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Die Besucher - Seite 3

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Die Mission stand unter keinem guten Stern. Die Aufklärer waren eben erst gestartet, als die Ortungsanlagen an Bord der "Unterwerfer" anschlugen und Alarm auslösten. Sguun und seine Hexadenpartner waren wie gelähmt, als sie sahen, was da aus einem der Gebäude auftauchte und sich auf die Armada zu bewegte. Drei gigantische Wesen bewegten sich auf Beinen, von denen jedes so dick war, wie die ganze "Unterwerfer". Die Wesen waren so hoch, dass sie bis in den Himmel zu reichen schienen. Es war nur schwer vorstellbar, dass eine solche Lebensform überhaupt lebensfähig war. Niemals in ihrer Geschichte hatten sie es mit Wesen solcher Größe zu tun gehabt.
Die ersten panischen Meldungen der Aufklärer trafen ein:
"... keine Chance gegen diese monströsen Kolosse ... vernichtet ...", war einer der vielen verstümmelten Meldungen der Beibootpiloten.
Die Fremden schlugen einfach mit ihren riesigen Extremitäten zu und zerstörten viele der Kämpfer noch in der Luft.
"Konzentrierter Angriff!", befahl die Stimme von Klesh über Funk, "wir müssen sie zurücktreiben oder vernichten!"
Ganze Wolken von Beibooten stürzten sich im Mute der Verzweiflung auf die Fremden, denen diese Bombardements und Laserattacken nur lästig zu sein schienen. Zu Hunderten wurden die eigenen Soldaten vernichtet. Zum ersten Mal dachte Sguun über einen Rückzug nach, hütete sich aber, diesen Gedanken laut zu äußern. Es hätte sowieso nicht funktioniert, da ihr bionischer Lenker mit dem auf dem Flagschiff gekoppelt war.
Die Katastrophe nahm ihren Lauf, als einer der Fremden die "Eroberer" erreichte und sie mit einem seiner Beine einfach wegschlug. Sguun konnte es nicht glauben. Ein Trägerschiff der Droon - einfach weggeschlagen. Die Ereignisse in der Funkanlage überschlugen sich. Die "Eroberer" musste es schwer erwischt haben. Einen solchen Schlag konnte auch ein gutes Dämpfungssystem nicht ohne Weiteres neutralisieren. Die empfindliche Technik des Schiffes musste extrem gelitten haben.
"'Eroberer', bitte melden!", rief Sguun, "Wie ist Ihr Status? Können wir helfen?"
Er fragte sich zwar, wie er in dieser Situation noch helfen sollte, doch musster er es wenigstens anbieten. Als Antwort erhielten sie lediglich ein raues Kratzen und Hilferufe, die durch das beschädigte Schiff hallten. Man musste davon ausgehen, dass die Führung der 'Eroberer' nicht mehr einsatzfähig oder am Leben war. Entsetzt sah er zu, wie der Fremde sich auf die 'Eroberer' herabsenkte - anders ließ es sich nicht ausdrücken, wie es wirkte, als sich dieses Monstrum nach unten bewegte und mit seinen Extremitäten nach dem Schiff griff. Es zuckte zurück, also waren nicht alle an Bord tot. Einige kämpften noch immer und feuerten mit den schweren Bordgeschützen, was das Zeug hielt. Der Fremde wurde jedoch nicht getötet - ganz im Gegenteil - er erhob sich wieder, als wäre nichts geschehen. Was waren das für Wesen, denen die Bordgeschütze eines Trägerraumschiffs nichts ausmachten?
"Wir sollten hier verschwinden", flüsterte Klethana, "solche Wesen kann man nicht besiegen."
Klethana sprach das aus, was Sguun nicht auszusprechen wagte. Zustimmend wippte er mit einigen seiner optischen Sensoren und gab den allgemeinen Startbefehl. Da Klesh offenbar nicht mehr lebte, fiel diese Aufgabe nun ihm zu.
"Es geht nicht!", rief Naados, der Connector von den Kontrollen her, "unser bionischer Lenker war auf die 'Eroberer' eingeloggt und wurde nicht mehr freigegeben. Wir können nicht ohne Weiteres starten. Es kann einige Einheiten dauern, bis ich diese Verbindung manuell getrennt habe."
Panik stieg in Sguun auf. Diese Zeit hatten sie nicht. Nach und nach erfuhr er von den übrigen Schiffen, dass sie alle das selbe Problem hatten. Dann erschien ein riesiges Fahrzeug, aus dem weitere dieser Monster kletterten. Sguun musste mit ansehen, wie ein Schiff nach dem anderen von diesen Wesen aufgehoben und auf das Fahrzeug geworfen wurde, worauf die Verbindung zum Schiff jeweils abriss. Dann war die 'Unterwerfer' an der Reihe. Es folgten eine Reine von heftigsten Erschütterungen. Sie wurden durcheinander geworfen und schlugen teilweise hart gegen die Einrichtung der Zentrale. Der bionische Lenker platzte an den Versorgungsanschlüssen auseinander und die biologische Masse ergoss sich in die Zentrale. Ein furchtbarer Gestank machte sich breit. Sguun konnte die Alarme nicht mehr zählen. Das Schiff war nicht viel mehr, als ein Wrack. Sein Blick wanderte zu Klethana, die leblos in ihrer Schutzhalterung hing. Ihre optischen Sensoren hingen schlaff herab. Er sah auf den ersten Blick, dass sie tot war. Seine Hexade war nicht mehr vollständig, doch was machte das jetzt noch?
Sguun verspürte Schmerzen in seinem Körper, doch er zwang sich, die wenigen, noch intakten Außenanzeigen zu beobachten. Inzwischen hatte dieses Fahrzeug sich bewegt und man hatte die Armada in einen riesigen Raum gebracht, der von künstlichen Sonnen erleuchtet wurde. Die 'Unterwerfer' wurde von einem Wesen ergriffen und transportiert. Auch, wenn die automatischen Waffensysteme noch funktionierten: Der Fremde hatte einen Schutz an seinen Extremitäten, der auch von Bordgeschützen nicht durchdrungen werden konnte. Es war aussichtslos. Das Schiff wurde in eine Vorrichtung eingespannt, die von zwei Seiten Druck auf die Schiffshülle ausübte. Ein bedrohliches Knacken der Hülle zeigte an, dass die Belastung bis an die Grenzen der Haltbarkeit ging. Das Entsetzen Sguuns steigerte sich noch, als der Fremde etwas schnell rotierendes hob und an die Hülle der 'Unterwerfer' hielt. Mit einem betäubenden, kreischenden Ton schnitt die rotierende Scheibe einfach ins Schiff hinein und zerteilte es in zwei Hälften. Die Technik versagte endgültig, doch das war nun egal, denn eine der Wände der Zentrale war endgültig verschwunden und Sguun, der sich nur noch mühsam bei Bewusstsein hielt, konnte nun mit seinen eigenen optischen Sensoren sehen, wie die Fremden aussahen. Einer von ihnen blickte in das Schiff hinein, griff dann nach einerm riesigen Zylinder und näherte diesen dem Schiff. Ein orkanartiger Sturm brach los und und eine Masse von flüssigem Aggregatzustand kroch in sämtliche Ritzen des Wracks. Sguun merkte, wie nacheinander alle seine optischen Sensoren unbrauchbar wurden und ihn die Kräfte verließen. Sein letzter Gedanke war, dass sie den Droon keine Ehre gemacht hatten. Dann starb er.

* * *

In der Kantine war es kühl und vor allem gab es hier nicht diese eigenartigen Insekten, die ihnen auf der Straße draußen so sehr zugesetzt hatten. Lyman griff nach seinem Mobiltelefon und rief beim Ordnungsdienst an:
"Lyman hier", meldete er sich, "ich wollte nur noch einmal nachfragen, ob Sie etwas über diese Kugeln herausgefunden haben."
Er hörte eine Weile zu, während Nat und Zoe ihn gespannt musterten. Als er auflegte, fragten sie:
"Und? Können Sie schon etwas sagen?"
"Sie haben die Dinger auf den Wagen geladen und erst einmal in die Werkstatt gefahren", erklärte er, "dabei mussten sie peinlich darauf achten, Handschuhe zu tragen, da sie sonst ständig einen Schlag bekommen hätten. In der Werkstatt hat einer der dortigen Kollegen eine der Kugeln in einen Schraubstock gespannt und mit einer Flex geöffnet."
"Und was war drin?", fragte Nat.
"Das ist ja das Eigenartige. Das Innere dieser Kugel war in winzigste Kammern aufgeteilt - so ähnlich, wie Waben. Sie war voll von irgendwelchem Ungeziefer. Sie haben es mit Insektiziden besprüht, damit die Viecher nicht überall herumkrabbeln. Anschließend haben sie auch den ganzen Rest der Kugeln aufgeschnitten - überall dasselbe: Waben und Ungeziefer. Er meinte, wir können sicher sein, dass er alle erwischt hat. Wäre ziemlich eklig gewesen. Die Kugeln haben sie auf den Schrott geworfen."
"Hmm, was machen wir jetzt?", fragte Nat.
"Was sollen wir schon machen?", fragte Lyman, "Erst veralbert uns jemand mit angeblich außerirdischen Signalen, die auf einmal verschwinden, dann legt uns jemand Behälter mit Ungeziefer vor das Institut. Ich bin nicht bereit, mich von solchen Aktionen beeindrucken zu lassen. Es wäre sicher schön gewesen, wirklich Kontakt zu außerirdischem Leben zu bekommen, doch vielleicht sind wir ja wirklich allein hier in diesem Universum - wer weiß."
"Also suchen wir weiter", schloss Zoe das Gespräch und erhob sich.
"Wenn ich den Kerl erwische, der uns diese Streiche gespielt hat, kann er 'was erleben", sagte Lyman, während sie durch die heiße Wüstenluft wieder zu ihren Arbeitsplätzen zurückliefen.

 

 

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