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Tagesschau

02. Juni 2020

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92 Tanz auf dem Vulkan - Neugierde

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14. Tanz auf dem Vulkan
14.01 Neugierde

Es hatte lange gedauert, bis Isabella Lückert endlich wieder ihrem Beruf nachgehen konnte. Das erste Schiff, welches unter ihrem Kommando war, war vernichtet worden. Die anschließenden Untersuchungen hatten sich endlos hingezogen. Die ESA war nicht bereit, einem Kommandanten, der eine wertvolle Einheit verloren hatte, ein neues Kommando zu übertragen, bevor seine Unschuld nicht zweifelsfrei erwiesen war. Zwar sagte die gesamte Besatzung der früheren JEAN SIBELIUS zu ihren Gunsten aus, doch das reichte den Kommissionen der ESA offenbar nicht aus. Immer weitere Gutachten wurden erstellt und neue Verhandlungen wurden angesetzt, bis Isabella schließlich nicht mehr die Nerven hatte, weiterzumachen. Sie quittierte ihren Dienst bei der ESA.
Inzwischen war ihre Schwangerschaft bereits so weit fortgeschritten, dass sie in den Mutterschutz gehen konnte. Jan und sie hatten sich lange etwas schwer getan, doch schließlich freuten sie sich auf ihr erstes Kind. Sie wussten beide, dass es schwierig werden könnte, bei ihrem Beruf ein Kind großzuziehen. Für sie beide kam es nicht infrage, das Kind zu den Großeltern zu geben. Jan, der als Testpilot für die ESA arbeitete, stellte eine Anfrage an die Mondakademie, die neben der Ausbildung neuer Raumfahrer auch Forschungsaufgaben durchführte, die von einzelnen Raumfahrtunternehmen finanziert wurden. Irina Onotova war inzwischen, nach dem aus Altersgründen ausgeschiedenen Leiter der Akademie – Dr. Kupharhti -, zur neuen Leiterin der Institution aufgestiegen. Sie nahm bald schon Kontakt zu Jan auf, der ihr noch in angenehmer Erinnerung war. Sie machte ihnen das Angebot, zusammen in den Dienst der UNO einzutreten und für den Bereich Forschung zu arbeiten. Onotova eröffnete ihnen, dass es seit einiger Zeit sogar eine eigene Kinderkrippe auf dem Mond gebe, da Familiengründungen auf dem Mond mittlerweile nicht mehr so selten waren und schon eine Reihe von kleinen Kindern zu versorgen waren. Eine Kinderkrippe war die einzige Möglichkeit, den Eltern die Ausübung ihres Berufes zu ermöglichen. Diese Einrichtung war noch einzigartig bei Institutionen, die mit der Raumfahrt zu tun hatten.
Jan kam es sehr entgegen, dass die UNO rein zivile Projekte durchführte. Zwar hatte er bereits zwei Mal Schiffe auch zum Kampf eingesetzt, doch war er nicht mehr bereit, auch weiterhin militärische Forschungsaufgaben zu erfüllen. Die UNO arbeitete an einer Weiterentwicklung der Schiffsreihe, die aus der alten GINA DACCELLI hervorgegangen war. Man wollte weg von der recht offenen Konstruktion und experimentierte mit geschlossenen Kugelsystemen. Die Forschung war extrem teuer und wurde von allen Staaten der UNO gemeinsam finanziert. Durch seine Erfahrung mit der alten Schiffsreihe war Jan für dieses neue Schiff geradezu prädestiniert.
Jan und Isabella griffen zu und wechselten in die altbekannten Räumlichkeiten der Akademie auf dem Mond. Nur stand ihnen jetzt, im Gegensatz zu früher, eine richtige Wohnung in der Nähe des Forschungstrakts zu. Einige Wochen später brachte Isabella eine gesunde Tochter zur Welt, die sie auf den Namen Christina taufen ließen. Für Isabella war es eine schwierige Zeit. Häufig war Jan mit dem neuen Schiff, der EXPERIENCE, unterwegs und Isabella musste die Versorgung Christinas allein schaffen.
Nach etwa einem halben Jahr erschien Irina Onotova bei den Lückerts und fragte, wann Isabella bereit wäre, gewisse Aufgaben wahrzunehmen. Die NASA hatte einen Auftrag an die Akademie herangetragen, der recht interessant war. Es ging nun darum, eine geeignete Person zu finden, die man der NASA als Piloten zurückmelden konnte.
»Ich hab dabei an dich gedacht, Isabella«, sagte Irina. »Du hast die notwendige Erfahrung, bist eine besonnene Pilotin und vermutlich brennst du auch darauf, endlich wieder aktiv zu werden, oder?«
Isabella zögerte. »Einerseits hast du Recht, Irina. Aber andererseits ist Christina noch so klein. Sie braucht mich noch sehr und ich weiß auch nicht, ob ich sie so einfach in die Krippe geben will.«
»Ich verstehe dich«, sagte Irina. »Aber wir verlangen ja auch nicht, dass du dein Kind weggibst. Du bist schon länger nicht mehr geflogen. Was mir vorschwebt, ist zunächst eine überwiegend theoretische, beratende Arbeit. Ich würde dir sämtliche Unterlagen über das neue Projekt morgen einfach mal vorbeibringen. Ich bin sicher, dass es dich interessieren wird.«
»Worum geht es denn dabei?«, wollte Isabella wissen. »Jetzt hast du mich doch neugierig gemacht. Wenn es um ein neues Schiff geht, würde es mich schon interessieren. Die Entwicklung hat in den letzten Jahren so gewaltige Fortschritte gemacht, dass es schwer ist, am Ball zu bleiben. Wir haben inzwischen einige brauchbare Konstruktionen im All. Jetzt testet Jan bereits seit längerer Zeit dieses Kugelschiff, das immer wieder nachgebessert werden muss. Ich kann mir schon gar keine anderen, logischen Entwicklungen mehr vorstellen, die es nicht bereits gibt.«
Irina lächelte. »Wir führen echte Forschungsaufgaben durch, Isabella. Manchmal geht es auch nicht um Wirtschaftlichkeit, sondern nur um die Beantwortung offener Fragen. Wir haben den Auftrag, mit einem neu konstruierten Schiff die Grenzen der Geschwindigkeit zu erforschen, die wir überhaupt erreichen können.«
»Du sprichst jetzt nicht von der Lichtgeschwindigkeit!«, sagte Isabella. »Das wäre lächerlich!«
»Ich denke nicht, dass wir in der Lage sind, die Lichtgeschwindigkeit zu erreichen«, sagte Irina. »Jedenfalls nicht, wenn Einstein mit seinen Theorien recht hatte. Aber wir werden versuchen, so nah, wie möglich an diese Grenze heranzukommen, und dabei eventuell auftretende Besonderheiten zu erfassen.«
Isabella war sprachlos.
»Welches Schiff soll denn so eine Geschwindigkeit erreichen?«, wollte sie wissen. »Du weißt, dass ich schon Plasmaschiffe geflogen habe und keines davon wäre auch nur ansatzweise in der Lage, solche Geschwindigkeiten zu erreichen.«
»Ich bringe dir morgen die Unterlagen mit und werde weitere Fragen beantworten.«
In diesem Moment meldete sich die kleine Christina aus dem Kinderzimmer.
»Sie hat jetzt sicher Hunger«, erklärte Isabella. »Willst du sie dir einmal anschauen? Sie ist ungemein gewachsen, seit du zuletzt hier warst.«
Die Frauen erhoben sich und gingen gemeinsam ins Kinderzimmer, wo Christina bereits in ihrem Bettchen herumrollte. So wie sie ihre Mutter erkannte, lächelte sie und streckte ihr die Arme entgegen. Isabella hob sie aus dem Bett und nahm sie auf den Arm.
»Meine Güte, ist sie groß geworden«, sagte Irina. »Macht sie nicht Geräusche beim Wachsen?«
Isabella lachte. »Manchmal glaub ich, sie müsste Geräusche dabei machen. Sie hat aber auch einen gesunden Appetit.«
Sie gab ihrer Tochter einen Kuss auf die Wange. »Sie ist unser Sonnenschein«, sagte sie.
»Das glaub ich gern«, sagte Irina lächelnd. »Manchmal bereue ich es, dass ich mich dagegen entschieden habe, aber jetzt ist es definitiv zu spät dazu.«
Sie verabschiedete sich und versprach, ihr am nächsten Tag die Unterlagen zu bringen.
Am Abend sprach Isabella mit Jan, der mit der EXPERIENCE noch in der Nähe der Venusbahn unterwegs war. Sie berichtete vom Besuch Irinas und davon, dass sie ihr ein Angebot gemacht hatte.
»Meinst du nicht, dass es noch etwas früh ist, wieder voll einzusteigen?«, fragte er.
Isabella hasste es, solche Gespräche ausgerechnet dann führen zu müssen, wenn man immer minutenlang auf eine Antwort warten musste. Die Entfernung zwischen ihnen war einfach zu groß.
»Jan, ich weiß, dass Christina uns, und insbesondere mich, braucht, aber es kann auch nicht sein, dass du ganz normal deinen Job machst und ich nur noch das Hausmütterchen spielen soll. Dafür hab ich nicht so hart gearbeitet. Auch ich liebe meinen Job. Ich werde mir das auf jeden Fall anschauen.«
Wieder vergingen Minuten, bis die Antwort eintraf. »Du musst es selbst wissen, Isabella. Ich halte es für falsch, wenn du jetzt bereits wieder arbeitest.«
Isabella glaubte, ihren Ohren nicht zu trauen. Glaubte Jan etwa, sie würde ab jetzt nur noch für Heim und Herd sorgen und er allein hätte das Recht gepachtet, einen Beruf auszuüben? Sie spürte, wie ihr der Ärger förmlich die Luft abschnürte.
»Dann halte es eben für falsch, aber finde dich damit ab, dass ich selbst entscheiden werde, ob ich wieder berufstätig sein werde!«, sprach sie laut ins Mikrofon und schaltete dann wütend ab.
Kaum hatte sie das Gespräch beendet, tat es ihr auch schon Leid. Sie wusste ja, dass Jan es nicht böse meinte. Er hatte nur das Wohl ihrer Tochter im Auge. Trotzdem hatte sie nicht vor, sich still und heimlich in eine Ecke drängen zu lassen. Es musste möglich sein, beides miteinander zu vereinbaren – Familie und Beruf. Irina hatte von einer Kinderkrippe gesprochen, in der Christina für die Dauer ihrer Tätigkeit versorgt werden könnte. Es wäre ja auch immer nur für einige Stunden. Isabella begann, sich innerlich darauf einzustellen, wieder aktiv zu werden.
Am nächsten Tag – Isabella hatte Christina eben versorgt – erschien Irina mit einem Stapel Unterlagen, die sie ihr auf den Tisch legte.
»Das sind die Unterlagen«, sagte sie. »Schau sie dir in Ruhe an. Du wirst sicher Fragen haben.«
Isabella griff sich einen Ordner heraus und blätterte darin herum.
»Was für eine Art Schiff soll das sein?«, fragte sie, nachdem sie die Übersichtsseite mit den technischen Daten gesehen hatte. »Die Leistungswerte, die hier stehen, können unmöglich stimmen.«
Irina lächelte. »Wie es scheint, interessiert dich die Sache, oder täusche ich mich?«
»Allein die Beschleunigungswerte sind vollkommener Blödsinn. Kein normaler Plasmaantrieb kann so etwas erzeugen.«
»Schau es dir in Ruhe an – wir machen nachher einen kleinen Ausflug zur Akademie-Werft. Du wirst staunen.«
Isabella blickte von ihren Unterlagen auf. »Seit ich damals in die Akademie eingetreten bin, hat die technische Entwicklung der Raumfahrt einen ungeheuren Schritt nach vorn gemacht. Noch während meines Studiums wäre ein Schiff mit Plasmaantrieb unvorstellbar gewesen – bis es plötzlich die GINA DACCELLI gab, die jede weitere Entwicklung revolutionierte. Innerhalb kürzester Zeit gab es überall diese Plasmaschiffe. Was kommt als Nächstes? Du willst mir doch nicht erzählen, dass ihr schon wieder ein vollkommen neues Antriebsprinzip entwickelt habt?«
»Ich hol dich heute Mittag ab«, sagte Irina lächelnd. »Kümmere dich darum, dass Christina versorgt ist. Ich hab mit der Leiterin der Kinderkrippe gesprochen. Sie sieht kein Problem darin, deine Kleine für ein paar Stunden zu übernehmen. Sie ist ja bereits abgestillt, oder?«
»Ja, ist sie. Seit etwa einem Monat bekommt sie andere Nahrung.«
»Dann ist es ja kein Problem. Bis nachher dann.«
Irina verließ die Wohnung und ließ eine recht nervöse Isabella zurück. Was würde sie in der Werft erwarten? Hatte man tatsächlich etwas völlig Neues entwickelt? Die Leistungswerte schienen es zu bestätigen. Doch was sollte das sein? Was würde noch mehr Schub erzeugen können als ein Plasmatriebwerk? Sie wusste es nicht.

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