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Kurzgeschichten

Adler wollen fliegen

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„Ist die Ladung verstaut?“, fragte Pierre, den alle nur den „Träumer“ nannten. Niemand hätte vermutet, dass dieser – immer ein wenig abwesend wirkende- kleine Mann einer der wichtigsten Verbindungsleute zwischen den Drogenkartellen der amerikanischen Ostküste und den Opium-Liefernanten in Ostasien war. Nur die Wenigsten kannten die wahre Identität Pierres, der seine Dienste stets dem Meistbietenden anbot. Die Behörden in Europa und USA hatten schon häufig versucht, ihn zu erwischen, doch Pierre handelte nicht mit Drogen – er handelte vielmehr damit, die Verbindung zwischen Lieferanten und Kunden herzustellen.
„Es ist alles an Bord“, bestätigte Clark.
Pierre bezweifelte, dass Clark sein richtiger Name war, aber sein Kontakt hatte für ihn gebürgt, also ging das schon in Ordnung. Er hatte zum ersten Mal mit Clark zusammengearbeitet und seine sicherlich überzogene Forderung einer Anzahlung war anstandslos bezahlt worden.
Er blickte angestrengt über die Lichtung zum nahen Dschungel hinüber und wischte sich den Schweiß mit einem schmutzigen Tuch ab. Wie oft schon hatte er diese Reise gemacht und immer noch hasste er dieses Klima. Laos im Sommer war einfach die Hölle. Ein Blick auf die Uhr ließ ihn unruhig werden.
Ihre kleine Transportmaschine stand am Rande einer ausgedehnten Lichtung in der Nähe des Dorfes Houay Ped und hatte mit Sicherheit keine Berechtigung, hier zu stehen. Ganz im Gegenteil. Würden die laotischen Behörden ahnen, dass dieses Flugzeug hier stand, würde der Boden hier für sie ganz schnell sehr heiß werden.

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12 Uhr 34

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Der Wecker schrillte und riss mich aus dem Schlaf. Es dauerte einen Moment, bis ich so weit wach war, dass ich meine Umgebung bewusst wahrnahm. Die Sonne, die zum Fenster hereinschien, kitzelte meine Nase. Eigenartig, denn im Wetterbericht hatten sie eigentlich etwas vollkommen Anderes vorhergesagt.
Ich schwang meine Beine aus dem Bett und erhob mich, wobei ich meine Glieder streckte, um die letzten Reste von Müdigkeit und Trägheit daraus zu vertreiben. Es war wichtig, wach und fit zu sein – gerade heute. Mein Blick ging zur großen Wanduhr. Es war noch früh. Ich würde also noch eine Menge Zeit haben, zu frühstücken und mich fertig zu machen.
Mein erster Weg führte mich in die Küche, wo ich einen Kessel mit Wasser füllte und ihn auf den Herd stellte. Kochendes Wasser war wichtig. Zu einem guten Frühstück gehörte einfach eine schöne heiße Tasse schwarzen Tees. Sonst aß ich morgens häufig nur ein Müsli mit Milch, doch heute würde ich mir ein richtig kräftiges Frühstück bereiten und freute mich bereits auf ein kräftiges Brot mit Ei und diversen anderen Dingen, die der Kühlschrank hergeben würde.
Während der Wasserkessel auf dem Herd stand, ging ich ins Bad und klatschte mir ein paar Hände voll eiskalten Wassers ins Gesicht. Es war einfach herrlich, dieses Gefühl von kaltem Wasser auf der Haut zu spüren, nachdem man aufgestanden war.  Ich hatte erstaunlich gut geschlafen. Gestern hatte ich noch überlegt, ob ich eine halbe Schlaftablette nehmen sollte, doch dann hatte ich darauf verzichtet – und wie es aussah, war es ja auch nicht notwendig gewesen. Ich hatte geschlafen wie ein Murmeltier. Ich hatte nicht einmal davon geträumt, was ich heute tun würde. Ein letzter Blick in den Spiegel zeigte mir, dass ich gut aussah – jedenfalls nach meinem eigenen Geschmack. Wenn ich an die Reihe der Freundinnen dachte, die ich in den letzten Jahren gehabt hatte, dann schien es so zu sein, dass Frauen es wohl ebenso empfinden mussten. Ich hatte jedenfalls nie Probleme gehabt, Kontakt zum anderen Geschlecht zu finden. Ich musste schmunzeln, wurde jedoch schnell wieder ernst. Das war es nicht, worauf ich mich heute konzentrieren musste.

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Der lange Schlaf

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»Können Sie mich verstehen?«
Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Satz bereits in meinem Unterbewusstsein vernommen hatte, bevor ich allmählich begriff, was er bedeutete.
»Hallo, ich weiß, dass Sie wach sind. Es ist Zeit. Sie müssen nur noch Ihre Augen öffnen.«
Die Stimme begann lästig zu werden. Ich fühlte mich unsagbar müde und wollte mich in meinen gnädigen Schlummer zurückgleiten lassen. Dann war da schon wieder diese Stimme: »Sie können mich doch hören?«
Ich wollte erwidern, dass sie mich doch einfach in Ruhe lassen sollten, doch meine Zunge fühlte sich an, als würde sie nicht mir gehören. Sie wirkte wie ein Fremdkörper und wollte mir nicht gehorchen. Unwillkürlich blinzelte ich mit meinem linken Auge und Licht stach mir wie eine Nadel mitten durchs Hirn. Ein Stöhnen entrang sich meiner Brust.
»Ja, geben Sie sich Mühe. Sie haben es gleich geschafft. Öffnen Sie Ihre Augen.«
Gegen meinen Willen musste ich dieser Stimme lauschen, die mich nicht in Ruhe lassen wollte.
»Nurs Ina, dimm det Lite a littel.«
»Tu«, ertönte eine weibliche Stimme.
Was war das? Und was sollte das bedeuten? Vorsichtig versuchte ich erneut, meine Augen zu öffnen. Diesmal war es nicht so schmerzhaft. Man hatte die Helligkeit im Raum offenbar reduziert. Zum ersten Mal schlug ich die Augen vollständig auf. Ich lag offenbar in einem Bett. Die Zimmerdecke war weiß und leuchtete leicht. Mein Blick wanderte zur Seite. Ein bodentiefes Fenster spannte sich über die gesamte Seite einer Wand. Ich versuchte, etwas zu erkennen, begriff aber, dass ich einfach nur auf eine Wasserfläche blickte. Das Meer? Verdammt, wo befand ich mich?
Schwerfällig wandte ich meinen Kopf zur anderen Seite und erschrak, als ich zwei Personen entdeckte, die mich forschend betrachteten. Es war jedoch nicht die Tatsache allein, die mich erschrecken ließ, sondern die Erscheinung der Frau, deren Stimme ich gehört hatte. Ihre Haut war blau. Die andere Person war ein älterer Mann in einem einteiligen, weißen Anzug, der auf einem Stuhl neben meinem Bett saß. Er lächelte mich an. »Hallo Herr Laudenz. Sie haben es geschafft, und Sie glauben nicht, wie wir uns darüber freuen.«
Ich versuchte zu sprechen, doch meine ersten Versuche erstreckten sich in gestammelten Lauten.
»Lass di Tim«, sagte die blaue Frau und strich mir sanft über die Stirn.

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... denn, sie wissen nicht, was sie tun

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»Herein!«, rief er, als es an seiner Bürotür klopfte. Nervös trommelte er mit seinen Fingern auf seiner Schreibtischplatte, als sein alter Freund Trajan eintrat. Er blickte sich kurz um und kam dann auf ihn zu.
»Quentin, wie siehst du denn aus? So hab ich dich ja noch nie erlebt.«
Er hatte tiefe Ringe unter seinen Augen und man sah ihm an, dass er schon länger nicht mehr geschlafen hatte. Professor Quentin Habermost war eher für sein ausgeglichenes Wesen bekannt. Sein Besucher setzte sich ihm ungefragt gegenüber und sah ihn erwartungsvoll an. »Und?«
Quentin trommelte weiter auf der Tischplatte herum und nahm von seinem Besucher keine weitere Notiz.
»Quentin, so geht das nicht! Erst rufst du mich mitten in der Nacht an und bestellst mich hierher und jetzt sagst du mir nicht, was los ist. Elisabeth dachte schon, ich wäre völlig durchgedreht, als ich ihr sagte, ich müsse nach Genf fahren - mitten in der Nacht.«
Quentin hob ruckartig seinen Kopf. »Hast du ihr was gesagt?«
»Ja, was denn? Ich weiß doch selbst nicht, weshalb ich hier bin! Du weißt, dass ich dein Freund bin. Ich bin es immer gewesen. Aber ich hab es verdient, dass du mir reinen Wein einschenkst.«
»Hast du noch deine Cessna?«
»Bitte?«
»Hast du noch dieses kleine Flugzeug? Deine Cessna?«
Trajan schüttelte den Kopf. »Was soll das jetzt? Du willst doch nicht, dass ich mit dir jetzt einen Rundflug mache, oder?«
»Du hast sie also noch?«
»Ja, verdammt! Aber worum geht es hier eigentlich?«
Quentin schluckte und lehnte sich in seinem Sessel zurück. Das schwache Licht seiner Schreibtischlampe ließ ihn noch müder und erschöpfter aussehen als zuvor. »Trajan, habe ich dir jemals erzählt, woran ich eigentlich arbeite?«
Trajan wiegte seinen Kopf. »Nun ja, über deine Arbeit haben wir nie groß gesprochen. Du bist Professor an der Universität von Genf und gibst dort Vorlesungen in Nuklearphysik. Worauf willst du hinaus?«
»Mein Lehrstuhl ist die eine Sache, aber meine Hauptarbeit verrichte ich hier.« Er breitete seine Arme aus, als wollte er sein Büro und alles darum herum damit einschließen. »Hier in CERN. Hier findet die eigentliche Forschung statt.«
Trajan sah ihn spöttisch an. »Du meinst diese Spielereien mit den Teilchen, die ihr hier beschleunigt und kollidieren lasst? Das nennst du 'eigentliche' Forschung? Das ist doch nichts anderes als früher das Spielen mit den Dampfmaschinen, als wir noch Kinder waren. Es mag ja für euch interessant sein, die Lebensdauer von subatomaren Teilchen zu ermitteln und so'n Zeug, aber frag mal die Leute auf der Straße, ob sie das interessiert. Die haben genug damit zu tun, über die Runden zu kommen. Aber du hast mir noch immer nicht gesagt, warum ich eigentlich so dringend kommen musste. Ich mag dich, aber meine Nachtruhe ist mir auch heilig, weißt du?«
Quentin schlug mit der flachen Hand auf die Tischplatte, dass es knallte. Trajan zuckte erschreckt zusammen.
»Es geht um viel mehr, als nur um die Lebensdauer von subatomaren Teilchen! Meine Forschung hätte die Probleme all dieser Menschen da draußen deutlich verringern können.«
Trajan sah ihn interessiert an. »An was arbeitest du genau?«

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Das Spiel

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Als Erik wach wurde, spürte er gleich, dass er nicht allein war. Er hasste dieses Gefühl der Orientierungslosigkeit, wenn er nicht auf Anhieb wusste, was los war.
»Licht an«, befahl er und der Heimrechner dimmte die Beleuchtung des Schlafraumes, bis er etwas erkennen konnte. »Stop.«
Neben ihm rekelte sich eine nackte, dunkelhäutige Schönheit unter den Seidenlaken seines Luxusbettes. »Mach das Licht wieder aus. Es ist noch früh.«
Sie drehte sich auf die andere Seite und entblößte dabei ihren makellosen Rücken.
»Wer bist du?«, fragte Erik entgeistert.
Die Schönheit drehte sich zu ihm herum und stützte ihren Kopf in die Hand. Ihre dunklen Augen wurden zu engen Schlitzen. »Du weißt nicht, wer ich bin? Dafür hast du dich aber gestern Abend sehr ins Zeug gelegt, mich in dieses Bett zu bekommen.«
Erik schüttelte den Kopf. »Ich kann mich nicht erinnern. Das passiert mir sonst nie.«
»Es stört dich aber auch nicht, dass ich hier bin, oder?« Ein leicht anzügliches Lächeln umspielte ihre Lippen.
Er blickte auf die Uhr neben seinem Bett. »Grundsätzlich nicht, aber ich habe heute zu arbeiten. Wir können das ja gern mal wiederholen, doch jetzt muss ich mich vorbereiten. Es wäre daher besser, wenn du jetzt gehst.«
»Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder? Du willst mich mitten in der Nacht hinauswerfen?«
Erik setzte ein gleichgültiges Gesicht auf. »Wenn du es so betrachten willst ... Zieh dich jetzt an.«
Ihr Gesicht wurde abweisend. »Du bist ein Arsch, Erik! Ich könnte mich hassen, dass ich auf dich hereingefallen bin. Ich dachte, ich hätte es verdient, mich noch einmal zu amüsieren, bevor sie mich abholen. Aber du ...« Sie winkte ab und sammelte ihre Kleidungsstücke ein.
»Abholen?«
»Das interessiert den gnädigen Herrn doch sowieso nicht!«
»Nein, erzähl ruhig«, meinte Erik. »Wer wird dich abholen?«
»Die Leute vom Raumkampfspiel. Mich hat man dabei erwischt, als ich einen Raumjet geknackt habe. Das Gericht hat mich dazu verurteilt, beim Spiel mitzumachen.« Ihr Gesicht bekam einen harten Ausdruck. »Es soll mir helfen, mich zu rehabilitieren.«
»Du, eine Diebin?«, lachte Erik. »Das ist jetzt nicht wahr!«
»Das ist nicht witzig!« Ihre Augen funkelten wütend. »Es kann mich das Leben kosten. Und das alles nur, um all diesen Idioten etwas Zerstreuung zu geben? In was für einer Welt leben wir eigentlich?«
»Wir müssen alle mal sterben.«
Sie sah ihn scharf an. »Das hast du jetzt nicht wirklich gesagt, oder?«
Erik zuckte die Achseln. »Du hast immerhin eine Chance. Wer weiß, vielleicht überlebst du ja und dann bist du frei und bekommst auch noch den Preis.«
Sie drehte sich wütend um und griff nach ihrer Tasche. »Ich glaube, es ist besser, wenn ich jetzt gehe. Ach ja, nur der Vollständigkeit halber: Ich heiße Dionne.«
Ohne ein weiteres Wort trat sie auf den Flur hinaus und schlug die Tür lautstark hinter sich zu.
Erik blickte ihr noch ein paar Sekunden hinterher. Es war eine Schande, dass er sich überhaupt nicht daran erinnern konnte, Dionne mit nach Hause genommen zu haben. Sie sah wirklich sehr attraktiv aus und er konnte sich vorstellen, dass die Nacht mit ihr sehr nett gewesen sein musste. Andererseits - sie war eine Kriminelle, wie sich jetzt herausgestellt hatte. Er hätte nur Ärger mit ihr gehabt. Für einen Moment spielte er mit dem Gedanken, sie noch einmal anzurufen, wenn sie das Spiel tatsächlich überleben sollte, doch er verwarf diesen Gedanken gleich wieder. Kaum jemals gelang es einem Kriminellen, den professionellen Jägern zu entkommen. Ein böses Lächeln stahl sich auf seine Lippen. Immerhin war er einer dieser Jäger und gefürchtet bei den Spielern.
Das Vidfon summte und schaltete sich automatisch ein. Den Mann auf dem Bildschirm kannte er nur zu gut. Es war Chester, sein Manager für die Jagdeinsätze.
»Hallo Erik, bist du schon fit für die heutige Jagd? Ich habe dich für den Start um 17 Uhr Greenwich-Zeit gemeldet. Schaffst du das? Es geht um eine Million Preisgeld.«
»Eine Million?« Erik pfiff durch die Zähne. »Wie kommt das? Wer ist mein Gegner?«
»Das ist es ja gerade. Du hast es mit insgesamt fünf Gegnern zu tun. Keine Profis sondern Verurteilte. Das sollte für dich kein Problem darstellen. Wenn du sie erledigst, können wir uns beide einen richtig langen Urlaub leisten.«
»Fünf Gegner sind aber auch eine Herausforderung«, schränkte Erik Chesters Euphorie ein. »Es könnte auch mich erwischen.«
»Erik, Erik, du bist der beste Gladiator, den die Welt hervorgebracht hat. Keine falsche Bescheidenheit. Allein die Einschaltquoten und die Anteile aus den Werbeeinnahmen sollten deine Söldnerseele höherschlagen lassen.«
»Du hast recht. Ich werde es machen. Es ist nicht meine Schuld, wenn ein paar Verurteilte draufgehen. Ich werde pünktlich am Startplatz sein.«
Stunden später saß Erik, bekleidet mit seinem silbernen Kampfanzug, in einem schwer bewaffneten Raumjet und wartete auf die Startfreigabe durch die Wettkampfleitung. Fünf weitere Maschinen des gleichen Typs standen in einiger Entfernung in ihren Startgerüsten. Das waren seine Gegner, und sie würden ihm das Leben schwer machen, wenn sie konnten. Er lächelte böse. Es würde ihnen nichts nutzen. Es waren Verurteilte, Kriminelle, gesellschaftlicher Unrat, um den es nicht schade war. Es war sein Job, doch er empfand stets eine gewisse Befriedigung dabei, diese Welt von einigen solcher Subjekte zu befreien. Es war ein genialer Zug der Regierung gewesen, den Strafvollzug in die Unterhaltungsprogramme der Vid-Branche zu integrieren. So erfüllten die kriminellen Elemente wenigstens noch einen guten Zweck, bevor er, oder einer seiner Kollegen, sie erledigte. Sicher trug dieses System auch für ihn immer ein gewisses Risiko, aber er war ein guter Pilot und Schütze. Auch wenn es diesmal gleich fünf Gegner waren, machte ihn diese Tatsache nicht sonderlich nervös, denn es handelte sich in der Regel um keine geübten Piloten. Meistens bekamen sie einen kurzen Flugkurs an einem Computer, wo sie lernten, wie man einen Jet steuerte und wie man die Bordwaffen abfeuerte. Für die Meisten war es zu spät, wenn sie entdeckten, dass ein Schnellkurs in Fliegerei keine jahrelange Erfahrung ersetzen konnte.
Routiniert prüfte er den Zustand der Systeme seiner Maschine. Noch liefen die Werbespots, doch bald wurden die Starts freigegeben. Der Start war immer interessant für ihn, zeigte er ihm doch, wie gut seine Gegner mit ihrem Kampfgerät zurechtkamen. Erik ließ seinen Gegnern gern einen Vorsprung. Sie meinten dann häufig, einen Vorteil zu haben und ahnten nicht, dass er schon aus der Art, wie sie in den Raum starteten, seine Schlüsse zog, und seine Strategie darauf abstimmte. Durch seine transparente Cockpitkanzel sah er die vielen Zuschauer, die sich auf den Tribünen eingefunden hatten, um den Start zu beobachten. Sie begannen plötzlich mit Fähnchen zu winken, also ging es los.
»Startfreigabe!«, plärrte es aus dem Funkgerät. »Möge der Beste gewinnen!«
Erik lachte humorlos auf, als er diesen stereotypen Satz hörte, den sie stets bei Spielbeginn verkündeten. Es sollte vermutlich darüber hinwegtäuschen, dass es sich im Grunde nur um eine, als Spiel verpackte, Hinrichtung handelte. Der Sieger bekam eine üppige Prämie, und er konnte das Geld gut brauchen, da sein ausschweifender Lebenswandel nicht leicht zu finanzieren war.
Aufmerksam verfolgte er die Starts seiner Kontrahenten und lächelte, als er die teils unbeholfenen Manöver sah, mit denen vier seiner fünf Gegner in den Himmel stiegen. Lediglich der Pilot des Jets mit der Nummer drei auf dem Leitwerk schien etwas davon zu verstehen. Vor ihm würde er sich in Acht nehmen müssen. Gut gelaunt vor sich hin pfeifend, startete er die Triebwerke und ließ seine Maschine abheben. Im Gegensatz zu den Anderen, wählte er einen flachen Steigkurs und entfernte sich damit weit von dem Sektor, an dem seine Feinde voraussichtlich bereits auf ihn lauerten. Aus den Augenwinkeln sah er die automatische Kameradrohne, die ihn während des gesamten Spiels begleiten würde. Die Öffentlichkeit hatte schließlich ein Recht darauf, die Kämpfe in hochauflösendem Video live mit ansehen zu können. Sein sanfter Anstieg ersparte ihm den heftigen Andruck des direkten, radialen Fluges in die Umlaufbahn. Er drosselte sein Triebwerk erst, als er sich schon weit über dem mutmaßlichen Orbit seiner Gegner befand. Zwar konnte er sich nicht sicher sein, aber jahrelange Erfahrung im Umgang mit Kriminellen ließen ihn ein Gespür dafür entwickeln, wie sie dachten. Fast immer stiegen sie direkt auf und wandten ihre Bordgeschütze gleich nach unten, im Glauben, dass er ihnen unmittelbar folgen würde.
Erik richtete sein Ortungssystem nach unten, auf einen niedrigeren Orbit, und fand auf Anhieb vier seiner Ziele.
»Dann wollen wir mal«, murmelte er und nahm die manuelle Steuerung in die Hand. Das Triebwerk dröhnte dumpf, und er wurde hart in die Konturpolster gedrückt. Ab jetzt war er der Jäger und verschmolz mit der Steuerung des Kampfjets. In einer automatischen Bewegung aktivierte er die Bordgeschütze und synchronisierte sie mit dem Ortungssystem. Die Geschwindigkeit wurde immer höher und die Gruppe seiner Ziele schien regelrecht auf ihn zuzustürzen. Die Zuschauer auf der Erde taten ihm fast leid. Sein Angriff wurde so schnell und präzise vorgetragen, dass nach wenigen Augenblicken bereits der erste gegnerische Jet zerstört war. Sein erster Schuss hatte ihn direkt in den Feststofftanks erwischt und er verging in einer grellen Gaswolke, als sich der Treibstoff spontan entzündete. Kleine Fragmente schlugen gegen die Zelle seiner Maschine, als er mit hoher Geschwindigkeit mitten durch die expandierende Glutwolke jagte. Wenige ungezielte Schüsse der verbliebenen Gegner verfehlten ihn weit.
Erik wusste, dass es auf schnelle Reaktionen ankam, und darauf, die Verwirrung seiner Gegner auszunutzen. Wenn er ihnen zu viel Zeit gab, sich von ihrem Schreck zu erholen, bestand die Gefahr, dass sie ihn als Gruppe verfolgten. Das wollte er unter allen Umständen vermeiden. Er wendete den Jet, indem er ihn antriebslos um seine Querachse rotieren ließ, und zündete das Triebwerk erneut. Rasend schnell kam die Maschine zur Ruhe und beschleunigte in Gegenrichtung. Drei Jets warteten in Angriffsstellung auf ihn, doch er vertraute darauf, dass es ihnen nicht möglich war, ihre Waffenleitsysteme bei seiner Beschleunigung so exakt zu fokussieren, dass sie ihm gefährlich werden könnten. Er selbst jedoch war ein geübter Schütze. Die Rechnung ging auf. Die gegnerischen Bordkanonen feuerten eine Salve nach der anderen in seine Richtung, doch sie verfehlten ihn alle. Es war Erik klar, dass er solche Spielchen nicht mit erfahrenen Gegnern machen konnte, die ein Gespür für den richtigen Vorhaltewinkel der Geschütze hatten. Er drückte die Feuertaste seines Steuerknüppels und zerstörte zwei weitere seiner Gegner im ersten Anlauf. Den verbliebenen Jet beschädigte er im Vorbeiflug durch einen winzigen Schwenk, wodurch er in den Plasmastrahl seines Triebwerks geriet. In der Heckkamera konnte er erkennen, dass auch diese Maschine explodierte, was ihn verblüffte, da er geglaubt hatte, ihr erst noch einen Todesstoß versetzen zu müssen. Vier Gegner waren vernichtet, es blieb somit nur noch einer übrig. Fieberhaft überlegte er, welche Nummern auf den Heckleitwerken der zerstörten Maschinen gestanden hatten. War der Jet mit der Nummer Drei dabei gewesen? Er wusste es nicht.
Erik studierte die Ortungsanzeigen. Er hatte keine Ahnung, wo er den verbliebenen fünften Flieger zu suchen hatte, war jedoch beinahe sicher, dass es sich um die Maschine mit der Nummer Drei handelte. Obwohl er es sich nicht gern eingestand, machte ihn die Tatsache nervös, dass er den letzten Kriminellen nicht entdecken konnte.
Ein schrilles Signal riss ihn aus seinen Gedanken. Ein Ortungsimpuls hatte seine Maschine getroffen. Erik drückte ruckartig den Beschleunigungshebel nach vorn, worauf sein Jet einen regelrechten Satz machte. Er musste unbedingt aus dem Ortungskegel heraus, denn es bedeutete, dass sein Feind ihn im Visier hatte. Mit willkürlichen Steuerbewegungen ließ er seinen eigenen Flieger trudeln, um ein schlechteres Ziel abzugeben. Einige Leuchtspuren, die an ihm vorbeizuckten, zeigten ihm, dass bereits auf ihn geschossen wurde.
Wild entschlossen ließ er den Jet um 180 Grad herumschwenken, und schoss willkürlich eine Reihe von Raketen ab, in der Hoffnung, dass wenigstens eine davon ihr Ziel erreichen würde. Zum ersten Mal sah er seinen Verfolger mit bloßen Augen und Erik musste anerkennen, dass er sein Handwerk verstand. Fast mühelos wich er seinen Raketen aus, die wirkungslos im All explodierten. Erst jetzt fiel ihm auf, dass an seinem eigenen Flieger das Leitwerk fehlte. Einer der gegnerischen Schüsse hatte also getroffen. Zum Glück war das Leitwerk im luftleeren Raum nicht von Bedeutung und für einen geübten Flieger war eine Landung auch ohne intaktes Leitwerk kein Problem. Trotzdem zeigte es ihm, dass es nicht leicht werden würde, aus diesem Kampf heil herauszukommen. Er zwang sich zur Ruhe und fixierte sein eigenes Zielsystem auf das feindliche Schiff. Mit seinen Projektilwaffen und Raketen kam er nicht weiter, wie er zuvor eindrucksvoll erleben musste. Der Hochenergielaser im Bug seines Jets war seine einzige Chance. Er benutzte diese Waffe nur ungern, da sie nur für einen einzigen Schuss taugte, bevor der Kristall blind und die Waffe somit unbrauchbar wurde. Die Kondensatoren des Lasers benötigten ein paar Sekunden, bis sie voll aufgeladen waren. Erik hoffte, dass sein Gegner nicht bereits auf denselben Einfall gekommen war und bereits vor ihm schussbereit war. Gegenseitig belauerten sie sich. Offenbar wusste auch der andere, dass weitere Raketensalven keinen Erfolg haben würden. Ein kurzer Ton deutete an, dass die Waffe bereit war. Er zielte genau auf eines der Steuertriebwerke seines Gegners und drückte den Auslöser. Lautlos und für das Auge unsichtbar fraß sich der hochgebündelte Lichtstrahl in sein Ziel. Eine kleine Explosion ließ die Reaktionskammer des Triebwerks platzen und brachte den gegnerischen Flieger in Rotation. Auf Eriks Gesicht stahl sich ein Lächeln. Wieder einmal hatte er es geschafft. Er musste diesem Kriminellen nur noch den Gnadenstoß versetzen. Langsam ließ er sich auf sein langsam rotierendes Ziel zutreiben. Jetzt konnte er den TV-Gesellschaften noch Gelegenheit zu einigen Großaufnahmen geben, bevor es zu Ende war. Aus den Augenwinkeln sah er bereits einige der Kameradrohnen, die den Kampf aufgenommen hatten, und sich nun dem Todgeweihten näherten.
Erik schrak zusammen, als sein Funkgerät sich lautstark meldete, und der kleine Monitor in seinem Steuerpult ansprang. Es war nicht üblich, Kämpfende vor dem Abschluss anzurufen.
»Sie müssen das nicht tun«, tönte es verzerrt aus dem kleinen Lautsprecher. Auf dem Monitor erschien ein Raumhelm mit dunklem Visier.
»Was soll das?«, fragte Erik unwirsch. »Sie wissen genau, worum es hier geht. Haben Sie etwa nicht versucht, mich zu töten?«
Die Stimme aus dem Funkgerät lachte humorlos auf. »Habe ich denn eine andere Wahl? Vier Ihrer Kontrahenten haben Sie einfach abgeschossen, dabei wissen Sie nicht einmal, was sie angestellt haben. Da stellt sich mir doch wohl keine Alternative, als mich gegen Sie zur Wehr zu setzen. Ich will aber nicht sterben. Nicht für einen kleinen Fehler. Ich habe doch niemanden umgebracht.«
»Das interessiert mich nicht! Sie sind ordnungsgemäß verurteilt worden und an das Spiel überstellt worden. Wenn ich meine Gegner nicht töte, bekomme ich mein Geld nicht. Also sollten wir es dabei belassen.«
Erik tastete nach dem Funkgerät, um es abzustellen, als der gegnerische Pilot sein Visier nach oben schob. Er kannte dieses Gesicht.
»Dionne?«, fragte er überrascht und öffnete ebenfalls sein Visier.
»Erik?« Dionne blickte ihn vollkommen verständnislos an. »Das ist die Arbeit, die du zu erledigen hattest? Menschen abschlachten?«
»Das sind starke Worte von einer verurteilten Kriminellen. So läuft nun mal das Spiel. Du hättest es dir überlegen sollen, bevor du gegen die Gesetze verstößt, mein Engel.«
Dionnes Gesicht bekam einen wütenden Ausdruck. »Jetzt hör doch auf mit diesem Scheiß! Ich habe nichts getan, wofür man jemanden zum Tode verurteilt, und das trifft für jedes deiner bisherigen Opfer zu. In einer anderen Zeit wärst du vor dem Gesetz ein Mörder gewesen, weißt du das?«
»Wir leben aber jetzt und heute, und das bedeutet, dass ich dich jetzt töten muss.«
»Mein Gott, wir haben die Nacht miteinander verbracht! Wir haben Spaß gehabt! Du kannst doch nicht wirklich meinen Tod wollen. So kalt kannst du doch nicht sein.«
»Darum geht es hier nicht.« Erik suchte das All nach Drohnen der TV-Gesellschaft ab. Wenn das hier ebenfalls übertragen wurde, durfte er sich keine Blöße geben.
»Ich habe meinen Auftrag. Es spielt keine Rolle, dass wir uns kennen. Wenn du leben willst, solltest du dich jetzt wehren.«
»Du bist ein verdammtes Arschloch ...!«, brüllte sie. »Dann musst du dich aber anstrengen! Ich bin noch nicht am Ende!«
Erik lachte leise. Drohungen im Angesicht des nahen Todes waren nicht selten. Er musste sich jedoch eingestehen, dass es zumindest ein eigenartiges Gefühl war, die Frau zu töten, mit der er die vergangene Nacht verbracht hatte. Er schüttelte den Gedanken ab und nahm seine Kontrollhebel in die Hand.
Er lenkte sein Zielradar auf Dionnes beschädigten Jet und feuerte mehrere Raketen ab. Ungerührt verfolgte er, wie sie sich dem Flieger näherten, als er entdeckte, dass Dionne nicht mehr auf dem Monitor zu sehen war. Offenbar hatte sie sich mit Hilfe des Notschalters aus dem Cockpit katapultiert.
Der letzte gegnerische Flieger explodierte unter den Einschlägen der Raketentreffer. Etwas ratlos blickte Erik auf die Szenerie der auseinandertreibenden Trümmerteile. Eigentlich hätte er jetzt triumphieren müssen - hatte er doch soeben eine Million verdient. Doch er wusste nicht, ob Dionne tot war. Ohne den Beweis ihres Todes gab es Probleme mit dem Preisgeld.
»Diese verdammte Hexe«, murmelte er und suchte die gesamte Gegend nach Anzeichen dafür ab, dass ein Raumanzug zwischen den überall verstreuten Trümmerteilen herumtrieb. »Wie soll ich dich hier finden?«
Antriebslos ließ er seinen Flieger mit geringer Geschwindigkeit durch die Wrackteile treiben und suchte nach Dionne. Er musste sie töten, sonst würde er leer ausgehen. Er sah bereits die Schlagzeilen in der Presse: Jäger blamiert sich beim Spiel.
Ein lautes Krachen im Lautsprecher kündigte an, dass es noch einen Sender in der Nähe geben musste.
»Du musst mich überhaupt nicht finden«, ertönte eine scharfe Stimme. »Ich werde dich finden.«
»Was?«, entfuhr es Erik. Noch immer konnte er nicht entdecken, wer da zu ihm gesprochen hatte.
»Ich sagte, dass ich dich finden werde. Oder sollte ich besser sagen, dass ich dich gefunden habe?«
Erik hörte ein hartes, metallisches Klacken, dann tauchte eine, in einen Raumanzug gehüllte Gestalt neben seinem Cockpit auf, die ihm zuwinkte.
»Ich wollte dieses Spiel nicht, aber du bestehst darauf. Also - mein Schatz - mache ich jetzt meinen letzten Zug. Es ist eine Magnethaftmine. Schach matt! Du hast verloren.«
Erik blickte entsetzt die Gestalt an, die sich mithilfe ihrer Anzugdüsen von seinem Jet entfernte und grüßend mit ihrer Hand an ihren Helm tippte. Er hatte keine Zeit mehr, etwas zu erwidern oder zu unternehmen, denn eine gewaltige Explosion zerfetzte sein Schiff und hinterließ lediglich eine Gaswolke und Tausende winziger Trümmerteile.

Dionne hatte Glück, nicht von Fragmenten der Explosion getroffen zu werden. Allmählich trieb sie immer weiter vom Ort des Kampfgeschehens fort. Sie hätte sich freuen sollen. Sie hatte überlebt. Irgendwann würde ein Schiff der Wettkampfleitung sie auflesen. Über Geld brauchte sie sich in der nächsten Zeit keine Gedanken machen, doch es war ihr im Moment gleichgültig. Überhaupt hatte sie den Eindruck, zu keinerlei Empfindungen fähig zu sein. Sie hatte eben einen Menschen getötet. Sie hatte das nicht gewollt, aber Erik hatte ihr keine Wahl gelassen. Niemals hätte sie geglaubt, zu einer solchen Tat überhaupt fähig zu sein. Allmählich wurde ihr die ganze Tragweite bewusst, und sie begann, am ganzen Körper zu zittern. War sie jetzt eine Mörderin? Würde sie jemals wieder der Mensch sein, der sie vorher gewesen war?
»Dionne Mayland?«, meldete sich ihr Helmempfänger. »Die Spielleitung gratuliert Ihnen zu zum Sieg. Ein Schiff ist unterwegs, um Sie aufzunehmen. Die Staatsanwaltschaft lässt Ihnen übermitteln, dass Ihre Strafe durch den Sieg abgegolten ist. Wir hätten allerdings noch eine Frage, die Sie sich durch den Kopf gehen lassen sollten: Wären Sie eventuell bereit, einen Vertrag mit uns einzugehen, und in Zukunft als Jäger zu arbeiten?«
Dionne glaubte, ihren Ohren nicht zu trauen. Ärgerlich schaltete sie ihren Funkempfänger ab. »Lasst mich ... lasst mich doch einfach nur alle in Ruhe ...!«
Gemächlich drehte sich Dionne um ihre Längsachse und bei jeder Umdrehung schien sich die Erde unter ihr zu drehen. Sie brachte sich mithilfe ihrer Lagedüsen in eine Position, in der sie die Erde ansehen konnte. Tränen lösten sich aus ihren Augen, flogen in ihrem Helm herum und blieben schließlich auf der Innenseite ihres Helmvisiers kleben. Nach und nach wurde sie ruhiger und ihre Atmung beruhigte sich. Sie war auf einmal unendlich müde. Wollte sie überhaupt auf diese Welt zurückkehren, in der Menschen ihre Mitmenschen wegen kleinster Vergehen umbrachten? Wie würde es sein, einfach die Augen zu schließen, und sich fallen zu lassen? Für einen kurzen Moment spielte sie mit dem Gedanken, ihren Flug mit den Lagedüsen abzubremsen und den stabilen Orbit zu verlassen, doch dann war dieser Moment vorbei. Was hatte man ihnen erzählt, würde man als Preisgeld bekommen? Eine ganze Million? Damit konnte sie sogar das Land verlassen und sich die Staatsangehörigkeit in einem der Länder kaufen, in denen das Leben des Einzelnen noch etwas Wert war. Sie hatte die Chance, es in eine Zukunft zu investieren, die noch einen Sinn hatte.
Ganz allmählich schlich sich ein Lächeln auf ihre Lippen und sie entspannte sich. Sie glitt in einen tiefen Erschöpfungsschlaf. Bis zu ihrer Rettung durch ein Shuttle der Spielleitung war ja noch so viel Zeit ...

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