auf sein Headset, welches er die ganze Zeit hindurch getragen hatte.
»Die Buran ist vorgesehen für den Flug zum 2006UB. Wir haben nur noch etwa drei Wochen Zeit für Vorbereitungen, bevor wir starten müssen. Wir erhoffen uns wertvolle Informationen über die Entstehung unseres Sonnensystems. Noch nie ist ein so großer Brocken so dicht an uns vorbei geflogen. Pilotin Terbuer hat sich dafür starkgemacht, diese Mission unter die Organisation der Akademie zu stellen. Sie wird den Flug als Beobachterin begleiten. Für Sie beide allerdings bedeutet der Flug eine Menge Arbeit.« Er blickte Isabella direkt an. »Das heißt, wenn Sie wollen – wenn Sie bereit sind, an der Seite des Piloten Jan Lückert als Kopilotin zu arbeiten.«
»Warum sollte ich das nicht wollen?«
»Nun, Sie haben grundsätzlich dieselbe Befähigung, wie Pilot Lückert. Sie könnten ihm die Leitung streitig machen wollen.«
»Blödsinn! Als Co. hab ich ebenfalls eine große Verantwortung zu tragen und außerdem sind wir befreundet. Es würde mir gefallen, mal mit Jan zusammenzuarbeiten.«
»Dann ist es entschieden«, sagte Garmond. »Sie beide fliegen die Buran.«
»Wer wird noch mit von der Partie sein?«, wollte Jan wissen.
»Na ja, ich auf keinen Fall«, meldete sich Oleg aus dem Hintergrund. »Ich hab mich von vornherein nur für die Vorbereitungsarbeiten zur Verfügung gestellt.«
Jan schaute ihn verblüfft an. »Du willst nicht? Ich brauch aber einen fähigen Techniker. Wieso kommst du nicht mit?«
»Ist ‘n psychologisches Problem. Ich bekomme Probleme, wenn ich tagelang nicht auf Erde oder Mond reisen könnte. Der Flug zwischen Mond und Erde ist das Äußerste, was ich schaffe. Lasst mich mal schön hier auf dem Mond bleiben.«
»Es werden auch ein Funker, Biologen und Geologen an Bord sein«, sagte Garmond. »Sie werden die Teilnehmer morgen kennenlernen.«
Später flogen sie alle mit dem kleinen Mondshuttle zum Raumhafen der Akademie zurück. Als Isabella und Jan der Wohneinheit ankamen, wurden sie dort bereits von Pelle, Gina und weiteren Freunden erwartet. Sie hatten bereits von den außerplanmäßigen Prüfungen gehört, denen man Jan und Isabella unterzogen hatte.
»Herzlichen Glückwunsch, Ihr beiden frischgebackenen Piloten!«, rief Gina und schwenkte eine Flasche Sekt, die sie irgendwie hereingeschmuggelt hatte.
»Sprecht ihr nun eigentlich noch mit uns?«, wollte Pelle mit einem Augenzwinkern wissen.
Gina öffnete die Flasche und schenkte großzügig in einige Plastikbecher ein, die sie mitgebracht hatte. »Auch wenn es nicht erlaubt ist, muss eine solche Sache gebührend mit Sekt begossen werden.«
»Ihr müsst uns alles erzählen!«, forderte Pelle.
Für den Rest des Abends mussten sowohl Jan als auch Isabella immer wieder in allen Details ihre Prüfungen schildern und von der Mission berichten, auf die sie geschickt würden. Als schließlich alle gegangen waren und sie sich in Jans Zimmer zurückzogen, waren sie so müde, dass sie sofort einschliefen, nachdem sich Isabella in Jans Arme gekuschelt hatte.

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Nächster Teil des Fortsetzungsromans "Die Akademie"

27.05.2018 - 00:00 Uhr

Der 40. Teil trägt den Titel "Alte Seilschaften". Eigentlich hatte Isabella geglaubt, endlich Ruhe vor den rumänischen Geheimdiensten zu haben ... Ich wünsche viel Spaß!

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