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Kurzgeschichten

Die Chance

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Larissa zog ihren Pelzmantel enger um ihre Schultern und zog sich die warme Kapuze über die Ohren. Forschend blickte sie den vor Eiskristallen im Sonnenlicht blitzenden Weg entlang. Sven, ihr Freund, hätte schon längst zurück sein sollen. Vor drei Tagen war er losgezogen, um nach Nahrungsmitteln und Brennstoffen zu suchen. Er hatte eine Karre und die letzten beiden Pferde mitgenommen, die ihnen noch verblieben waren.
Larissa fröstelte. Sollte Sven nicht zurückkehren, würde es schwierig werden, mit den Kindern und vor allem den drei Alten zurechtzukommen.
Sie schreckte zusammen, als sie eine Berührung an ihrem Ärmel bemerkte. Es war Murat, einer der jüngsten ihrer Gruppe. »Anne?«
Sie schüttelte den Kopf. »Ich bin nicht deine Anne. Das weißt du doch. Oder nicht?«
Der Junge nickte. »Aber ich hab Angst. Und mir ist kalt.«
Sie sah ihn einen Moment nachdenklich an, dann öffnete sie ihren Mantel ein Stück. »Na, komm schon. Wir wärmen uns gegenseitig. Wo kommst du überhaupt her? Hast du dich etwa auf der Ladefläche vom Elektrokarren versteckt?«

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Die Besucher

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Dr. William Lyman betrat den Auswertungsraum der zum "Very large Array" gehörenden Station in Socorro / New Mexico. Es handelte sich dabei um eines der größten Radioteleskope der Welt und die Bezeichnung "Array" machte deutlich, dass es sich um eine ganze Reihe von Radiotelekopen handelte, die man zusammengeschaltet hatte, um bessere Ergebnisse zu erzielen.
Lymans Laune war nicht die Beste. Seit er zum SETI-Projekt gestoßen war und sich mit der Suche nach Signalen von außerirdischem Leben befasste, waren seine erhofften Erfolge ausgeblieben. Es steigerte seine Laune auch nicht, dass der Kaffeautomat in der Eingangshalle schon wieder kaputt war.
"Was ist los?", fragte Nat Boeringer, der Programmierer, als er Lymans mürrisches Gesicht sah, doch dieser winkte nur ab.
"Es gibt schon wieder keinen Kaffee", sagte er schließlich.
"Komm', setz' dich zu mir", sagte Nat, "ich habe noch welchen in meiner Isolierkanne. Du kannst ihn dir gern nehmen."
"Das ist nett, danke", antwortete Lyman.
Er nahm auf einem Stuhl neben Nat Platz und schüttete sich etwas Kaffee in seine vollkommen verdreckte Bechertasse.
"Manchmal macht es mich einfach fertig", erklärte er, "ich frage mich häufig, ob unsere Anlagen überhaupt funktionieren, oder ob sie genauso zuverlässig sind, wie dieser verdammte Kaffeeautomat."
Vorsichtig nippte er an seinem Kaffee.

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Der Transmitter

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"Ich kann mir noch immer nicht wirklich vorstellen, wie das funktionieren soll."
Giyörgy Szabo nahm einen Schluck aus seiner Kaffeetasse und ließ seinen Blick über die monströse Anlage schweifen, die von seinen amerikanischen Wissenschaftlerkollegen installiert worden war.
"Es ist mir auch unheimlich, dass wir die gesamte Leistung des Kraftwerks benötigen werden, wenn der Test durchgeführt wird."
"Sie müssen sich nicht sorgen, Herr Kollege", versuchte Hank Lieberman seinen ungarischen Kollegen zu beruhigen. "Mit Ratten und Mäusen hat es bereits ohne Probleme geklappt. Sie müssen sich vorstellen, dass die Materialisation einer menschlichen Körpermasse ein Vielfaches der Energie benötigt. Das war ja gerade der Grund dafür, dass wir Ihr Institut gewählt haben. Es liegt direkt an der Donau und verfügt über zwei große Kraftwerke in unmittelbarer Nähe."
"Die Theorie ist mir durchaus bekannt, auch wenn ich einige Prämissen nicht nachvollziehen kann. Es geht mir nicht in den Kopf, dass es wichtig ist, eine größere Distanz zwischen den Geräten zu haben. Sollte es nicht eher so sein, dass es weniger Energie kostet, wenn die Entfernung nicht so groß ist?"
Lieberman sah Szabo an.
"Ich verstehe Sie. Mir ging es anfangs auch nicht anders. Unsere frühen Versuche schlugen allesamt fehl und wir haben monatelang geforscht und gerechnet. Erst, als wir den Abstand zwischen Sender und Empfänger vergrößerten, erhielten wir brauchbare Ergebnisse."

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Der Vorleser

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KrankenhausflurWieder lief ich den langen Gang entlang. Wie oft ich diesen Weg schon genommen hatte, wusste ich nicht. Wie sehr ich ihn einerseits hasste. Andererseits war er die einzige Verbindung zu ihr, die mir geblieben war.
Es war ein harter Tag gewesen und im Grunde war ich todmüde, doch dies hier war einfach notwendig und richtig. Ich würde es mir selbst nicht verzeihen können, diesen – schon so oft gegangenen – Weg nicht zu nehmen.
Meine Schritte hallten durch den Gang und wurden von den Wänden zurückgeworfen. Es war nicht mehr viel los, um diese Zeit. Die Beleuchtung war bereits etwas zurückgefahren worden. Was sollte sie auch hell brennen, wenn niemand sie mehr benötigte?
Ein Gedanke schreckte mich aus meiner Lethargie: Hatte ich auch alles dabei, was ich benötigte? Hastig fühlte ich meinen Leinenbeutel, den ich bei mir trug und war beruhigt. Ja ich hatte es nicht vergessen. Ich war beruhigt.
Eine Tür öffnete sich und eine junge Frau trat auf den Gang hinaus. Sie erkannte mich und lächelte mir zu. Ich mochte ihr warmes Lächeln.
„Warum tun Sie sich das eigentlich an?“, fragte sie leise.
„Sie wissen, warum“, antwortete ich, „ich kann nicht anders.“
„Ich weiß“, sagte sie, „trotzdem kann ich doch versuchen, Sie zu überzeugen, dass Sie besser nach Hause gehen sollten. Sie können doch überhaupt nichts tun. Wir kümmern uns doch. Sie brauchen doch auch Ihren Schlaf.“
„Das verstehen Sie nicht“, sagte ich, nickte ihr zu und ging weiter. Nur noch ein paar Meter. Ich blickte mich noch einmal um. Die junge Frau stand noch immer auf dem Gang und sah mir mit traurigem Blick hinterher.

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Der Segen

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regenNaubatpur war sicherlich nicht der Nabel der Welt. Inesh wusste das, aber er kümmerte sich im Grunde nicht sonderlich um das, was in der Welt geschah. Er war ein einfacher Mann und zählte in seinem Dorf trotzdem zu den wenigen, die von sich behaupten konnten, dass ihnen ein kleines Stück Land gehörte. Wie schon sein Vater und dessen Vater vor ihm, baute er Reis an. Die Nähe des Ganges und die Lage seines Landes an einem kleinen Hügel begünstigten dies und Inesh beklagte sich auch nicht, dass es wohl nie gelingen würde, dort etwas anderes als Reis anzubauen.
Er hatte den ganzen Tag schon in der Hitze des Tages auf seinen Feldern gearbeitet und die Qualität der Pflanzen immer wieder geprüft. Der Boden war nur noch leicht feucht. In den oberen Terrassen seiner Anbaufläche war es bereits vollkommen ausgetrocknet.
Gerade jetzt war es wichtig, dass die empfindlichen Reispflanzen genügend Wasser hatten. Er blickte nach oben und sah einen makellos blauen Himmel. Kaum ein Wölkchen störte dieses tiefe Blau. Seit Wochen schon sah er nichts anderes, als diesen wolkenlosen Himmel. Seufzend erhob er sich und ließ seinen Blick über die grünen Felder schweifen. Noch waren sie grün, doch wenn es nicht bald Regen geben würde, könnte es geschehen, dass der Reis verdorren würde. Bereits jetzt konnte er die oberen Terrassen vergessen. Er glaubte nicht mehr daran, dass die Pflanzen dort noch zu retten waren. Wenn auch der Rest noch austrocknen sollte, würde er sein Land verkaufen müssen, um sich auf dem Markt im nahegelegenen Patna Lebensmittel zu kaufen. Er weigerte sich, diesen Gedanken weiter zu verfolgen. Es war bisher noch immer weitergegangen. Inesh bete täglich zu Brahma und Vishnu, in der Hoffnung, dass ihm die Götter gnädig sein würden.

 

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