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Kurzgeschichten

Reha 2.0

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Diese Geschichte schaffte es in die Anthologie "Im Licht von Orion" - Collection of Science-Fiction Stories 2015 vom Verlag für moderne Phantastik,

Es gab Tage, da verfluchte ich den Job. Vor zwei Jahren, als es begann, war ich nicht scharf darauf. Hätte Martin, der Projektleiter, nicht permanent nachgehakt, mich zu überreden, wäre mein Leben heute unkomplizierter. Vor allem die unregelmäßigen Ruhephasen machten mich allmählich fertig. Manchmal schlief ich schon mal acht Stunden durch, doch heute war nicht so ein Tag.
Ich zuckte zusammen, als der Wecker des Mobiltelefons sein schrilles Piepsen hören ließ. Mit fahrigen Bewegungen tastete ich danach und schaltete den Alarm aus. Auf dem Display eine Nachricht von Martin: »Sei bitte pünktlich! Der Proband ist für den heutigen Durchgang vorbereitet. Olaf geht davon aus, dass wir ihn in spätestens einer Stunde synchronisiert haben. Du musst nahtlos für eine Sitzung zur Verfügung stehen.«
Ich warf das Telefon aufs Bett. Idiot! Als wüsste ich das nicht! Nicht eine Einzige hatte ich in den vergangenen zwei Jahren versäumt. Ich wünschte, ich hätte das mal getan. Vielleicht wäre ich dann heute noch dieselbe, die ich zu Beginn des Projekts war.
Ich blickte mich in dem spartanisch eingerichteten Raum um, in dem das Bett stand, dass ich während der tagübergreifenden Dienste benutzen durfte, in denen es nicht lohnte, nach Hause zu fahren. Ein fürchterlicher Raum. Keine Fenster und ständig das Säuseln der Klimaanlage. Das Institut ist eben keine Wellness-Oase.
Ich erhob mich und blickte in den Spiegel, der über dem winzigen Handwaschbecken hing. Meine Güte, wie ich aussah! Die Haare strähnig, Ringe unter den Augen. Liebend gern hätte ich jetzt geduscht, oder mir zumindest frische Kleidung angezogen, aber dazu blieb keine Zeit. Ich musste pünktlich sein. Kaltes Wasser ins Gesicht, ein paar Mal mit der Bürste durch die Haare und los.
Die Tür zum Gang ließ ich sorgfältig einrasten und verschloss sie mit meinem privaten Code.
Auf dem Weg zum Projektraum kam mir Daniela entgegen, die mit einem Stapel Speicherchips auf dem Weg zum Archiv war.
»Eliza!«, rief sie. »Du willst nicht schon wieder in eine Sitzung?«
»Von Wollen ist keine Rede. Martin hat mich herzitiert.«
Sie legte mir eine Hand auf den Arm. »Lass dich nicht verheizen. Was nutzt es, wenn das verrückte Projekt gelingt, und du psychisch vor die Hunde gehst?«
»So schlimm wird es schon nicht werden, Dany. Ich verstehe Martin. Ist man als Operator eingearbeitet, ist es im Grunde unmöglich, jemand anderes in demselben Projekt einzusetzen. Ich hoffe, dass es bald vorbei ist.«

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Projekt Katalyse

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Undrop war verärgert, als ihn sein Stellvertreter von seiner Lieblingstätigkeit ablenkte – einer Tiefenmeditation – ständig nach innerer Vervollkommnung strebend. Eigentlich war er der Statthalter der Kemaphen auf dem Planeten Lyriss III, der von seinen primitiven Bewohnern Erde genannt wurde. Somit war Undrop der Befehlshaber der Besatzungstruppen auf Lyriss III und nur unmittelbar der Königin selbst gegenüber verantwortlich.
"Was ist denn, Konatmon?“, fuhr er seinen Stellvertreter an. „Du weißt, dass ich es nicht schätze, in meiner Meditation gestört zu werden!“
„Verzeiht, aber ich denke, Ihre Aufmerksamkeit sollte sich auf die Aktivitäten der Erdlinge richten.“
Undrop war verblüfft. Seit über hundert Planetenumläufen schon befanden sich die Truppen der Kemaphen hier auf diesem Planeten und während der letzten Generationen von Erdlingen hatte es noch nie ein Problem mit ihnen gegeben. Aus den Geschichtsdokumenten wusste er, dass es in den ersten Jahren sogar zu erbitterten Kämpfen gekommen war, doch dann war der Widerstand der Erdlinge zusammengebrochen und die Herrschaft der Kemaphen hatte begonnen.
„Was an den Aktivitäten der Erdlinge kann so wichtig sein, dass ich mich damit befassen müsste?“, fragte er. „Erfüllen sie ihre Quoten nicht oder weigern sie sich etwa, für uns zu arbeiten?“
Der Gedanke allein daran, dass ein Erdling sich weigern könnte, die Anweisung eines Kemaphen zu missachten, erheiterte ihn so sehr, dass seine fleischigen Schultern unkontrolliert zuckten.
„Das ist es gewiss nicht“, sagte Konatmon. „Sie erfüllen ihr Soll, liefern pünktlich. Auf den ersten Blick ist alles in Ordnung.“
„Was willst du dann überhaupt?“, fragte Undrop verständnislos. „Diese Erdlinge, diese Menschen – wie sie sich selbst nennen – wissen doch überhaupt nicht mehr, wie es war, als wir nicht über sie herrschten. Sie sind ein langweiliges Hilfsvolk und wenn ich ehrlich bin: Ich hätte sie – ginge es nach mir – längst ausgemerzt und den Planeten besiedelt.“

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Josie

Bewertung: 2 / 5

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Der Blick aus dem Fenster war noch immer genauso trostlos wie vor einer Stunde, als ich hinausgesehen hatte. Der Himmel war einfach nur bleigrau und der Nebel in den Straßen hatte sich noch mehr verdichtet. Ich konnte kaum mehr die gegenüberliegende Straßenseite erkennen, geschweige denn die Menschen. Ich stutzte. Menschen? Ich sah auf meine Armbanduhr. Um diese Zeit hätte eigentlich das geschäftige Treiben des Feierabendverkehrs die Straßen füllen sollen. Stattdessen war ich mir nicht einmal mehr sicher, ob ich überhaupt jemanden gesehen hatte. Ich starrte noch einmal konzentriert in die grauen Nebelschleier hinein, doch ich war mir nicht sicher. Meine Wohnung lag im vierten Stock und der Nebel wurde immer schlimmer.

 Ich zog meine Gardine wieder vor das Fenster und wandte mich ab. Ich fragte mich, wann ich eigentlich zuletzt die Sonne gesehen hatte. Ich konnte mich nicht erinnern. Überhaupt überkam mich in den vergangenen Tagen stets dieses eigenartige Gefühl, das ich nicht so recht fassen konnte. Immer, wenn ich glaubte, es greifen zu können, löste es sich wieder auf - fast wie die Nebel draußen in den Straßen die Welt auszublenden schienen.
 Ich wusste ja, dass es absoluter Blödsinn war, doch schloss dieses Gefühl die Ahnung mit ein, dass diese Wohnung, in der ich lebte, mir im Grunde fremd war, obwohl ich sicher war, dass die Einrichtung meine eigene sein musste. Ich blickte mich um. Da war die braune, abgwetzte und etwas speckige Ledercouch, der gemütliche Ohrensessel und der langflorige Wollteppich unter dem niedrigen Glascouchtisch. Ich betrachtete die Bilder an den Wänden. Sie zeigten Fotos, die ich im Urlaub geschossen hatte. Allerdings wollte mir nicht mehr einfallen, wo genau es gewesen war. Es wirkte alles vollkommen normal. Das hier war meine Wohnung. Warum also erschien sie mir so fremd?

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Mutprobe

Bewertung: 4 / 5

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Heute würde mein großer Tag sein. Es ist ja nicht so, dass ich es nicht selbst wollte. Ganz im Gegenteil. Im Grunde meines Herzens sehnte ich mich sogar danach. Trotzdem hielt mich die Angst fest im Griff. Wie oft schon hatte es einen großen Tag für mich gegeben und ich hatte gekniffen – hatte mich verweigert und war ein Opfer meiner Angst gewesen.
Ich blickte zu meinem Bruder hinüber. Er sah mich von der Seite her an und ich hatte das Gefühl, als könnte ich verhaltenen Spott in seinen Augen erkennen. Dabei hatte er selbst Angst, verstand es aber besser, sie den Eltern nicht zu zeigen.
Heute jedoch würde es keine Ausflüchte mehr geben. Diesmal würden die Eltern es mir nicht mehr durchgehen lassen. Die Eltern … Sie waren noch unterwegs, um sich um das Mittagessen zu kümmern. Ich legte den Kopf in den Nacken und blickte nach oben. Die Sonne stand hoch am Himmel. Ich rechnete damit, dass sie bald zurückkehren würden.
Einerseits freute ich mich darauf, andererseits bedeutete es aber auch, dass ich … Nein, ich wollte nicht daran denken.
Wieder sah ich zu meinem Bruder hinüber. Es war tatsächlich Spott in seinen Augen. Eigentlich hätte ich ihn dafür zurechtweisen müssen, doch mir war nicht danach. Ich wusste, dass er mir auch dies wieder als Schwäche auslegen würde, doch das war mir im Augenblick egal.

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Hintos Entscheidung

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Das Autoradio dröhnte und die Seitenscheibe seines Freelanders war heruntergefahren. Der Fahrtwind brachte nur wenig Kühlung, doch es war alles, was er an Erfrischung bekommen konnte, denn die Klimaanlage seines alten Geländewagens war schon lange nicht mehr in Ordnung. Hinto Hawks war das egal. Für ihn war ein Auto nur ein Arbeitsgerät, und solange es fuhr, sah er keinen Grund, sich nach etwas Neuem umzusehen. Die Interstate 93 war um diese Zeit wie ausgestorben. Die Pendler von Boulder City und Kingman waren erst viel später unterwegs, aber das interessierte Hinto nicht.
Unvermittelt tauchte der Staudamm vor ihm auf. Hier lag sein Ziel, denn der Damm war sein Job. Er bog auf die Hoover-Dam-Access-Road ab, wo sich die Basis seiner Abteilung befand. Hinto stellte den Wagen auf dem Parkplatz vor dem Dienstgebäude ab und stieg aus. Die Hitze schien noch zuzunehmen. Fluchend spuckte er sein Kaugummi aus und machte sich auf den Weg ins Gebäude. An der Eingangstür traf er auf Grover Lincoln, seinen Kollegen von der Frühschicht.
»Na Hinto, alte Rothaut«, begrüßte er ihn. »Wird auch Zeit, dass du endlich auftauchst. Rose wartet mit dem Essen auf mich.«
Hintos Gesichtsausdruck wurde abweisend. »Werd nicht frech, Nigger. Rose wird's schon überleben, deinen schwarzen Arsch erst ein paar Minuten später zu sehen.«
Wer die beiden nicht kannte, würde vermuten, dass sie sich nicht leiden konnten, doch in Wahrheit waren sie befreundet und verbrachten ihre freien Wochenenden oft gemeinsam mit ihren Familien. Grovers Frau Rose und Eyota, Hintos Frau, waren befreundet, und auch die Kinder verstanden sich.
»Was ist Samstag?«, fragte Grover lachend. »Barbecue bei uns? Mein Schwager kommt deswegen aus Kingman rüber. Geh mal davon aus, dass wir deine ganze rote Brut satt bekommen. Was sagst du?«
»Weiß noch nicht. Eyotas Vater geht es nicht gut. Wir werden wohl zum Reservat hinüberfahren.«
»Bis ins Navajo-Reservat? Mein Gott, da bleib ich lieber schön zu Haus am Grill. Ihr könnt es euch ja noch überlegen.«
Hinto zuckte mit den Schultern. »War etwas Besonderes in deiner Schicht?«

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