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Ein Tag wie jeder Andere

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Ein Tag wie jeder Andere

Sascha Leyden hatte sich schon den ganzen gestrigen Tag nicht wohl gefühlt. Vermutlich hatte er sich einen grippalen Infekt zugezogen, wie er im Augenblick grassierte. Gerade jetzt, wo es innerhalb seiner Firma wieder einmal betriebsbedingte Kündigungen gab, passte es Sascha ganz und gar nicht, möglicherweise das Bett hüten zu müssen. Er hatte lange genug gekämpft, um eine feste Anstellung bei der Axxium-Versicherungsgesellschaft zu bekommen. Seine Freundin Conny hatte noch nicht so viel Glück gehabt – sie hielt sich durch eine Kombination von kurzfristigen Teilzeitjobs über Wasser.
Sascha sah auf seinen Computermonitor und musste sich anstrengen, dort etwas zu erkennen. Im Laufe des Tages hatte er bohrende Kopfschmerzen bekommen, die er auch mit Hilfe eines Schmerzmittels nicht in den Griff bekommen hatte. Verzweifelt blickte er auf die zahlreichen Unterlagen auf seinem Schreibtisch, die er noch bearbeiten musste. Er fragte sich, wie er das heute schaffen sollte – oder morgen, wenn die Grippe noch schlimmer werden sollte. Sascha wusste genau, dass man zwar eigentlich nicht entlassen werden konnte, wenn man krank war, doch die Praxis sah anders aus. In diesen Zeiten fand der Arbeitgeber immer eine Möglichkeit, einen Arbeitnehmer loszuwerden, der keine Effektivität versprach. Er machte sich keine Illusionen darüber, dass bereits zwei bis drei Tage Krankheit ausreichen konnten, seinen Job in Frage zu stellen.

Sascha griff nach der nächsten Mappe und las die Beschreibung des Schadenfalles durch. Es war seine Aufgabe, Schadenfälle zu bewerten und die Folgen einer Schadenregulierung auf die Beitragsentwicklung des Kunden zu kalkulieren. Er las den Vorgang drei mal durch, doch konnte er sich einfach nicht mehr ausreichend auf den Text konzentrieren. Er befühlte seine Stirn und fand sie schweißnass. Vermutlich hatte er sogar Fieber. Er gehörte einfach nur noch ins Bett. Sascha beschloss, alles auf eine Karte zu setzen und seinen Vorgesetzten zu bitten, ihn früher nach Hause gehen zu lassen. Er klappte die Mappe zu und legte sie wieder zurück auf den Stapel der unerledigten Akten. Dann erhob er sich und verließ seine Arbeitskabine, die nur durch einige Stellwände von den übrigen Arbeitsplätzen in dem Großraumbüro abgetrennt war. Im Gang auf dem Weg zum Büro des Leiters traf er auf Lara Schmidt, die als Mädchen für Alles im Büro eine relativ sichere Stelle hatte. Lara war wie immer gut gelaunt und meinte:
„Hallo Sascha.“
Dann umwölkte sich ihre Miene und sie fragte:
„Geht es Dir nicht gut?“
„Nein Lara, ich glaube, mich hat eine Grippe erwischt. Komme mir am Besten nicht zu nahe, sonst bekommst Du es auch noch.“
Sie rückte gleich etwas von ihm ab und meinte:
„Gebrauchen kann ich es nicht, aber es ist auch keine Katastrophe, oder?“ „Na ja, wenn ich mir Harald Feininger ansehe, – er hat sich ein Bein gebrochen und wurde aus betriebsbedingten Gründen bereits am folgenden Tag entlassen – dann ist es schon eine Katastrophe.“
„Harald!“ stieß Lara verächtlich aus. Sascha hatte so einen Tonfall von ihr bisher nicht gehört.
„Er hat es selbst verschuldet.“
„Den Beinbruch?“ fragte Sascha entgeistert.
„Blödsinn – er hat alle Vorschläge der Geschäftsführung abgelehnt. Da muss er sich nicht wundern, wenn er gefeuert wird.“
Sie waren mittlerweile am Büro des Leiters angekommen. Lara hielt Sascha kurz an der Schulter fest und flüsterte ihm ins Ohr:
„Flexibilität ist der Schlüssel, Sascha. Mach da drin keinen Fehler. Kuriere Dich aus, aber sei flexibel. Du bist nett – ich würde es nicht gern sehen, wenn Du nicht mehr hier wärst.“
Lara ließ seine Schulter los und tänzelte mit ihren langen Beinen weiter den Gang hinunter. Sascha stieß die Luft aus und sah ihr nach. Sie war schon eine Augenweide. Er machte sich von dem Anblick los. Er hatte schon genug Probleme bekommen, als Conny ihn kürzlich von der Arbeit abgeholt hatte und ihn mit Lara aus dem Haupteingang kommen sah. Sie war so entsetzlich eifersüchtig. Aber was hatte sie eben gemeint? Sascha klopfte an die Tür des Vorgesetzten, wartete einen Augenblick und öffnete - als er nichts gehört hatte – vorsichtig die Tür.
Der Leiter der Schadenabteilung – Ryan Foster – kam von der englischen Muttergesellschaft und hatte sich zum Ziel gesetzt, diese Abteilung zum Aushängeschild der deutschen Niederlassung zu machen. Er blickte von seiner Arbeit auf und sagte:
„Herr Leyden, kommen Sie herein, was kann ich für Sie tun?“
Wie immer begleitete ein breites Lächeln seine Worte. Sascha trat ein und schloss die Tür. Er setzte sich auf eine freien Stuhl vor dem Schreibtisch und sagte:
„Herr Foster, ich fühle mich nicht gut.“
Foster lächelte immer noch, als er fragte:
„Und warum erzählen Sie mir das? Sie wollen doch nicht etwa Urlaub beantragen? Sie sind meines Wissens noch kein halbes Jahr in Ihrer jetzigen Position, da steht Ihnen ein Erholungsurlaub noch nicht zu.“ „Nein Herr Foster, das ist mir klar, aber ich habe mir wohl eine Grippe eingefangen. Ich bin krank und wollte nach Hause gehen, um mich auszukurieren.“
Das Lächeln verschwand von Fosters Gesicht.
„Herr Leyden, ich habe Sie bisher als zuverlässigen Mitarbeiter kennen gelernt.“ sagte er, „Aber Sie kennen auch die schwierige Lage, in der wir uns alle befinden. Überall muss gespart werden. Wir alle müssen Opfer bringen. Überlegen Sie es sich, ob es die Sache Wert ist, sich auszukurieren und dafür die Firma im Stich zu lassen.“
„Ich will doch nicht die Firma im Stich lassen!“ brauste Sascha auf, „Es kann doch nur im Sinne der Firma sein, wenn ich nach ein oder zwei Tagen wieder voll einsatzfähig bin.“
„Wenn Sie dann wieder arbeiten können, mag das sein, Herr Leyden – aber was, wenn es länger dauert? Dann entsteht bereits ein Schaden, dem wir eventuell nur entgehen könnten, wenn wir Sie durch einen gesunden Mitarbeiter ersetzen. Sie wissen selbst, dass es genug Menschen gibt, die nur darauf warten, Ihren Job ebenso gewissenhaft zu machen, wie Sie ihn bisher gemacht haben.“
Sascha war entsetzt, wie sehr er hier ausgebootet werden sollte. Er war nicht bereit, so schnell aufzugeben und meinte:
„Wenn ich könnte, würde ich mich sofort wieder an meinen Platz setzen, Herr Foster. Aber heute geht es einfach nicht, auch wenn Sie mir drohen.“ Foster schüttelte leicht den Kopf.
„Ich drohe Ihnen doch nicht, Herr Leyden – ich zeige Ihnen nur auf, wie die Situation derzeit ist. Ich weiß doch selber, dass Sie …“
Foster hielt inne und überlegte. Dann fuhr er fort:
„Sagen Sie, Herr Leyden, besitzen Sie eigentlich ein Interface?“ „Natürlich habe ich zu Hause einen Computer mit Internetzugang.“ bestätigte Sascha.
„Nein, das meine ich nicht. Mir ist klar, dass Sie Internetzugang haben – schließlich ist es seit ein paar Jahren Pflicht, einen solchen Zugang zu haben. Was ich meine ist ein Interface.“
Foster sah ihn an und stellte fest, dass er überhaupt nicht zu wissen schien, wovon er sprach.
„Sie müssen doch davon zumindest gehört haben.“ sagte er vorwurfsvoll, „Eine Schnittstelle direkt zum Gehirn. Es wird seit fast zwei Jahren häufig bei Menschen eingesetzt, die körperliche Gebrechen haben, um ihnen eine Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.“
Sascha überlegte.
„Doch davon habe ich gehört. Aber warum sollte ich so etwas haben? Ich bin nicht gebrechlich.“
Foster sah ihn intensiv an und meinte:
„Herr Leyden, das ist nicht der Punkt. Flexibilität ist das Stichwort. Sie wollen doch flexibel sein, oder?“
Sascha fiel der Satz von Lara wieder ein. Sie hatte ihm vorhin vor der Tür dasselbe gesagt. Vorsichtig sagte er:
„Sicher bin ich flexibel. Deshalb hatte ich mich ja auch bei Axxium beworben, aber ich verstehe immer noch nicht….“
Foster setzte wieder sein bekanntes Lächeln auf und griff in seine Jackentasche. Er zog ein kleines Kärtchen heraus und reichte es Sascha. „Sie werden es verstehen, junger Mann. Nehmen Sie diese Karte und suchen Sie diese Adresse auf – am Besten noch bevor Sie nach Hause gehen. Fassen Sie es als Chance auf.“
Sascha wollte noch eine Frage stellen, doch Foster deutete an, dass das Gespräch nun beendet sei. Also erhob er sich und wandte sich zur Tür. „Erholen Sie sich Herr Leyden.“ sagte Foster, „Aber denken Sie an die Karte.“
Vor der Tür betrachtete Sascha die Karte und las die aufgedruckte Adresse: Axxium – Development inc., Medizinische Interface-Installation, Dr. Med. Paul Görtgen. Die Adresse stimmte mit seiner Arbeitsstätte überein, demnach musste diese Stelle im selben Gebäude sein. Er hatte noch nie davon gehört, aber im Info-Terminal am Eingang musste ja verzeichnet sein, wo diese Abteilung zu finden war.
In diesem Moment schwebte Lara wieder an ihm vorbei und fragte:
„Nun, wie habt Ihr Euch geeinigt?“
Dann sah sie die Karte, die er in der Hand hielt und meinte:
„Ich wusste, dass Du nicht so ein Schlappschwanz bist, wie Harald.“
Sie knippste ihm ein Auge und deutete einen Kuss an, dann schwebte sie davon. Sascha wusste nie, wie er Lara einschätzen sollte. Wollte sie etwas von ihm, oder spielte sie eines ihrer üblichen Spielchen. Aber was soll’ s – er hatte ja schließlich Conny.
Sascha ging noch einmal zu seinem Arbeitsplatz zurück und holte seine Jacke und Aktentasche, dann ging er zu den Aufzügen. Intensiv studierte er die Beschriftungen der einzelnen Stockwerke und fand endlich, wonach er suchte: Dr. Med. Paul Görtgen, Interf.-Inst.
Er hatte diesen Eintrag zwar schon gesehen, ihm aber keine Bedeutung beigemessen. Also drückte er den Knopf neben dem Namen und fuhr in die neunte Etage.
Als sich die Fahrstuhltür öffnete, betrat Sascha eine andere Welt – weiß, steril und futuristisch gestylt. Ein hübsches Mädchen an der Anmeldung fragte ihn, ob er eine Anmeldekarte erhalten habe. Sascha händigte ihr die kleine Karte aus, die er von Foster erhalten hatte – etwas Anderes hatte er ja nicht. Das Mädchen war jedoch zufrieden und tippte etwas auf ihrem Computer herum.
„Können Sie mir bitte Ihre Personalnummer geben?“ fragte sie.
Sascha diktierte ihr die Nummer, worauf sie auf einen der Sitze in der Anmeldung zeigte und sagte:
„Bitte haben Sie noch ein paar Minuten Geduld, Herr Leyden, man wird sich gleich um Sie kümmern.“
Sie zögerte kurz, dann fügte sie hinzu:
„Sie haben es sich auch gut überlegt?“
Sascha, noch etwas verwirrt, wegen der Ereignisse des Morgens und die ungewohnte Umgebung, stammelte:
„Oh, was? Ja, ich denke schon.“
Sie zuckte mit den Schultern und wandte sich ab.
Sascha nahm Platz und griff nach einer der dort herum liegenden Zeitschriften. Er kam sich vor, wie beim Zahnarzt. Seine Kopfschmerzen waren schon viel schwächer geworden. Sascha wusste, dass es sich hier nur um eine Art Wartezimmersyndrom handeln konnte, denn er fühlte sich noch immer fiebrig. Nach wenigen Minuten kam das Mädchen der Anmeldung aus ihrem Kommandostand heraus und trat auf ihn zu. „Würden Sie mir bitte folgen?“ fragte sie mit einem Lächeln, dem Sascha überall hin gefolgt wäre.
„Benimm Dich nicht so verdammt unreif!“ schalt er sich in Gedanken, „Sie macht hier einen Job, wie Du ihn da unten in der Abteilung auch machst.“
Er folgte ihr durch mehrere kurze Gänge bis in einen ärztlichen Behandlungsraum.
„Ich bringe Ihnen Herrn Leyden, Dr. Görtgen.“ sagte seine Begleiterin und ging dann wieder weg.
Dr. Görtgen war ein untersetzter, etwa fünfzig Jahre alter Mann, der einen sehr kompetenten Eindruck machte. Er blickte von irgendwelchen Unterlagen – die er gerade begutachtete – hoch und stand auf. Er kam auf ihn zu und schüttelte ihm die Hand.
„Sie sind also der junge Mann, der sich entschlossen hat, sich der Gruppe der Interface-User anzuschließen?“
„Nun, eigentlich weiß ich überhaupt nicht, was ich hier soll.“ sagte Sascha wahrheitsgemäß.
Dr. Görtgen deutete auf einen Stuhl und bat ihn, sich zu setzen.
„Es ist immer dasselbe.“ sagte Dr. Görtgen, „Nie erklären sie den Leuten, worum es geht. Also, ich nehme an, sie wollten sich krank melden – denn Sie wirken nicht so, als wenn es Ihnen wirklich gut geht.“
Er wartete die Antwort nicht ab und erzählte weiter:
„In unserer gegenwärtigen Lage kann es sich kein Arbeitgeber leisten, auf die Arbeitskraft seiner Mitarbeiter zu verzichten, nur weil er krank ist. Normalerweise gibt es kein Arbeitsgericht in diesem Staat mehr, das einer betriebsbedingten Kündigung aus diesem Grunde Steine in den Weg legen würde. Doch gibt es seit Jahren eine Möglichkeit, diese Unpässlichkeit von Mitarbeitern zu überbrücken. Leider wurde diese Möglichkeit lange nicht als solche erkannt. Eine für behinderte und gebrechliche Menschen geschaffene Technologie hilft uns hier weiter: Das Interface. Sie wissen, was das ist?“
Sascha schüttelte den Kopf und sagte:
„Nicht genau. Ich weiß nur, dass es bei körperlich Behinderten eingesetzt wird, um ihnen einen Zugang zum Internet zu ermöglichen, damit sie Kontakte pflegen oder im Notfall Hilfe herbeiholen können.“
„Das ist ein Aspekt der Sache.“ stimmte Dr. Görtgen zu, „Aber das Interface ist noch viel mehr. Es kann Ihnen helfen, Ihre Arbeit von zu Hause aus zu erledigen, wenn Sie sich körperlich nicht in der Lage fühlen, ins Büro zu gehen.“
„Sie meinen, ich könnte von zu Hause aus arbeiten, ohne ins Büro zu gehen? Ich könnte mich auskurieren und trotzdem arbeiten?“
Dr. Görtgen lachte: „Sie haben es erfasst.“
Er schaltete einen Bildschirm ein, auf dem eine schematische Darstellung von einem Mechanismus zu erkennen war.
„Das Einzige, was Sie benötigen, ist dieses Interface. Es wird im Bereich Ihres Hinterkopfes in Ihr Gehirn eingesetzt und hier und hier…“, er deutete auf den Bildschirm, „..mit den Synapsen Ihrer Großhirnrinde verschweißt. Das Gerät benötigt so gut wie keine Energie und versorgt sich durch die angeschlossene Computerschnittstelle mit der notwendigen Energie. Ein Versagen des Interfaces ist quasi ausgeschlossen.“
Sascha glaubte seinen Ohren nicht zu trauen.
„Sie wollen ernsthaft dieses Ding da direkt in mein Gehirn pflanzen und ich soll es dann mit einem Kabel an den Computer anschließen?“
„Zur Zeit geht es noch nicht anders.“ sagte Dr. Görtgen entschuldigend, „Wir arbeiten an einer drahtlosen Möglichkeit, aber alle zur Zeit bekannten Verfahren sind noch zu anfällig und können das Gehirn schädigen, da Sender und Empfänger direkt im Gehirn liegen. Der kabelgebundene Anschluss hingegen ist technisch ausgereift.“
„Das kann doch nicht Ihr Ernst sein. Sie müssten mir den Schädel aufschneiden – ich könnte sterben.“
„Dieses Argument gilt heute nicht mehr, Herr Leyden.“ erklärte Dr. Görtgen, „Wir sind heute so weit, dass wir Ihnen das Modul ambulant einsetzen und Sie danach allein nach Hause gehen lassen können. Es ist absolut schmerzfrei – abgesehen von einem leichten Druckschmerz in den ersten Tagen, bis sich das Hirn an den Fremdkörper gewöhnt hat. Ich würde vorschlagen, dass wir es jetzt gleich einsetzen – was meinen Sie?“ „Ich weiß nicht recht.“ sagte Sascha, „Das alles nur, um den Job nicht zu verlieren?“
„Sie müssen es selbst wissen, junger Mann.“ sagte Dr. Görtgen, „Viele von Ihren Kollegen haben bereits ein solches Interface und sind sehr zufrieden damit. Wenn Sie es nicht brauchen, müssen Sie es ja nicht benutzen. Es wird durch Ihre Haare verdeckt und ist normalerweise nicht sichtbar. Nur, wenn Sie es brauchen, wie in Ihrer gegenwärtigen Situation, kann es ihnen die finanzielle Existenz retten.“
Dr. Görtgen ließ Sascha noch etwas Zeit, sich zu entscheiden, dann sagte er nach einiger Zeit:
„Ich muss Sie darauf hinweisen, dass das Angebot der Firma nur einmal gemacht wird. Wenn Sie jetzt ablehnen, wird man es Ihnen als Desinteresse an Ihrem Job auslegen.“
„Gut, dann machen Sie es.“ hörte Sascha sich sagen und hatte dabei das Gefühl, als wenn jemand Anderes die Entscheidung getroffen hätte.
Dr. Görtgen schien nie daran gezweifelt zu haben, wie Sascha sich entscheiden würde, denn unmittelbar nach dieser Äußerung zog dieser ein paar Formulare aus seiner Schublade.
„Diese Unterlagen lesen Sie bitte gründlich durch und unterschreiben sie danach eigenhändig.“ sagte er, „Die Firma will nur, dass nicht später irgendwelche Forderungen von Seiten der Mitarbeiter geltend gemacht werden können – eine reine Formalität.“
Wie automatisch las Sascha die Bögen durch und setzte seinen Namen unter die Formulare. Nun war es geschehen – er hatte sich auf Gedeih und Verderb seiner Firma ausgeliefert. Was würde Conny dazu sagen? Würde sie Verständnis dafür haben, oder würde sie entsetzt reagieren. Müßig sich darüber noch Gedanken zu machen – er hatte sich entschieden.

 

Sascha wurde in einen weiteren Behandlungsraum geführt, wo er sich mit nacktem Oberkörper auf einer Liege auf den Bauch legen musste. Über der Liege schwebte – gehalten durch eine massive Halterung an der Decke – ein chromblitzender Automat, dessen Funktion nicht zu erraten war. Das Mädchen von der Anmeldung kam wieder herein und fixierte Saschas Schultern und Kopf mit etlichen einstellbaren Halterungen. Als sie fertig war, konnte er sich keinen Millimeter mehr bewegen. Da in die Liege eine Aussparung für das Gesicht eingearbeitet war, konnte Sascha nun auch nicht mehr sehen, was sich über und hinter ihm abspielte. Lediglich die Stimme von Dr. Görtgen konnte er hören:
„Wir werden jetzt jeden Moment mit der Implantation beginnen. Sie werden einen kleinen Einstich spüren, danach wird Ihr Hinterkopf sich einfach nur kalt anfühlen. Es ist nicht ganz angenehm, aber es wird auszuhalten sein.“
„Wie lange wird es dauern?“ fragte Sascha, dem die Angst nun doch in die Glieder fuhr.
„Wenn alles glatt geht, sind wir in zehn Minuten fertig. In einer Stunde wird das Kältegefühl verschwunden sein. Danach können Sie nach Hause gehen.“
Sascha wappnete sich, doch empfand er den Einstich in seinem Nacken als äußerst schmerzhaft. Er spürte, dass ihm der Schweiß nur so von der Stirn tropfte. Die angekündigte Kälte machte sich in seinem Hinterkopf breit. Gleichzeitig kam Bewegung in die Anlage über dem Behandlungstisch. Jetzt fand Sascha es doch ganz gut, dass ihm der Anblick dessen, was mit ihm geschah, erspart blieb. Er hatte das Gefühl, als wenn Dr. Görtgen eben erst begonnen hätte, da hörte er bereits:
„So, das war es schon. Bleiben Sie noch ein paar Minuten liegen, bis meine Assistentin sie wieder aus den Halterungen befreit. Wir sehen uns dann gleich noch zu einem abschließenden Gespräch.“
Dann war Sascha allein. Er versuchte, herauszufinden, ob etwas anders war, als vorher, doch wegen dieses unangenehmen Kältegefühls in seinem Hinterkopf war er dazu nicht in der Lage. Er wusste nicht, wie lange er hier gelegen hatte, als er die Beine des Mädchens von der Anmeldung neben sich auftauchen sah. Mit sanften Händen befreite sie ihn von seinen Fesseln.
„Richten Sie sich nun vorsichtig auf.“ sagte sie, „Manchen Patienten wird leicht schwindelig.“
Sascha drehte sich herum und richtete sich langsam auf. Der Schwindel blieb erträglich. In seinem Hinterkopf schien es zu pochen. Das Mädchen stand vor ihm und sah ihn eindringlich an.
„Was ist?“ fragte Sascha.
„Passen Sie auf sich auf.“ sagte sie leise, „Es ist nicht alles nur positiv – auch wenn man es Ihnen sagt. Benutzen Sie eine Firewall – und verwenden sie nicht die Billigste.“
„Aber was…“
„Mehr darf ich Ihnen nicht sagen.“ sagte sie, „Sie müssen nun zum Abschlussgespräch.“
„Eine Frage noch.“ hielt Sascha das Mädchen zurück, „Woher wissen Sie….?“
Sie fasste sich mit der rechten Hand in ihre langen Haare und zog sie zur Seite, wobei sie ihren Hinterkopf entblößte, auf dem eine kleine metallene Platte mit mehren Anschlussbuchsen zu sehen war. Sascha nickte und meinte:
„Gut, ich werde vorsichtig sein.“
Dann stand er auf und zog sich sein Hemd über, das er für die Behandlung ausziehen musste. Im Nachbarraum wartete bereits Dr. Görtgen und hielt mehrere Unterlagen in der Hand.
„Die Behandlung ist zur Zufriedenheit verlaufen.“ sagte er, „Hier sind nun noch ein paar Dinge, die Sie in Zukunft brauchen: Eine Dokumentation, die Sie bitte aufmerksam lesen, mehrere Anschlusskabel für verschiedene Systeme, eine DVD mit Programmen und Treibern für Ihr Interface. Fahren Sie nun nach Hause und ruhen sich aus. Versuchen Sie vor morgen Abend nicht, Ihr Interface zu testen. Ihr Kopf muss sich erst daran gewöhnen. Auch die Synapsenverbindungen müssen sich erst beruhigen. Morgen Abend können Sie den ersten Ausflug wagen. Lesen Sie alles genau, bevor Sie anfangen. Wenn noch Fragen auftreten, rufen Sie mich an. Hier ist meine Karte.“
Er reichte ihm eine Visitenkarte. Damit war Sascha entlassen. Er ging durch den Gang zurück in die Anmeldung, wo das Mädchen wieder hinter ihrem Kommandostand war. Sie lächelte ihm zu und winkte ihn zu sich heran. Als er direkt vor ihr stand, steckte sie ihm einen kleinen Zettel zu. ‘Kira 98989110′ stand darauf.
„Was ist das? Ihre Telefonnummer?“ fragte er.
„Prägen Sie es sich gut ein und werfen den Zettel danach weg. Sie werden wissen, was es ist, wenn es soweit ist.“ antwortete sie.
Mehr sagte sie nicht, also verabschiedete er sich und verließ die Praxis. Sascha fand, dass es ihm bereits viel besser ging, aber das konnte eigentlich nicht sein. Mit dem Fahrstuhl fuhr er hinunter und ging mit schnellen Schritten zur U-Bahn. Er wollte nun nur noch weg hier und nach Hause, wo er sich sicher fühlte.
Zu Hause angekommen fand er in der Küche nur einen Zettel von Conny vor, die ihm mitteilte, dass sie einen neuen Job habe, der jetzt gleich beginne. Sie wäre in vier Stunden wieder da. Das Essen stehe im Kühlschrank. Sascha sah in den Kühlschrank, doch hatte er eigentlich keinen Hunger. Er ging ins Bad und stellte sich vor den Spiegelschrank, der über dem Waschbecken hing. Man konnte sehen, dass er erkältet war. Er stellte die geteilten Spiegel so, dass er seinen eigenen Hinterkopf sehen konnte, wenn er sich ein wenig verbog. Mit einer Hand versuchte er, seine Haare an die Seite zu schieben. Er zuckte zurück, als er einen stechenden Schmerz verspürte. Er schalt sich einen Idioten. Er war eben dort operiert worden und wunderte sich darüber, dass die Stelle empfindlich war. Im Spiegel konnte er eine Anschlussplatte erkennen, die genauso aussah, wie die, die ihm Kira gezeigt hatte. Kira – hieß das Mädchen überhaupt Kira? Er nahm den Zettel heraus und studierte ihn. Er konnte mit den Daten nichts anfangen. Also steckte er den Zettel wieder weg und nahm die Dokumentation in die Hand. Sascha setzte sich ins Bett und begann zu lesen.

 

Irgendwann in der Nacht wurde er wach und stellte fest, dass er einen Schlafanzug trug und im Bett lag. Sascha richtete sich etwas auf und sah, dass es 4 Uhr nachts war. Seine Dokumentation und die anderen Dinge lagen sauber auf dem Nachttisch. Er drehte sich auf die andere Seite und sah Conny, die sanft schnaufelnd neben ihm im Bett lag und schlief. Er gab ihr einen leichten Kuss auf die Lippen, worauf sie wohlig brummelte und sich auf die andere Seite wälzte. Sascha wollte sie nicht wecken, also drehte er sich ebenfalls in seine Decke und schlief wieder ein.
Am nächsten Morgen wurde Sascha durch das Sonnenlicht und einen überwältigenden Geruch von frisch aufgebrühtem Kaffee geweckt. Conny werkelte bereits in der Küche herum. Sascha erhob sich und ging in die Küche. Er umarmte Conny von hinten und küsste sie auf den Hals.
„Guten Morgen, mein Schatz.“ sagte er.
Conny drehte sich zu ihm um und meinte:
„Müsstest Du nicht schon längst im Büro sein?“
„Ich bin heute krank.“ sagte er, „Ich habe mich für zwei Tage krank gemeldet.“
Conny sah ihn erschrocken an.
„Und was ist mit dem Job? Wirst Du ihn behalten können?“
Sascha machte eine beruhigende Handbewegung.
„Ich hatte auch erst Bedenken, aber sie haben mir einen Vorschlag gemacht. Dadurch kann ich auch arbeiten, wenn ich krank bin. Ich weiß zwar noch nicht, wie es funktionieren soll, aber ab heute Abend kann ich es testen.“
Conny sah ihn misstrauisch an.
„Testen? Was testen?“ fragte sie.
„Ich habe da jetzt so ein Interface, das… „
Conny unterbrach ihn abrupt:
„Du hast Dir ein Interface setzen lassen? Bist Du verrückt? Das ist doch viel zu gefährlich. Ich zweifle an Deinem Verstand!“
„Es war halb so schlimm, weißt Du?“
„Lass mal sehen!“ forderte Conny.
Sascha drehte seinen Kopf und zog die Haare beiseite.
„Ich glaub es nicht!“ sagte Conny, „Mein Freund lässt sich so ein Zombie-Ding einpflanzen. Weißt Du denn überhaupt, zu was so ein Ding alles fähig ist?“
„Mir wurde gesagt, ich könne damit von zu Hause aus arbeiten…“
Conny wandte sich ab.
„Conny, was hast Du denn?“
Sie drehte sich wieder um. Ihre Augen sprühten vor Zorn.
„Meinst Du nicht, dass man sich erst mal beraten sollte, bevor man sich zu solch einen Schritt entschließt? Wer garantiert Dir, dass Du nicht mit Deinem Ego herumspielst? Vielleicht veränderst Du Dich und ich erkenne meinen Sascha nicht mehr wieder.“
„Ich bin immer noch der Selbe, Conny!“
„Ja, jetzt – aber was ist, wenn Du Dich erst einmal angeschlossen hast? Ist es eine Einbahnstraße, oder haben Sie jetzt volle Kontrolle über Dich?“ „Ich weiß nicht…“
„Natürlich weißt Du das nicht! Verdammt noch mal, das hättest Du vorher bedenken sollen. Jetzt kannst du nur hoffen, dass es kein Fehler war.“ Sascha machte ein betretenes Gesicht.
„Aber ich wollte doch nur, dass ich meinen Job behalten kann, Conny.“ sagte er, „Du weißt doch selber, wie schwer es heutzutage ist, sein Geld zu verdienen.“
Conny sah ihn mit nachdenklichem Blick an.
„Sascha, ich habe einfach Angst um Dich. Lass uns nachher weiter darüber reden – ich muss jetzt zum Dienst.“
„Du bist doch erst seit ein paar Stunden hier. Zu welchem Dienst musst Du denn nun schon wieder?“
„Nicht jeder hat es so gut wie Du, mein Schatz. Ich habe leider mehrere Teilzeitjobs. Aber wenn ich nachher zurückkomme, habe ich etwas Zeit, okay?“
Sascha nahm sie in die Arme und küsste sie, während sie ihm mit der Hand leicht den Nacken kraulte. Plötzlich hielt sie inne und sagte:
„Ich weiß nicht, ob ich mich an dieses Ding in Deinem Nacken gewöhnen kann.“
Die Stimmung war verflogen. Sie sprachen noch über verschiedene Dinge, die noch zu erledigen waren, dann verließ Conny die Wohnung und ging zur Arbeit.
Sascha nahm wieder die Dokumentation zur Hand und begann zu lesen. In der Beschreibung des Interfaces stand, dass dieses an nahezu jedes aktuelle Computersystem angeschlossen werden konnte. Es war lediglich noch ein Treiberprogramm zu installieren, dann sollte es losgehen können. Die beiliegenden Kabel sahen ganz normal aus. Sascha blätterte die Unterlagen durch, doch nirgends konnte er feststellen, wie das System letztendlich zu bedienen war. Technische Informationen gab es in unübersichtlicher Menge, doch die praktische Anwendung hatte man offenbar vergessen. Plötzlich fiel ihm etwas ein: Was war mit Wasser? Er musste sich doch waschen oder duschen. Konnte er jetzt noch schwimmen gehen? Nach kurzer Zeit fand er die Information. Das Interface war unempfindlich gegen Hitze, Kälte und Wasser. Allerdings riet man dringend davon ab, es innerhalb einer Stunde nach Wasserkontakt zu benutzen. Es sei zwar nicht gefährlich, doch wären die möglicherweise auftretenden synaptischen Fehlfunktionen nicht angenehm. Nach einer Stunde hatte er die Unterlagen durchgearbeitet und es drängte ihn, sein neues Interface auszuprobieren. Sascha blickte auf die Uhr. Es war erst 10 Uhr morgens. Erst am Abend sollte er sich zum ersten Mal anschließen, hatte Dr. Görtgen gesagt. Er hatte gemeint, das Hirn müsse sich erst beruhigen, bevor er zum ersten Mal das Interface nutzt. Sascha beschloss, nichts zu überstürzen und noch zu warten. Er ging in die Küche und schüttete sich einen Kaffee ein, den Conny noch aufgebrüht hatte, bevor sie gegangen war.
Als er so an der Küchenanrichte stand, wurde ihm klar, dass er sich eigentlich noch immer erkältet fühlte. Durch die Ereignisse der letzten Stunden hatte er wohl so unter Adrenalin gestanden, dass er nicht mehr auf die Signale seines Körpers geachtet hatte. Doch jetzt stellte er fest, dass die Schlappheit der Glieder und die Kopfschmerzen noch immer da waren. Er beschloss, sich wieder ins Bett zu legen und noch etwas zu schlafen.

 

Als er wieder wach wurde, fühlte er sich etwas besser. Ein Blick auf die Uhr zeigte ihm, dass es inzwischen schon 16 Uhr war. Conny war noch nicht wieder zurück. Sascha nahm sein Mobiltelefon zur Hand und warf einen Blick auf das Display. Eine Nachricht von Conny wurde angezeigt. Sie müsse etwas länger arbeiten, als normal, weil ihre Ablösung nicht gekommen sei. Sascha warf das Telefon auf den Nachttisch und richtete sich auf. Er überlegte. Bis Conny nach Hause kam, würde es sicher noch etwas dauern. Ob er wohl schon lange genug gewartet hatte, um sein Interface auszuprobieren? Sascha entschloss sich, einen Versuch zu wagen. Er stand auf, holte die Unterlagen und das Zubehör aus dem Wohnzimmer und setzte sich vor den Computer, den sie aus Platzgründen in ihrer Diele angeschlossen hatten. Er schaltete das Gerät ein und ließ es hochfahren. Nachdem der Computer einsatzbereit war, legte er die Treiber-DVD in das Laufwerk und installierte das Programm. Die Installationsroutine unterschied sich nicht von der anderer Softwareprodukte. Als die Installation abgeschlossen war, erschien ein neues Icon am unteren Bildschirmrand und eine Graphik forderte den Nutzer auf, nun die Kabelverbindung zwischen dem Hochgeschwindigkeitsdatenbus und dem Anschluss im Interface herzustellen. Sascha nahm eines der Kabel, welches der Abbildung auf dem Bildschirm ähnelte und steckte einen der Stecker in den Datenbus. Die Farbe des Icons wechselte von grau zu gelb. Nun griff er nach dem anderen Stecker des Kabels und führte ihn vorsichtig zu seinem Nacken. Er stellte sich noch etwas ungeschickt an, doch nach einigen Versuchen gelang es ihm, den Stecker in die passende Buchse an seinem Interface einzuführen. Mit einem hörbaren Knacken rastete der Stecker dort ein. Auf dem Bildschirm öffnete sich nun ein neues Fenster, welches darüber informierte, dass nun eine erstmalige Initialisierung des Interfaces erfolgen würde. Sascha erwartete halberlei, dass er etwas spüren müsse, doch das war nicht der Fall. Nach einer kurzen Wartezeit meldete der Computer, dass die neue Komponente nun einsatzbereit sei. Wieder öffnete sich ein weiteres Fenster. Diesmal hatte er die Auswahl zwischen Internet allgemein und Axxium. Sascha klickte auf den Button mit dem Axxium-Symbol und wartete. Es folgten einige Statusmeldungen, wie: Der Datenstrom wird optimiert, oder: Ein Anwender wird aufgrund der Hardware-ID erstellt. Dann hörten die Meldungen auf und die Fenster schlossen sich. Sascha starrte auf den Monitor und fragte sich bereits, ob er etwas falsch gemacht habe, als etwas passierte. Sein Blick schien sich zu trüben und er konnte immer schlechter erkennen, was sich auf dem Monitor abspielte. Er rieb sich die Augen, doch das Bild wurde eher noch unschärfer. Dann schob sich von der Seite her das Axxium-Logo in sein Sichtfeld. Es schien direkt vor ihm zu schweben, so dass er das Gefühl hatte, danach greifen zu können. Als er versucht war, es auch zu versuchen, verschwand das Logo wieder und die Welt um ihn herum versank. Aus dem Nebel heraus schälte sich die Eingangstür seines Großraumbüros. Sascha war etwas verwirrt und fühlte sich etwas schwindelig. Er musste sich festhalten und griff nach dem Türöffner.
Wie gewohnt schwang die Tür weit auf und gab den Blick auf das Großraumbüro frei. Der Anblick wirkte auf eine Art gewohnt, andererseits war es auch irgendwie fremd, obwohl er nicht sagen konnte, was ihn störte. Sascha betrat das Büro und hörte die Tür hinter sich wieder zufallen. Er sah sich um und entdeckte die Ecke in der sein Schreibtisch stand. Die Stellwände standen noch genau so, wie er sie an seinem letzten Arbeitstag arrangiert hatte. Langsam ging er auf seinen Arbeitsplatz zu und grüßte verschiedentlich Kollegen, deren Tische er passierte. Plötzlich fiel ihm etwas auf: Einige der Kollegen wirkten merkwürdig fahl und blass. Wenn er sie grüßte, reagierten sie nicht auf ihn. Andere wiederum reagierten wie gewohnt. Als er fast an seinem Arbeitsplatz angekommen war, sah er Lara den Gang hinunterschreiten. Es fiel ihm immer schwer, sie nicht anzustarren. Wie üblich trug sie einen relativ kurzen Rock und eine etwas zu enge Bluse. Als sie auf ihn zukam, warf sie ihre langen, blonden Haare gekonnt nach hinten. Sie lächelte ihn an und sagte:
„Hallo Sascha, schön, dass Du wieder da bist.“
Sascha war noch immer etwas verwirrt und fragte:
„Wieso bin ich eigentlich hier? Eigentlich bin ich doch krank und eben war ich auch noch zu Hause.“
Lara lachte hell auf und einige der Kollegen reckten ihre Köpfe hinter den Stellwänden hervor.
„Sascha, Du Dummchen. Natürlich bist Du zu Hause. Wir sind hier im virtuellen Büro von Axxium. Über das Interface läuft eine Instanz von Dir nun hier auf dem Server und hat den virtuellen Arbeitsraum betreten. Es ist das absolut Neueste. Man hat das komplette Büro digitalisiert und eine Umgebung geschaffen, die der Realität in nichts nachsteht. Die Illusion ist so perfekt, dass man nach kurzer Zeit nicht mehr den Unterschied feststellen kann. Sogar die Personen werden mit ihrem normalen Aussehen und ihrer Wesensart abgebildet. Du hast Empfindungen und Gefühle wie im wirklichen Leben.“
Lara machte eine Pause und beugte sich nach vorn, bis ihre Lippen fast sein Ohr berührten. Dann hauchte sie: „Du würdest staunen, was hier alles möglich ist.“
Sascha bildete sich ein, sogar ihr Parfüm zu riechen, das sie aufgelegt hatte. Er wich ein wenig zurück, da diese Art der Annäherung in ihm Schuldgefühle gegenüber Conny aufkeimen ließ. Lara machte ein enttäuschtes Gesicht und wurde dienstlicher:
„Ich habe gestern, nachdem Du weg warst, alle Mappen auf Deinem Tisch gescannt. Du kannst also gleich mit der Arbeit beginnen und da weitermachen, wo Du gestern aufgehört hast. Trotzdem würde ich Dir raten, Dich erst noch einmal bei Foster zu melden.“
„Sind eigentlich alle hier im virtuellen Büro?“
„Nein. Es gibt immer noch viele Mitarbeiter, die diesen Schritt nicht machen wollen. Sie ahnen gar nicht, was ihnen da entgeht. Wenn man nicht will, bleibt man einfach zu Hause und klinkt sich ein. Es ist, als wäre man tatsächlich hier.“
Sie deutete auf die etwas farblosen Gestalten.
„Das sind die Realen. Sie können uns natürlich weder hören noch sehen, aber wir sehen und hören sie, weil das reale Büro ständig gescannt und im virtuellen Bereich abgebildet wird. Ich bin gerne hier, schon allein, weil man hier etwas mehr Freiheiten genießt, wenn man seine Arbeit tut und der Laden läuft.“
Lara zwinkerte ihm wieder verführerisch zu und meinte: „Aber ich denke, da wirst Du auch noch dahinter kommen.“
Sie wandte sich ab, warf noch einmal ihre Haare zurück und schritt davon. Sascha zwang sich in die Realität zurück und sah zum Büro des Leiters hinüber. Er musste unwillkürlich lächeln. Sich in die Realität zurückbringen – und das hier in der virtuellen Realität. Ein Widerspruch in sich selbst. Er ging zu Fosters Büro und klopfte an. Es war faszinierend, dass er sogar den Widerstand der Tür fühlen und das Klopfen hören konnte.
„Herein!“ tönte es von drinnen. Sascha öffnete die Tür und trat ein. Hinter dem Schreibtisch saß Ryan Foster und sah auf. In seinem Gesicht erschien das breite Lächeln, welches sein Markenzeichen war.
„Hallo Herr Leyden, ich beglückwünsche Sie zu Ihrer Entscheidung, unserer firmeneigenen VR beigetreten zu sein.“
Er stand auf und kam um den Tisch herum, um ihm die Hand zu schütteln. Das hatte er während seiner 6 Monate währenden Beschäftigung in dieser Abteilung noch nie gemacht.
„Wie fühlen Sie sich?“ fragte er, „Hier werden Sie sicher nicht von einer Grippe beeinträchtigt. Sie können gleich mit Ihrer Arbeit fortfahren, wenn Sie sich hier eingelebt haben. Manche Dinge laufen hier halt doch etwas anders als in der realen Welt. Aber Sie werden es schon schaffen, denn Sie haben sich ja bereits für die Flexibilität entschieden.“
Sascha ging zu seinem Schreibtisch zurück und nahm dort Platz. Alles war da: Sein Computer, seine Akten, sein Telefon – einfach alles. Er startete den Computer auf seinem Schreibtisch und ergriff die erste der Akten. Wie Foster es ihm prophezeit hatte, wurde er überhaupt nicht durch seine Kopfschmerzen oder die Grippe behindert. Nach kurzer Zeit vergaß er völlig, dass er sich hier nicht in der wirklichen Welt befand. Er las Berichte, gab Daten in den Computer ein, führte längere Gespräche mit Kunden. Lediglich von Zeit zu Zeit kam neben normal erscheinenden Personen auch schon mal eine der grauen Personen vorbei, die sich in der wirklichen Welt befand. Noch einen Tag zuvor war er selbst hier herumgelaufen, ohne zu ahnen, dass es noch eine andere Ebene der Wirklichkeit gab, auf der sich zahlreiche Kollegen und Kolleginnen tummelten. Stunden später fiel ihm auf, dass seine normale Essenspause vollkommen vergessen hatte – sein virtueller Körper hatte ihm keinen Hunger signalisiert. Sascha begann sich zu fragen, wie man eigentlich dieses Problem gelöst hat. Im wirklichen Leben hatte man Hunger und Durst – hier arbeitete man konzentriert und kontinuierlich durch. Das konnte nicht gut sein, denn zu jeder virtuellen Person gehörte schließlich auch eine reale Person mit realen Bedürfnissen. Er stand auf und machte sich auf den Weg zur Teeküche, um sich anzusehen, ob man auch diesen Bereich mit seinem Boiler, den Kühlschränken und der Kaffeemaschine genau so akribisch korrekt kopiert hatte, wie alles Andere. Wenn man in der Virtualität keinen Hunger und keinen Durst verspürte, wäre es vielleicht denkbar, dass man diesen Bereich ausgespart hatte. Auf dem Gang traf er Hagen Fonseca, den Kollegen aus der Regressabteilung. Er hatte ihn schon lange nicht mehr gesehen – jetzt wusste er warum – auch er arbeitete hauptsächlich virtuell.
„Hallo Sascha.“ sagte er, „Ich bin überrascht, Dich hier zu sehen. Ich hatte immer geglaubt, Du wärst einer der ganz Konservativen.“
„Ich hatte bisher überhaupt keine Ahnung, dass es so etwas überhaupt gibt.“ sagte Sascha, „Erst, als ich mich krank melden wollte, machte Foster mir diesen Vorschlag.“
„Du wirst es lieben.“ meinte Hagen, „Du schaffst hier mehr von Deiner Arbeit in kürzerer Zeit und in der Regel wird man Dein Gehalt erhöhen, wenn Du Dich verpflichtest, überwiegend virtuell zu arbeiten. Axxium ist dabei, sein Geschäft vollständig in die Virtualität zu verlagern. Da benötigt man keine Gebäude mehr, kein Mobiliar. Die Standortkosten entfallen vollständig. Das sind riesige Ersparnisse für den Konzern. Gerade jetzt in der Übergangsphase ist man bereit, die Mitarbeiter mit guten Konditionen zu ködern. Sei schlau und spiele das Spiel mit. Es ist sehr lukrativ.“ „Danke für den Tipp.“ sagte Sascha.
„Wo willst Du eigentlich hin?“ fragte Hagen.
„Ich wollte mir mal die Küche ansehen.“ antwortete Sascha.
Hagen lachte: „Du willst mir aber nicht erzählen wollen, dass Du Hunger hast oder so etwas, oder?“
„Nein, ich bin einfach neugierig, wie exakt man alles kopiert hat.“
„Gut, aber ich kann Dir versichern, dass auch die Küche exakt nachgebildet wurde.“
Sascha wandte sich um und ging los.
Hagen blieb stehen und rief ihm hinterher:
„Warte Sascha, Du solltest vielleicht nicht gerade jetzt dort hineingehen.“ Doch Sascha war schon ein paar Meter weiter und in seine Gedanken vertieft, so dass er Hagen nicht mehr hörte. Bereits vor der Tür hörte er Geräusche, die sich verstärkten, als er die Küchentür öffnete. Vor ihm auf dem Boden lag etwas Rotes – es war ein winziger Damen-Slip.
Sascha blickte hoch und sah Foster, mit heruntergelassener Hose zwischen den Beinen von Lara, die auf der Anrichte saß und ihre Beine um Fosters Hüften geschlungen hatte. Die Bewegungen der Beiden, sowie die Laute, die sie ausstießen, ließen keinen Zweifel daran aufkommen, was sie hier taten. Sascha stand wie vom Donner gerührt und wusste nicht, was er tun sollte. Die Beiden hingegen ließen sich überhaupt nicht stören und brachten es genussvoll zu Ende.
Foster zog seine Hose wieder hoch und brachte sein Äußeres in Ordnung. Die ganze Situation schien ihm nicht einmal unangenehm zu sein. Er ging an Sascha vorbei und klopfte ihm joval auf die Schulter.
„Willkommen in der virtuellen Welt, Leyden.“ sagte er, „Neben der Arbeit kann man hier Dinge tun, die in der Realität nicht möglich wären. Sie sind noch neu hier. Wenn die Arbeit läuft, ist gegen ein bisschen Spaß nichts einzuwenden – und Spaß hat hier keine Folgen, Leyden, das sollten Sie sich mal durch den Kopf gehen lassen.“
Dann ging er hinaus. Sascha stand immer noch wie angewurzelt da und sah Lara an, die völlig ungeniert mit immer noch gespreizten Beinen auf der Anrichte saß und mit beiden Händen ihre Haare ordnete. Ihre Bluse war bis zum Nabel aufgeknöpft und gaben den Blick auf ihre wohlgeformten Brüste frei. Sie sah zu ihm hinüber und begann provozierend langsam damit, die Knöpfe der Bluse wieder zu schließen. „Was sollte das hier eben?“ fragte Sascha, „Seit wann treibt Ihr es miteinander?“
Lara lächelte ihn an.
„Wie kommst Du darauf, dass ich es mit ihm treibe?“ fragte sie, „Rein technisch gesehen hat es das überhaupt nicht gegeben. Es war doch nur virtuell. In der Realität ist nichts passiert. Hast Du noch nie ein Mädchen angesehen und Dir insgeheim vorgestellt, wie es wäre, mit ihr zu schlafen? Das hier ist doch nichts anderes – nur dass es sich nicht nur in Deinem Kopf abspielt, sondern dass Du den vollen Spaß haben kannst.“
Sie hüpfte von der Anrichte herunter und strich sich den weit hochgerutschten Rock mit den Händen glatt. Sie bückte sich, hob ihr Höschen auf und ließ es in ihrer Hand verschwinden. Lara sah Sascha tief in die Augen und sagte:
„… und ich habe gerne Spaß. Vielleicht können wir ja auch einmal zusammen Spaß haben.“
Sie ging hinaus und zog die Tür hinter sich zu. Sascha war immer noch viel zu perplex, um etwas zu sagen, und verließ die Küche. Von Lara war nichts mehr zu sehen. Er ging zurück zu seinem Arbeitsplatz und setzte sich nachdenklich wieder hin. Er starrte auf sein Telefon und plötzlich fiel ihm der Zettel wieder ein, den ihm das Mädchen in der Anmeldung zugesteckt hatte. Wie von selbst wählte er die Nummer und wunderte sich, dass er sie sich tatsächlich eingeprägt hatte. Er hatte die letzte Ziffer kaum gewählt, als etwas völlig Absurdes geschah:
Er schien aus seinem Büro herauszufliegen und stürzte aus großer Höhe auf ein Gebäude zu. Der Aufschlag erfolgte, doch Sascha verspürte keinen Schmerz. Im nächsten Moment befand er sich in einem kleinen Raum, in dem 2 Sessel und ein kleiner Tisch standen. Er saß in einem der Sessel und in dem anderen Sessel saß das Mädchen von der Anmeldung.
„Sie sind Kira?“ fragte Sascha.
„Das ist richtig.“ bestätigte sie und lächelte, „Und wie hat Ihnen Ihr erster Ausflug in die virtuelle Realität gefallen?“
„Haben Sie mich beobachtet?“ wollte Sascha wissen.
Kira nickte.
„Wenn wir den Eindruck haben, dass wir einen Kandidaten für unsere Organisation gefunden haben, dann begleiten wir ihn selbstverständlich.“ „Worum geht es hier eigentlich?“ fragte Sascha, „Wo bin ich hier? Es ist tatsächlich möglich, mich überall zu beobachten?“
„Alles ist möglich, Sascha – ich darf doch Sascha sagen?“ sagte sie, „Wir tun nichts anderes als die Konzerne auch. Sie zwingen nach und nach alle Mitarbeiter in die VR und spielen ihnen vor, dass es nur zu ihrem eigenen Vorteil ist, stattdessen erlangen sie die totale Kontrolle über sie. Es gibt keine Sekunde mehr, in der man allein ist. Alles wird beobachtet, jeder in der VR gedachte Gedanke wird protokolliert. Doch das ist noch nicht alles: Solange Du angeschlossen bist, kann man Dir auch Gedanken eingeben, die Du für Deine Eigenen hältst. Sie können jeden Einzelnen programmieren, wie sie ihn haben wollen.“
Sascha war entsetzt.
„Aber das ist ja grauenhaft!“ sagte er. Er blickte sich gehetzt um.
„Können Sie uns nicht auch jetzt hören?“
Kira winkte ab.
„Wir sind hier in einem absolut abgeschotteten Bereich, der von uns geschaffen wurde.“ sagte sie, „Ich habe es so aussehen lassen, als wenn Dein Computer zu Hause abgestürzt sei. Darüber haben sie natürlich noch keine Kontrolle. Ich möchte Dir anbieten, für uns zu arbeiten, Sascha.“ „Was kann ich denn tun?“
„In erster Linie würdest Du weiter bei Axxium arbeiten – allerdings für uns. Wir würden Dich ausbilden und Dich mit Schutzmechanismen ausstatten, damit Du von ihnen nicht manipuliert werden kannst. Wir können bereits eine ganze Menge erreichen, aber leider noch nicht alles.“ „Wer seid Ihr denn eigentlich? Was wollt Ihr?“ wollte Sascha wissen, „Sind von meinen Kollegen bereits einige bei Euch?“
Kira lachte.
„Das sind viele Fragen. Also wir sind eine Gruppe von verantwortungsbewussten Menschen, die das Internet wieder zu dem machen wollen, was es sein sollte – einem Werkzeug für die Menschheit. Wir wollen die Methoden der Konzerne gegen sie wenden und die Öffentlichkeit wachrütteln, bevor sie so sehr manipuliert worden sind, dass sie es nicht mehr bemerken. Zu Deiner letzten Frage: Bisher haben wir noch keinen Agenten bei Axxium. Die meisten der zur Zeit angeschlossenen Mitarbeiter sind einfach zu oberflächlich und sind nur auf den eigenen Vorteil bedacht. Über Lara Schmidt oder Hagen Fonseca brauche ich sicherlich kein Wort verlieren, oder?“
Sascha schüttelte den Kopf.
„Sicherlich nicht.“ sagte er.
Er sah Kira fest an und fasste einen Entschluss.
„Ich mache es.“ sagte er, „Ich will Euch dabei helfen, die Kontrolle der Konzerne über die Menschheit abzuwenden. Hört sich das nicht etwas zu pathetisch an?“
„Sicher nicht.“ antwortete Kira, „Schließlich ist es genau das, was sie anstreben – die totale Kontrolle. Gut, dann freue ich mich auf die Zusammenarbeit mit Dir. Wir werden uns in Kürze mit Dir in Verbindung setzen – dann wirst Du auch die Anderen Kennenlernen. Deine Ausbildung wird in etwa 4 Wochen beginnen. Ich werde Dein Kontakt sein.“
Sie erhob sich und reichte ihm die Hand, die er ergriff und schüttelte. „Nun, werden wir uns trennen, Sascha. Besprich am Besten alles schon mal mit Deiner Freundin. Es wäre schön, wenn wir auch sie mit in unser Team bekommen könnten. Die Arbeit wird Euch gefallen.“
Dann verblasste die Szene plötzlich und Sascha hatte das Gefühl des Fallens.

 

Ganz langsam fand er wieder zu sich zurück. Er war hinter seinem Computer zusammengesunken, der nur noch einen blauen Bildschirm zeigte. Offenbar war er abgestürzt. Sascha zog sich den Anschluss hinten aus seinem Kopf und brauchte einen Moment, um sich zu orientieren. Was er in den letzten Stunden erlebt hatte, hatte ihn zwar zunächst begeistert, zuletzt aber in höchstem Maße abgestoßen. Sollte das die Zukunft sein? Sein Gespräch mit Kira fiel ihm wieder ein. Er konnte es noch gar nicht fassen, dass er nun auch noch für eine Art Rebellen-Organisation arbeiten würde. Was war das doch für ein Tag gewesen.

 

Er blickte auf die Uhr. Es war schon spät. - In diesem Augenblick hörte er den Schlüssel im Türschloss der Eingangstür. Conny kam endlich nach Hause. Sascha ging ihr entgegen und nahm ihr die Tasche ab, in der sie die Einkäufe des Tages nach Hause getragen hatte.
„Ich bin vollkommen kaputt.“ sagte sie und ließ sich auf den nächsten Stuhl fallen, „Noch eine solche Doppelschicht und ich gehe wirklich am Stock. Lange schaffe ich das nicht mehr. Sei mir nicht böse, aber ich werde ohne Umwege ins Bett gehen und schlafen.“
„Ich bin Dir nicht böse, Conny.“ sagte Sascha, „Du hattest schließlich einen harten Tag.“
Sie stand auf, gab ihm im Vorbeigehen einen flüchtigen Kuss und sagte: „Das kannst Du wohl sagen – wie war eigentlich Dein Tag?“
Sascha sah sie an. Sie sah so erschöpft aus. Er würde sie jetzt nicht auch noch mit all dem belasten, was er erlebt hatte.
„Mein Tag?“ fragte er, „Nun, es war ein Tag wie jeder Andere.“
Sie ging schleppend ins Bad und schloss die Tür.

 

Sascha sah ihr noch nach, als sie längst die Tür geschlossen hatte. Ja, bei ihr fühlte er sich zu Hause. Sie war real und stand mitten im Leben. Morgen würden sie reden müssen. Das was er erlebt hatte, durfte einfach nicht die Zukunft sein, die ihnen blühte.

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