Get Adobe Flash player

Die Besucher

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

Beitragsseiten

 

Dr. William Lyman betrat den Auswertungsraum der zum "Very large Array" gehörenden Station in Socorro / New Mexico. Es handelte sich dabei um eines der größten Radioteleskope der Welt und die Bezeichnung "Array" machte deutlich, dass es sich um eine ganze Reihe von Radiotelekopen handelte, die man zusammengeschaltet hatte, um bessere Ergebnisse zu erzielen.
Lymans Laune war nicht die Beste. Seit er zum SETI-Projekt gestoßen war und sich mit der Suche nach Signalen von außerirdischem Leben befasste, waren seine erhofften Erfolge ausgeblieben. Es steigerte seine Laune auch nicht, dass der Kaffeautomat in der Eingangshalle schon wieder kaputt war.
"Was ist los?", fragte Nat Boeringer, der Programmierer, als er Lymans mürrisches Gesicht sah, doch dieser winkte nur ab.
"Es gibt schon wieder keinen Kaffee", sagte er schließlich.
"Komm', setz' dich zu mir", sagte Nat, "ich habe noch welchen in meiner Isolierkanne. Du kannst ihn dir gern nehmen."
"Das ist nett, danke", antwortete Lyman.
Er nahm auf einem Stuhl neben Nat Platz und schüttete sich etwas Kaffee in seine vollkommen verdreckte Bechertasse.
"Manchmal macht es mich einfach fertig", erklärte er, "ich frage mich häufig, ob unsere Anlagen überhaupt funktionieren, oder ob sie genauso zuverlässig sind, wie dieser verdammte Kaffeeautomat."
Vorsichtig nippte er an seinem Kaffee.


"Wie lange beobachten wir nun schon das Sternbild des Scorpion?", fragte er Nat.
"Zu lange", antwortete dieser, "ich bin schon lange dafür, dass wir uns ein neues Ziel suchen. Die Pulsare und Radiosterne im Scorpion liefern nur die üblichen, rhythmischen Routinen. Da sind keine Modulationen erkennbar, die auf intelligentes Leben schließen lassen. Aber du kennst ja den Verwaltungsrat der Universität ..."
Schweigend blickten sie auf die unzähligen Anzeigen der Empfänger und Aufnahmegeräte, als plötzlich ein neuer Ton sich unter das Rauschen des Weltalls mischte. Lyman verschüttete fast seinen Kaffee und Nat rutschte beinahe von seinem Stuhl.
"Läuft die Aufnahme?", fragte Lyman, "Ruf' sofort im Büro von Dr. Hammersmith an. Zoe soll sofort kommen. Wir brauchen sofort eine Kryptologin."
"Es ist bestimmt wieder falscher Alarm", behauptete Nat, "es ist immer falscher Alarm."
"Nat, beweg' deinen Arsch!", schimpfte Lyman, "Ich will sofort wissen, wo dieses Signal herkommt. Stehen irgendwelche Satelliten dort oben, die uns einen Streich spielen?"
Nat hatte inzwischen einige Schaltungen vorgenommen.
"Das Signal kommt direkt aus der Richtung vom Antares - definitiv nicht natürlichen Ursprungs."
Nat deutete auf einen der Monitore.
"Hier, sieh dir diese Amplituden an", sagte er, "das kann nicht natürlich sein. Soll ich SETI verständigen?"
"Nicht so hastig, Nat", mahnte Lyman, "es ist noch nichts verifiziert. Wir wollen uns ja auch nicht lächerlich machen. Wandert das Signal?"
"Negativ", meinte Nat, "wenn es ein Satellit wäre, hätten wir inzwischen schon einen messbaren Winkel. Dieses Signal stammt wirklich von draußen."
Sie sahen sich einen Moment schweigend an, dann jubelten sie laut los.
"Mensch, wir haben wirklich ein echtes, außerirdisches Signal aufgefangen!", rief Lyman, "Jetzt müssen wir nur noch herausfinden, was es bedeutet. Ruf' bitte sofort Zoe an."

* * *

Ganz allmählich erwachte Sguun. Sguun war ein Droon, genauer gesagt, er war der Denker der Hexade Vrood, die das Trägerraumschiff "Unterwerfer" befehligte. Es dauerte eine Weile, bis Sguun seine Gedanken wieder logisch ordnen konnte. Diese Situationen waren ihm immer äußerst unangenehm, zumal ein Denker die Aufgabe hatte, seine Hexade zu leiten und zu ordnen. Er richtete seine optischen Sensoren in alle Richtungen, um sich einen Überblick zu verschaffen.
Liboth, der zweite Connector der Hexade starrte ihn bereits erwartungsvoll an.
"Ihr Denker braucht wirklich immer am längsten", sagte Liboth, "der bionische Lenker hat das Signal gegeben. Es ist soweit. Wir müssen uns bei Klesh melden."
Sguun ließ seinen sechseckigen Körper vibrieren, um wieder Gefühl in den sechs Beinen und in seinen Manipulatoren zu bekommen. Diesmal musste es sehr lange gedauert haben, bevor das Signal gegeben wurde, viele Zyklen, bevor die automatischen Ortungseinrichtungen wieder einmal eine intelligente Rasse ausfindig gemacht hatten, die es zu bekämpfen und unterwerfen lohnte.
"Sguun, wir müssen in die Zentrale", mahnte Liboth, "wenn der bionische Lenker erst einmal die Kontrolle abgegeben hat, müssen wir bereit sein, sie zu übernehmen."
"Dann sollten wir uns beeilen", meinte Sguun, "was ist mit dem Rest der Hexade?"
"Alle bereits wach und einsatzbereit", meldete Liboth, als sie sich auf den Weg in die Zentrale machten. Die "Unterwerfer" war ein Trägerraumschiff, so dass es ein beachtlicher Weg war, den sie zurücklegen mussten.
Die Droon waren eine sehr alte und sehr kriegerische Rasse. Vor Millionen von Jahren waren sie auf dem Planeten Kualp entstanden, der die Riesensonne Antares umkreiste, welche die hellste Sonne im Sternbild des Skorpions ist. Die unglaubliche Größe von Antares, die etwa siebenhundert Mal größer ist, als die irdische Sonne, sowie die Tatsache, dass es sich bei Antares um einen Pulsar handelte, führte zu einer extrem widerstandsfähigen Rasse, die nach einer langen planetaren Geschichte voller Kriege, den Sprung ins All geschafft hatte. Angetrieben durch ihre Mentalität, bauten sie riesige Armadas von Kampfraumschiffen und durchstreiften das All - immer auf der Suche nach intelligentem Leben, das man bekämpfen und unterwerfen konnte. Man konnte sagen, dass Expansion und Kampf die Antriebsfedern jeglichen Tuns der Droon waren. Dabei verbrachten die Droon die Zeit bis zu einem Alarm durch die automatischen Systeme im Kältetiefschlaf und wurden erst geweckt, wenn potentielle Gegner lokalisiert worden waren. Sehr hilfreich war ihnen dabei auch ihre extreme Fruchtbarkeit. Eine einzige Hexade war durchaus in der Lage, einige Tausend Nachkommen zu zeugen. Da nahezu alles im Leben der Droon auf der Ordungszahl sechs beruhte, traf dies auch für ihre Fortpflanzung zu. Jeweils eine Hexade aus sechs Droons musste sich vereinigen, um Nachkommen zu zeugen. Dabei hatte jedes Mitglied der Hexade eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen. Es gab jeweils ein Weibchen, ein Männchen, einen Denker und drei Connectoren, die vermittelnd tätig werden mussten.
Als Sguun und Liboth die Zentrale betraten, wurden sie überschwänglich vom Rest der Hexade begrüßt. Sguun überging diese Zudringlichkeiten zunächst und fragte:
"Wie ist der Status der anderen Schiffe? Wie sehen wir in den Bruttanks aus? Können wir in kurzer Zeit eine komplette Mannschaft von Soldaten für die Beiboote heranzüchten?"
"Klesh von der 'Eroberer' wartet bereits auf unsere Meldung", sagte Klethana, das Weibchen der Hexade, "die Bruttanks könnten allerdings etwas Nachschub gebrauchen. Ich würde vorschlagen, dass wir noch vor der nächsten Mission verschmelzen, damit ich den Tanks neue Eier zuführen kann, Sguun."
Sguun verspürte eine unterschwellige Erregung, als er an eine in Kürze stattfindende Verschmelzung dachte, schob diesen Gedanken jedoch beiseite und forderte den bionischen Lenker auf, eine Verbindung zur 'Eroberer' herzustellen.
Die holographische Projektion eines Droon erschien mitten im Raum. Es handelte sich um den Leiter der Mission, Klesh, der vom Flagschiff "Eroberer" aus die Armada der Droon befehligte. Sguun wusste, dass nun ein entsprechendes Hologramm von ihm ebenfalls in der Zentrale der "Eroberer" erschien und nahm die demutvolle Haltung des Untergebenen ein.
"Eure Hexade ist spät dran", kritisierte Klesh anstelle einer Begrüßung, "die übrigen Schiffe haben bereits ihre Bereitschaft gemeldet."
"Ich bitte um Vergebung, Klesh", sagte Sguun entschuldigend, "unser bionischer Lenker hat den Weckprozess nicht eher eingeleitet."
Klesh winkte mit einem seiner Manipulatoren und meinte:
"Lassen wir das. Wir haben eine vielversprechende Ortung aus dem vor uns liegenden Sonnensystem. Der bionische Analysator hat errechnet, dass der dritte Planet dieses Systems intelligentes Leben tragen muss. Die Rezeptoren haben Signale aufgefangen, die eindeutig beweisen, dass es Wesen gibt, die in der Lage sind, Audio- und Videosignale zu erzeugen. Überraschend ist nur, dass der dritte Planet äußerst klein ist und überwiegend mit einer Wasserstoff-Sauerstoff-Verbindung in flüssigem Aggregatzustand bedeckt ist. Die Sonne ist zudem relativ klein und kann daher nicht sehr viel Energie abgeben. Der Planet ist daher extrem kalt."
"Ist es unter diesen Umständen überhaupt ratsam, ihn zu erobern und seine Bewohner zu unterwerfen?", wollte Sguun wissen, "Er ist für uns ungeeignet und wir verbrauchen nur wertvolle Ressourcen."
"Sguun, hüte dich vor lasterhaften Gedanken!", wies ihn Klesh zurecht, "Die Droon wurden erschaffen, um zu unterwerfen. Das haben wir immer getan und wir werden nicht ruhen, bis das Reich der Droon das Einzige im Universum ist. Diese Wesen werden - wie alle anderen bisherigen auch - begreifen müssen, dass nur die Droon geeignet sind, die Geschicke des Universums zu leiten. Wir werden unverzüglich volle Gefechtsbereitschaft herstellen und mit der gesamten Armada den Planeten anfliegen. Deine Hexade wird eine Mitteilung an diese Wesen vorbereiten und absenden. Kündige ihnen unsere Ankunft an und weise auf unsere Flottenstärke hin. Vielleicht hält es sie schon davon ab, Gegenmaßnahmen zu ergreifen und wir sind nicht gezwungen, sie auszulöschen."
"Verstanden", bestätigte Sguun, "wir werden unseren bionischen Lenker an den Lenker der "Eroberer" koppeln. Gefechtsbereitschaft wird unverzüglich hergestellt."
Das Hologramm ihres Leiters verschwand und die Hexade Vrood war wieder allein. Sguun drehte einige seiner optischen Sensoren und erblickte Klethana, sowie Tarnuuk, ihr Männchen, sowie die Connectoren Naados, Liboth und Klephk. Alle machten sie einen äußerst erregten Eindruck. Zum einen war es díe Vorfreude auf den bevorstehenden Kampf, zum anderen auch die Vorfreude auf die bevorstehende Verschmelzung ihrer Hexade. Bisher hatten sie sich noch vor jedem Kampf verschmolzen. Sguun konnte sich selbst kaum noch beherrschen, doch die Anweisungen waren klar. Also bereitete er eine Funkmitteilung vor, die den Fremden ihr Ultimatum klar machen sollte. Wenn die Fremden so intelligent waren, wie es vermutet wurde, würden sie die Nachricht entschlüsseln können und ihre Schlüsse daraus ziehen können. Nachdem die Nachricht einige Male gesendet worden war, koppelte er noch ihren bionischen Lenker an den Lenker des Flagschiffs. Nun würden sie Zeit haben, bis die Armada den Zielplaneten erreichen würde, Zeit genug für eine intensive Verschmelzung. Die anderen Mitglieder der Hexade hatten sich bereits entsprechend aufgestellt und Sguun nahm seinen Platz in der Runde ein. Wie immer, übernahm das Weibchen die weitere Initiative und forderte die Übrigen auf, den Kontakt herzustellen. Sguun spürte, wie eine Welle der Ekstase seinen Körper durchlief. Sein Denken setzte aus und er gab sich ganz der Verschmelzung hin. Es war noch so viel Zeit.


* * *

Textgröße wählen

Meine Bücher

Die Akademie.jpg