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Kurzgeschichten

12 Uhr 34

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Der Wecker schrillte und riss mich aus dem Schlaf. Es dauerte einen Moment, bis ich so weit wach war, dass ich meine Umgebung bewusst wahrnahm. Die Sonne, die zum Fenster hereinschien, kitzelte meine Nase. Eigenartig, denn im Wetterbericht hatten sie eigentlich etwas vollkommen Anderes vorhergesagt.
Ich schwang meine Beine aus dem Bett und erhob mich, wobei ich meine Glieder streckte, um die letzten Reste von Müdigkeit und Trägheit daraus zu vertreiben. Es war wichtig, wach und fit zu sein – gerade heute. Mein Blick ging zur großen Wanduhr. Es war noch früh. Ich würde also noch eine Menge Zeit haben, zu frühstücken und mich fertig zu machen.
Mein erster Weg führte mich in die Küche, wo ich einen Kessel mit Wasser füllte und ihn auf den Herd stellte. Kochendes Wasser war wichtig. Zu einem guten Frühstück gehörte einfach eine schöne heiße Tasse schwarzen Tees. Sonst aß ich morgens häufig nur ein Müsli mit Milch, doch heute würde ich mir ein richtig kräftiges Frühstück bereiten und freute mich bereits auf ein kräftiges Brot mit Ei und diversen anderen Dingen, die der Kühlschrank hergeben würde.
Während der Wasserkessel auf dem Herd stand, ging ich ins Bad und klatschte mir ein paar Hände voll eiskalten Wassers ins Gesicht. Es war einfach herrlich, dieses Gefühl von kaltem Wasser auf der Haut zu spüren, nachdem man aufgestanden war.  Ich hatte erstaunlich gut geschlafen. Gestern hatte ich noch überlegt, ob ich eine halbe Schlaftablette nehmen sollte, doch dann hatte ich darauf verzichtet – und wie es aussah, war es ja auch nicht notwendig gewesen. Ich hatte geschlafen wie ein Murmeltier. Ich hatte nicht einmal davon geträumt, was ich heute tun würde. Ein letzter Blick in den Spiegel zeigte mir, dass ich gut aussah – jedenfalls nach meinem eigenen Geschmack. Wenn ich an die Reihe der Freundinnen dachte, die ich in den letzten Jahren gehabt hatte, dann schien es so zu sein, dass Frauen es wohl ebenso empfinden mussten. Ich hatte jedenfalls nie Probleme gehabt, Kontakt zum anderen Geschlecht zu finden. Ich musste schmunzeln, wurde jedoch schnell wieder ernst. Das war es nicht, worauf ich mich heute konzentrieren musste.

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... denn, sie wissen nicht, was sie tun

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»Herein!«, rief er, als es an seiner Bürotür klopfte. Nervös trommelte er mit seinen Fingern auf seiner Schreibtischplatte, als sein alter Freund Trajan eintrat. Er blickte sich kurz um und kam dann auf ihn zu.
»Quentin, wie siehst du denn aus? So hab ich dich ja noch nie erlebt.«
Er hatte tiefe Ringe unter seinen Augen und man sah ihm an, dass er schon länger nicht mehr geschlafen hatte. Professor Quentin Habermost war eher für sein ausgeglichenes Wesen bekannt. Sein Besucher setzte sich ihm ungefragt gegenüber und sah ihn erwartungsvoll an. »Und?«
Quentin trommelte weiter auf der Tischplatte herum und nahm von seinem Besucher keine weitere Notiz.
»Quentin, so geht das nicht! Erst rufst du mich mitten in der Nacht an und bestellst mich hierher und jetzt sagst du mir nicht, was los ist. Elisabeth dachte schon, ich wäre völlig durchgedreht, als ich ihr sagte, ich müsse nach Genf fahren - mitten in der Nacht.«
Quentin hob ruckartig seinen Kopf. »Hast du ihr was gesagt?«
»Ja, was denn? Ich weiß doch selbst nicht, weshalb ich hier bin! Du weißt, dass ich dein Freund bin. Ich bin es immer gewesen. Aber ich hab es verdient, dass du mir reinen Wein einschenkst.«
»Hast du noch deine Cessna?«
»Bitte?«
»Hast du noch dieses kleine Flugzeug? Deine Cessna?«
Trajan schüttelte den Kopf. »Was soll das jetzt? Du willst doch nicht, dass ich mit dir jetzt einen Rundflug mache, oder?«
»Du hast sie also noch?«
»Ja, verdammt! Aber worum geht es hier eigentlich?«
Quentin schluckte und lehnte sich in seinem Sessel zurück. Das schwache Licht seiner Schreibtischlampe ließ ihn noch müder und erschöpfter aussehen als zuvor. »Trajan, habe ich dir jemals erzählt, woran ich eigentlich arbeite?«
Trajan wiegte seinen Kopf. »Nun ja, über deine Arbeit haben wir nie groß gesprochen. Du bist Professor an der Universität von Genf und gibst dort Vorlesungen in Nuklearphysik. Worauf willst du hinaus?«
»Mein Lehrstuhl ist die eine Sache, aber meine Hauptarbeit verrichte ich hier.« Er breitete seine Arme aus, als wollte er sein Büro und alles darum herum damit einschließen. »Hier in CERN. Hier findet die eigentliche Forschung statt.«
Trajan sah ihn spöttisch an. »Du meinst diese Spielereien mit den Teilchen, die ihr hier beschleunigt und kollidieren lasst? Das nennst du 'eigentliche' Forschung? Das ist doch nichts anderes als früher das Spielen mit den Dampfmaschinen, als wir noch Kinder waren. Es mag ja für euch interessant sein, die Lebensdauer von subatomaren Teilchen zu ermitteln und so'n Zeug, aber frag mal die Leute auf der Straße, ob sie das interessiert. Die haben genug damit zu tun, über die Runden zu kommen. Aber du hast mir noch immer nicht gesagt, warum ich eigentlich so dringend kommen musste. Ich mag dich, aber meine Nachtruhe ist mir auch heilig, weißt du?«
Quentin schlug mit der flachen Hand auf die Tischplatte, dass es knallte. Trajan zuckte erschreckt zusammen.
»Es geht um viel mehr, als nur um die Lebensdauer von subatomaren Teilchen! Meine Forschung hätte die Probleme all dieser Menschen da draußen deutlich verringern können.«
Trajan sah ihn interessiert an. »An was arbeitest du genau?«

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Das Spiel

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Als Erik wach wurde, spürte er gleich, dass er nicht allein war. Er hasste dieses Gefühl der Orientierungslosigkeit, wenn er nicht auf Anhieb wusste, was los war.
»Licht an«, befahl er und der Heimrechner dimmte die Beleuchtung des Schlafraumes, bis er etwas erkennen konnte. »Stop.«
Neben ihm rekelte sich eine nackte, dunkelhäutige Schönheit unter den Seidenlaken seines Luxusbettes. »Mach das Licht wieder aus. Es ist noch früh.«
Sie drehte sich auf die andere Seite und entblößte dabei ihren makellosen Rücken.
»Wer bist du?«, fragte Erik entgeistert.
Die Schönheit drehte sich zu ihm herum und stützte ihren Kopf in die Hand. Ihre dunklen Augen wurden zu engen Schlitzen. »Du weißt nicht, wer ich bin? Dafür hast du dich aber gestern Abend sehr ins Zeug gelegt, mich in dieses Bett zu bekommen.«
Erik schüttelte den Kopf. »Ich kann mich nicht erinnern. Das passiert mir sonst nie.«
»Es stört dich aber auch nicht, dass ich hier bin, oder?« Ein leicht anzügliches Lächeln umspielte ihre Lippen.
Er blickte auf die Uhr neben seinem Bett. »Grundsätzlich nicht, aber ich habe heute zu arbeiten. Wir können das ja gern mal wiederholen, doch jetzt muss ich mich vorbereiten. Es wäre daher besser, wenn du jetzt gehst.«
»Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder? Du willst mich mitten in der Nacht hinauswerfen?«
Erik setzte ein gleichgültiges Gesicht auf. »Wenn du es so betrachten willst ... Zieh dich jetzt an.«
Ihr Gesicht wurde abweisend. »Du bist ein Arsch, Erik! Ich könnte mich hassen, dass ich auf dich hereingefallen bin. Ich dachte, ich hätte es verdient, mich noch einmal zu amüsieren, bevor sie mich abholen. Aber du ...« Sie winkte ab und sammelte ihre Kleidungsstücke ein.
»Abholen?«
»Das interessiert den gnädigen Herrn doch sowieso nicht!«
»Nein, erzähl ruhig«, meinte Erik. »Wer wird dich abholen?«
»Die Leute vom Raumkampfspiel. Mich hat man dabei erwischt, als ich einen Raumjet geknackt habe. Das Gericht hat mich dazu verurteilt, beim Spiel mitzumachen.« Ihr Gesicht bekam einen harten Ausdruck. »Es soll mir helfen, mich zu rehabilitieren.«
»Du, eine Diebin?«, lachte Erik. »Das ist jetzt nicht wahr!«
»Das ist nicht witzig!« Ihre Augen funkelten wütend. »Es kann mich das Leben kosten. Und das alles nur, um all diesen Idioten etwas Zerstreuung zu geben? In was für einer Welt leben wir eigentlich?«
»Wir müssen alle mal sterben.«
Sie sah ihn scharf an. »Das hast du jetzt nicht wirklich gesagt, oder?«
Erik zuckte die Achseln. »Du hast immerhin eine Chance. Wer weiß, vielleicht überlebst du ja und dann bist du frei und bekommst auch noch den Preis.«
Sie drehte sich wütend um und griff nach ihrer Tasche. »Ich glaube, es ist besser, wenn ich jetzt gehe. Ach ja, nur der Vollständigkeit halber: Ich heiße Dionne.«
Ohne ein weiteres Wort trat sie auf den Flur hinaus und schlug die Tür lautstark hinter sich zu.
Erik blickte ihr noch ein paar Sekunden hinterher. Es war eine Schande, dass er sich überhaupt nicht daran erinnern konnte, Dionne mit nach Hause genommen zu haben. Sie sah wirklich sehr attraktiv aus und er konnte sich vorstellen, dass die Nacht mit ihr sehr nett gewesen sein musste. Andererseits - sie war eine Kriminelle, wie sich jetzt herausgestellt hatte. Er hätte nur Ärger mit ihr gehabt. Für einen Moment spielte er mit dem Gedanken, sie noch einmal anzurufen, wenn sie das Spiel tatsächlich überleben sollte, doch er verwarf diesen Gedanken gleich wieder. Kaum jemals gelang es einem Kriminellen, den professionellen Jägern zu entkommen. Ein böses Lächeln stahl sich auf seine Lippen. Immerhin war er einer dieser Jäger und gefürchtet bei den Spielern.
Das Vidfon summte und schaltete sich automatisch ein. Den Mann auf dem Bildschirm kannte er nur zu gut. Es war Chester, sein Manager für die Jagdeinsätze.
»Hallo Erik, bist du schon fit für die heutige Jagd? Ich habe dich für den Start um 17 Uhr Greenwich-Zeit gemeldet. Schaffst du das? Es geht um eine Million Preisgeld.«
»Eine Million?« Erik pfiff durch die Zähne. »Wie kommt das? Wer ist mein Gegner?«
»Das ist es ja gerade. Du hast es mit insgesamt fünf Gegnern zu tun. Keine Profis sondern Verurteilte. Das sollte für dich kein Problem darstellen. Wenn du sie erledigst, können wir uns beide einen richtig langen Urlaub leisten.«
»Fünf Gegner sind aber auch eine Herausforderung«, schränkte Erik Chesters Euphorie ein. »Es könnte auch mich erwischen.«
»Erik, Erik, du bist der beste Gladiator, den die Welt hervorgebracht hat. Keine falsche Bescheidenheit. Allein die Einschaltquoten und die Anteile aus den Werbeeinnahmen sollten deine Söldnerseele höherschlagen lassen.«
»Du hast recht. Ich werde es machen. Es ist nicht meine Schuld, wenn ein paar Verurteilte draufgehen. Ich werde pünktlich am Startplatz sein.«
Stunden später saß Erik, bekleidet mit seinem silbernen Kampfanzug, in einem schwer bewaffneten Raumjet und wartete auf die Startfreigabe durch die Wettkampfleitung. Fünf weitere Maschinen des gleichen Typs standen in einiger Entfernung in ihren Startgerüsten. Das waren seine Gegner, und sie würden ihm das Leben schwer machen, wenn sie konnten. Er lächelte böse. Es würde ihnen nichts nutzen. Es waren Verurteilte, Kriminelle, gesellschaftlicher Unrat, um den es nicht schade war. Es war sein Job, doch er empfand stets eine gewisse Befriedigung dabei, diese Welt von einigen solcher Subjekte zu befreien. Es war ein genialer Zug der Regierung gewesen, den Strafvollzug in die Unterhaltungsprogramme der Vid-Branche zu integrieren. So erfüllten die kriminellen Elemente wenigstens noch einen guten Zweck, bevor er, oder einer seiner Kollegen, sie erledigte. Sicher trug dieses System auch für ihn immer ein gewisses Risiko, aber er war ein guter Pilot und Schütze. Auch wenn es diesmal gleich fünf Gegner waren, machte ihn diese Tatsache nicht sonderlich nervös, denn es handelte sich in der Regel um keine geübten Piloten. Meistens bekamen sie einen kurzen Flugkurs an einem Computer, wo sie lernten, wie man einen Jet steuerte und wie man die Bordwaffen abfeuerte. Für die Meisten war es zu spät, wenn sie entdeckten, dass ein Schnellkurs in Fliegerei keine jahrelange Erfahrung ersetzen konnte.
Routiniert prüfte er den Zustand der Systeme seiner Maschine. Noch liefen die Werbespots, doch bald wurden die Starts freigegeben. Der Start war immer interessant für ihn, zeigte er ihm doch, wie gut seine Gegner mit ihrem Kampfgerät zurechtkamen. Erik ließ seinen Gegnern gern einen Vorsprung. Sie meinten dann häufig, einen Vorteil zu haben und ahnten nicht, dass er schon aus der Art, wie sie in den Raum starteten, seine Schlüsse zog, und seine Strategie darauf abstimmte. Durch seine transparente Cockpitkanzel sah er die vielen Zuschauer, die sich auf den Tribünen eingefunden hatten, um den Start zu beobachten. Sie begannen plötzlich mit Fähnchen zu winken, also ging es los.
»Startfreigabe!«, plärrte es aus dem Funkgerät. »Möge der Beste gewinnen!«
Erik lachte humorlos auf, als er diesen stereotypen Satz hörte, den sie stets bei Spielbeginn verkündeten. Es sollte vermutlich darüber hinwegtäuschen, dass es sich im Grunde nur um eine, als Spiel verpackte, Hinrichtung handelte. Der Sieger bekam eine üppige Prämie, und er konnte das Geld gut brauchen, da sein ausschweifender Lebenswandel nicht leicht zu finanzieren war.
Aufmerksam verfolgte er die Starts seiner Kontrahenten und lächelte, als er die teils unbeholfenen Manöver sah, mit denen vier seiner fünf Gegner in den Himmel stiegen. Lediglich der Pilot des Jets mit der Nummer drei auf dem Leitwerk schien etwas davon zu verstehen. Vor ihm würde er sich in Acht nehmen müssen. Gut gelaunt vor sich hin pfeifend, startete er die Triebwerke und ließ seine Maschine abheben. Im Gegensatz zu den Anderen, wählte er einen flachen Steigkurs und entfernte sich damit weit von dem Sektor, an dem seine Feinde voraussichtlich bereits auf ihn lauerten. Aus den Augenwinkeln sah er die automatische Kameradrohne, die ihn während des gesamten Spiels begleiten würde. Die Öffentlichkeit hatte schließlich ein Recht darauf, die Kämpfe in hochauflösendem Video live mit ansehen zu können. Sein sanfter Anstieg ersparte ihm den heftigen Andruck des direkten, radialen Fluges in die Umlaufbahn. Er drosselte sein Triebwerk erst, als er sich schon weit über dem mutmaßlichen Orbit seiner Gegner befand. Zwar konnte er sich nicht sicher sein, aber jahrelange Erfahrung im Umgang mit Kriminellen ließen ihn ein Gespür dafür entwickeln, wie sie dachten. Fast immer stiegen sie direkt auf und wandten ihre Bordgeschütze gleich nach unten, im Glauben, dass er ihnen unmittelbar folgen würde.
Erik richtete sein Ortungssystem nach unten, auf einen niedrigeren Orbit, und fand auf Anhieb vier seiner Ziele.
»Dann wollen wir mal«, murmelte er und nahm die manuelle Steuerung in die Hand. Das Triebwerk dröhnte dumpf, und er wurde hart in die Konturpolster gedrückt. Ab jetzt war er der Jäger und verschmolz mit der Steuerung des Kampfjets. In einer automatischen Bewegung aktivierte er die Bordgeschütze und synchronisierte sie mit dem Ortungssystem. Die Geschwindigkeit wurde immer höher und die Gruppe seiner Ziele schien regelrecht auf ihn zuzustürzen. Die Zuschauer auf der Erde taten ihm fast leid. Sein Angriff wurde so schnell und präzise vorgetragen, dass nach wenigen Augenblicken bereits der erste gegnerische Jet zerstört war. Sein erster Schuss hatte ihn direkt in den Feststofftanks erwischt und er verging in einer grellen Gaswolke, als sich der Treibstoff spontan entzündete. Kleine Fragmente schlugen gegen die Zelle seiner Maschine, als er mit hoher Geschwindigkeit mitten durch die expandierende Glutwolke jagte. Wenige ungezielte Schüsse der verbliebenen Gegner verfehlten ihn weit.
Erik wusste, dass es auf schnelle Reaktionen ankam, und darauf, die Verwirrung seiner Gegner auszunutzen. Wenn er ihnen zu viel Zeit gab, sich von ihrem Schreck zu erholen, bestand die Gefahr, dass sie ihn als Gruppe verfolgten. Das wollte er unter allen Umständen vermeiden. Er wendete den Jet, indem er ihn antriebslos um seine Querachse rotieren ließ, und zündete das Triebwerk erneut. Rasend schnell kam die Maschine zur Ruhe und beschleunigte in Gegenrichtung. Drei Jets warteten in Angriffsstellung auf ihn, doch er vertraute darauf, dass es ihnen nicht möglich war, ihre Waffenleitsysteme bei seiner Beschleunigung so exakt zu fokussieren, dass sie ihm gefährlich werden könnten. Er selbst jedoch war ein geübter Schütze. Die Rechnung ging auf. Die gegnerischen Bordkanonen feuerten eine Salve nach der anderen in seine Richtung, doch sie verfehlten ihn alle. Es war Erik klar, dass er solche Spielchen nicht mit erfahrenen Gegnern machen konnte, die ein Gespür für den richtigen Vorhaltewinkel der Geschütze hatten. Er drückte die Feuertaste seines Steuerknüppels und zerstörte zwei weitere seiner Gegner im ersten Anlauf. Den verbliebenen Jet beschädigte er im Vorbeiflug durch einen winzigen Schwenk, wodurch er in den Plasmastrahl seines Triebwerks geriet. In der Heckkamera konnte er erkennen, dass auch diese Maschine explodierte, was ihn verblüffte, da er geglaubt hatte, ihr erst noch einen Todesstoß versetzen zu müssen. Vier Gegner waren vernichtet, es blieb somit nur noch einer übrig. Fieberhaft überlegte er, welche Nummern auf den Heckleitwerken der zerstörten Maschinen gestanden hatten. War der Jet mit der Nummer Drei dabei gewesen? Er wusste es nicht.
Erik studierte die Ortungsanzeigen. Er hatte keine Ahnung, wo er den verbliebenen fünften Flieger zu suchen hatte, war jedoch beinahe sicher, dass es sich um die Maschine mit der Nummer Drei handelte. Obwohl er es sich nicht gern eingestand, machte ihn die Tatsache nervös, dass er den letzten Kriminellen nicht entdecken konnte.
Ein schrilles Signal riss ihn aus seinen Gedanken. Ein Ortungsimpuls hatte seine Maschine getroffen. Erik drückte ruckartig den Beschleunigungshebel nach vorn, worauf sein Jet einen regelrechten Satz machte. Er musste unbedingt aus dem Ortungskegel heraus, denn es bedeutete, dass sein Feind ihn im Visier hatte. Mit willkürlichen Steuerbewegungen ließ er seinen eigenen Flieger trudeln, um ein schlechteres Ziel abzugeben. Einige Leuchtspuren, die an ihm vorbeizuckten, zeigten ihm, dass bereits auf ihn geschossen wurde.
Wild entschlossen ließ er den Jet um 180 Grad herumschwenken, und schoss willkürlich eine Reihe von Raketen ab, in der Hoffnung, dass wenigstens eine davon ihr Ziel erreichen würde. Zum ersten Mal sah er seinen Verfolger mit bloßen Augen und Erik musste anerkennen, dass er sein Handwerk verstand. Fast mühelos wich er seinen Raketen aus, die wirkungslos im All explodierten. Erst jetzt fiel ihm auf, dass an seinem eigenen Flieger das Leitwerk fehlte. Einer der gegnerischen Schüsse hatte also getroffen. Zum Glück war das Leitwerk im luftleeren Raum nicht von Bedeutung und für einen geübten Flieger war eine Landung auch ohne intaktes Leitwerk kein Problem. Trotzdem zeigte es ihm, dass es nicht leicht werden würde, aus diesem Kampf heil herauszukommen. Er zwang sich zur Ruhe und fixierte sein eigenes Zielsystem auf das feindliche Schiff. Mit seinen Projektilwaffen und Raketen kam er nicht weiter, wie er zuvor eindrucksvoll erleben musste. Der Hochenergielaser im Bug seines Jets war seine einzige Chance. Er benutzte diese Waffe nur ungern, da sie nur für einen einzigen Schuss taugte, bevor der Kristall blind und die Waffe somit unbrauchbar wurde. Die Kondensatoren des Lasers benötigten ein paar Sekunden, bis sie voll aufgeladen waren. Erik hoffte, dass sein Gegner nicht bereits auf denselben Einfall gekommen war und bereits vor ihm schussbereit war. Gegenseitig belauerten sie sich. Offenbar wusste auch der andere, dass weitere Raketensalven keinen Erfolg haben würden. Ein kurzer Ton deutete an, dass die Waffe bereit war. Er zielte genau auf eines der Steuertriebwerke seines Gegners und drückte den Auslöser. Lautlos und für das Auge unsichtbar fraß sich der hochgebündelte Lichtstrahl in sein Ziel. Eine kleine Explosion ließ die Reaktionskammer des Triebwerks platzen und brachte den gegnerischen Flieger in Rotation. Auf Eriks Gesicht stahl sich ein Lächeln. Wieder einmal hatte er es geschafft. Er musste diesem Kriminellen nur noch den Gnadenstoß versetzen. Langsam ließ er sich auf sein langsam rotierendes Ziel zutreiben. Jetzt konnte er den TV-Gesellschaften noch Gelegenheit zu einigen Großaufnahmen geben, bevor es zu Ende war. Aus den Augenwinkeln sah er bereits einige der Kameradrohnen, die den Kampf aufgenommen hatten, und sich nun dem Todgeweihten näherten.
Erik schrak zusammen, als sein Funkgerät sich lautstark meldete, und der kleine Monitor in seinem Steuerpult ansprang. Es war nicht üblich, Kämpfende vor dem Abschluss anzurufen.
»Sie müssen das nicht tun«, tönte es verzerrt aus dem kleinen Lautsprecher. Auf dem Monitor erschien ein Raumhelm mit dunklem Visier.
»Was soll das?«, fragte Erik unwirsch. »Sie wissen genau, worum es hier geht. Haben Sie etwa nicht versucht, mich zu töten?«
Die Stimme aus dem Funkgerät lachte humorlos auf. »Habe ich denn eine andere Wahl? Vier Ihrer Kontrahenten haben Sie einfach abgeschossen, dabei wissen Sie nicht einmal, was sie angestellt haben. Da stellt sich mir doch wohl keine Alternative, als mich gegen Sie zur Wehr zu setzen. Ich will aber nicht sterben. Nicht für einen kleinen Fehler. Ich habe doch niemanden umgebracht.«
»Das interessiert mich nicht! Sie sind ordnungsgemäß verurteilt worden und an das Spiel überstellt worden. Wenn ich meine Gegner nicht töte, bekomme ich mein Geld nicht. Also sollten wir es dabei belassen.«
Erik tastete nach dem Funkgerät, um es abzustellen, als der gegnerische Pilot sein Visier nach oben schob. Er kannte dieses Gesicht.
»Dionne?«, fragte er überrascht und öffnete ebenfalls sein Visier.
»Erik?« Dionne blickte ihn vollkommen verständnislos an. »Das ist die Arbeit, die du zu erledigen hattest? Menschen abschlachten?«
»Das sind starke Worte von einer verurteilten Kriminellen. So läuft nun mal das Spiel. Du hättest es dir überlegen sollen, bevor du gegen die Gesetze verstößt, mein Engel.«
Dionnes Gesicht bekam einen wütenden Ausdruck. »Jetzt hör doch auf mit diesem Scheiß! Ich habe nichts getan, wofür man jemanden zum Tode verurteilt, und das trifft für jedes deiner bisherigen Opfer zu. In einer anderen Zeit wärst du vor dem Gesetz ein Mörder gewesen, weißt du das?«
»Wir leben aber jetzt und heute, und das bedeutet, dass ich dich jetzt töten muss.«
»Mein Gott, wir haben die Nacht miteinander verbracht! Wir haben Spaß gehabt! Du kannst doch nicht wirklich meinen Tod wollen. So kalt kannst du doch nicht sein.«
»Darum geht es hier nicht.« Erik suchte das All nach Drohnen der TV-Gesellschaft ab. Wenn das hier ebenfalls übertragen wurde, durfte er sich keine Blöße geben.
»Ich habe meinen Auftrag. Es spielt keine Rolle, dass wir uns kennen. Wenn du leben willst, solltest du dich jetzt wehren.«
»Du bist ein verdammtes Arschloch ...!«, brüllte sie. »Dann musst du dich aber anstrengen! Ich bin noch nicht am Ende!«
Erik lachte leise. Drohungen im Angesicht des nahen Todes waren nicht selten. Er musste sich jedoch eingestehen, dass es zumindest ein eigenartiges Gefühl war, die Frau zu töten, mit der er die vergangene Nacht verbracht hatte. Er schüttelte den Gedanken ab und nahm seine Kontrollhebel in die Hand.
Er lenkte sein Zielradar auf Dionnes beschädigten Jet und feuerte mehrere Raketen ab. Ungerührt verfolgte er, wie sie sich dem Flieger näherten, als er entdeckte, dass Dionne nicht mehr auf dem Monitor zu sehen war. Offenbar hatte sie sich mit Hilfe des Notschalters aus dem Cockpit katapultiert.
Der letzte gegnerische Flieger explodierte unter den Einschlägen der Raketentreffer. Etwas ratlos blickte Erik auf die Szenerie der auseinandertreibenden Trümmerteile. Eigentlich hätte er jetzt triumphieren müssen - hatte er doch soeben eine Million verdient. Doch er wusste nicht, ob Dionne tot war. Ohne den Beweis ihres Todes gab es Probleme mit dem Preisgeld.
»Diese verdammte Hexe«, murmelte er und suchte die gesamte Gegend nach Anzeichen dafür ab, dass ein Raumanzug zwischen den überall verstreuten Trümmerteilen herumtrieb. »Wie soll ich dich hier finden?«
Antriebslos ließ er seinen Flieger mit geringer Geschwindigkeit durch die Wrackteile treiben und suchte nach Dionne. Er musste sie töten, sonst würde er leer ausgehen. Er sah bereits die Schlagzeilen in der Presse: Jäger blamiert sich beim Spiel.
Ein lautes Krachen im Lautsprecher kündigte an, dass es noch einen Sender in der Nähe geben musste.
»Du musst mich überhaupt nicht finden«, ertönte eine scharfe Stimme. »Ich werde dich finden.«
»Was?«, entfuhr es Erik. Noch immer konnte er nicht entdecken, wer da zu ihm gesprochen hatte.
»Ich sagte, dass ich dich finden werde. Oder sollte ich besser sagen, dass ich dich gefunden habe?«
Erik hörte ein hartes, metallisches Klacken, dann tauchte eine, in einen Raumanzug gehüllte Gestalt neben seinem Cockpit auf, die ihm zuwinkte.
»Ich wollte dieses Spiel nicht, aber du bestehst darauf. Also - mein Schatz - mache ich jetzt meinen letzten Zug. Es ist eine Magnethaftmine. Schach matt! Du hast verloren.«
Erik blickte entsetzt die Gestalt an, die sich mithilfe ihrer Anzugdüsen von seinem Jet entfernte und grüßend mit ihrer Hand an ihren Helm tippte. Er hatte keine Zeit mehr, etwas zu erwidern oder zu unternehmen, denn eine gewaltige Explosion zerfetzte sein Schiff und hinterließ lediglich eine Gaswolke und Tausende winziger Trümmerteile.

Dionne hatte Glück, nicht von Fragmenten der Explosion getroffen zu werden. Allmählich trieb sie immer weiter vom Ort des Kampfgeschehens fort. Sie hätte sich freuen sollen. Sie hatte überlebt. Irgendwann würde ein Schiff der Wettkampfleitung sie auflesen. Über Geld brauchte sie sich in der nächsten Zeit keine Gedanken machen, doch es war ihr im Moment gleichgültig. Überhaupt hatte sie den Eindruck, zu keinerlei Empfindungen fähig zu sein. Sie hatte eben einen Menschen getötet. Sie hatte das nicht gewollt, aber Erik hatte ihr keine Wahl gelassen. Niemals hätte sie geglaubt, zu einer solchen Tat überhaupt fähig zu sein. Allmählich wurde ihr die ganze Tragweite bewusst, und sie begann, am ganzen Körper zu zittern. War sie jetzt eine Mörderin? Würde sie jemals wieder der Mensch sein, der sie vorher gewesen war?
»Dionne Mayland?«, meldete sich ihr Helmempfänger. »Die Spielleitung gratuliert Ihnen zu zum Sieg. Ein Schiff ist unterwegs, um Sie aufzunehmen. Die Staatsanwaltschaft lässt Ihnen übermitteln, dass Ihre Strafe durch den Sieg abgegolten ist. Wir hätten allerdings noch eine Frage, die Sie sich durch den Kopf gehen lassen sollten: Wären Sie eventuell bereit, einen Vertrag mit uns einzugehen, und in Zukunft als Jäger zu arbeiten?«
Dionne glaubte, ihren Ohren nicht zu trauen. Ärgerlich schaltete sie ihren Funkempfänger ab. »Lasst mich ... lasst mich doch einfach nur alle in Ruhe ...!«
Gemächlich drehte sich Dionne um ihre Längsachse und bei jeder Umdrehung schien sich die Erde unter ihr zu drehen. Sie brachte sich mithilfe ihrer Lagedüsen in eine Position, in der sie die Erde ansehen konnte. Tränen lösten sich aus ihren Augen, flogen in ihrem Helm herum und blieben schließlich auf der Innenseite ihres Helmvisiers kleben. Nach und nach wurde sie ruhiger und ihre Atmung beruhigte sich. Sie war auf einmal unendlich müde. Wollte sie überhaupt auf diese Welt zurückkehren, in der Menschen ihre Mitmenschen wegen kleinster Vergehen umbrachten? Wie würde es sein, einfach die Augen zu schließen, und sich fallen zu lassen? Für einen kurzen Moment spielte sie mit dem Gedanken, ihren Flug mit den Lagedüsen abzubremsen und den stabilen Orbit zu verlassen, doch dann war dieser Moment vorbei. Was hatte man ihnen erzählt, würde man als Preisgeld bekommen? Eine ganze Million? Damit konnte sie sogar das Land verlassen und sich die Staatsangehörigkeit in einem der Länder kaufen, in denen das Leben des Einzelnen noch etwas Wert war. Sie hatte die Chance, es in eine Zukunft zu investieren, die noch einen Sinn hatte.
Ganz allmählich schlich sich ein Lächeln auf ihre Lippen und sie entspannte sich. Sie glitt in einen tiefen Erschöpfungsschlaf. Bis zu ihrer Rettung durch ein Shuttle der Spielleitung war ja noch so viel Zeit ...

Der lange Schlaf

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»Können Sie mich verstehen?«
Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Satz bereits in meinem Unterbewusstsein vernommen hatte, bevor ich allmählich begriff, was er bedeutete.
»Hallo, ich weiß, dass Sie wach sind. Es ist Zeit. Sie müssen nur noch Ihre Augen öffnen.«
Die Stimme begann lästig zu werden. Ich fühlte mich unsagbar müde und wollte mich in meinen gnädigen Schlummer zurückgleiten lassen. Dann war da schon wieder diese Stimme: »Sie können mich doch hören?«
Ich wollte erwidern, dass sie mich doch einfach in Ruhe lassen sollten, doch meine Zunge fühlte sich an, als würde sie nicht mir gehören. Sie wirkte wie ein Fremdkörper und wollte mir nicht gehorchen. Unwillkürlich blinzelte ich mit meinem linken Auge und Licht stach mir wie eine Nadel mitten durchs Hirn. Ein Stöhnen entrang sich meiner Brust.
»Ja, geben Sie sich Mühe. Sie haben es gleich geschafft. Öffnen Sie Ihre Augen.«
Gegen meinen Willen musste ich dieser Stimme lauschen, die mich nicht in Ruhe lassen wollte.
»Nurs Ina, dimm det Lite a littel.«
»Tu«, ertönte eine weibliche Stimme.
Was war das? Und was sollte das bedeuten? Vorsichtig versuchte ich erneut, meine Augen zu öffnen. Diesmal war es nicht so schmerzhaft. Man hatte die Helligkeit im Raum offenbar reduziert. Zum ersten Mal schlug ich die Augen vollständig auf. Ich lag offenbar in einem Bett. Die Zimmerdecke war weiß und leuchtete leicht. Mein Blick wanderte zur Seite. Ein bodentiefes Fenster spannte sich über die gesamte Seite einer Wand. Ich versuchte, etwas zu erkennen, begriff aber, dass ich einfach nur auf eine Wasserfläche blickte. Das Meer? Verdammt, wo befand ich mich?
Schwerfällig wandte ich meinen Kopf zur anderen Seite und erschrak, als ich zwei Personen entdeckte, die mich forschend betrachteten. Es war jedoch nicht die Tatsache allein, die mich erschrecken ließ, sondern die Erscheinung der Frau, deren Stimme ich gehört hatte. Ihre Haut war blau. Die andere Person war ein älterer Mann in einem einteiligen, weißen Anzug, der auf einem Stuhl neben meinem Bett saß. Er lächelte mich an. »Hallo Herr Laudenz. Sie haben es geschafft, und Sie glauben nicht, wie wir uns darüber freuen.«
Ich versuchte zu sprechen, doch meine ersten Versuche erstreckten sich in gestammelten Lauten.
»Lass di Tim«, sagte die blaue Frau und strich mir sanft über die Stirn.

Weiterlesen: Der lange Schlaf

Der Fremde in der Dämmerung

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Im Grunde mag ich Tiere. So natürlich auch Lorbass, unseren Schnauzer. Nach zwölf Jahren bei uns im Haus gehört er einfach zur Familie. Trotzdem gibt es Tage, an denen zieht es einen nach einem langen Tag einfach nicht mehr nach draußen. Aber erklärt das mal einem Hund, der sich wie toll gebärdet, wenn man sich dem Haken in der Diele nähert, an dem seine Leine hängt.
»Das kannst du ihm nicht antun«, hatte Karin gesagt. »Dann drehst du eben nur eine kleine Runde. Ich würd’s ja selbst machen, aber du weißt ja ...«
Ja, ich wusste, was sie meinte. Karin war schon seit einiger Zeit nicht fit und die Ärzte konnten sich einfach keinen Reim darauf machen. Immer wieder diese Schwächeanfälle und die Untersuchungsbefunde gaben nichts her. Ich bin mir zwar nicht sicher, aber es scheint eher schlimmer zu werden als besser. Ich machte mir große Sorgen um sie.
»Leg dich etwas hin und ruh dich aus«, sagte ich, als ich Lorbass an die Leine nahm, meine Jacke überstreifte und die Haustür aufschloss. »Ich laufe mit dem Hund ein Stück am Kanal entlang.«
Der Kanal war nicht weit von unserem Haus entfernt und Lorbass kannte den Weg genau. Trotzdem hielt er an jeder Ecke, jedem Busch und schnüffelte daran herum. Ich musste lächeln. Natürlich liest unsereins ja auch täglich die Zeitung. Für ihn musste es ähnlich sein.
Der Sommer war im Grunde vorbei, und die Tage wurden deutlich kürzer, aber es war ein relativ warmer Tag gewesen, und jetzt, wo die Sonne allmählich unterging, sah man die ersten schwachen Nebelschwaden über dem Wasser des Kanals aufsteigen. Karin fand, dass es eine unheimliche Atmosphäre heraufbeschwor, aber ich liebte das schon immer. Ich kann es nicht erklären, aber mich beruhigte es immer, diese Schwaden über das Wasser ziehen zu sehen. Um diese Zeit waren keine Frachtkähne mehr unterwegs. Die Wasseroberfläche lag spiegelglatt, und der Dunst darüber wirkte fast ein wenig lebendig. Sollte es noch kühler werden, könnte es der erste richtige Nebel in diesem Spätsommer werden.
Ich löste Lorbass von der Leine und ließ ihn laufen. Der Hund schnüffelte weiterhin an allem, was seine feine Nase fand, und von Zeit zu Zeit hob er sein Bein und markierte eine Stelle. Ich versank in Gedanken. Um Lorbass musste ich mich nicht kümmern. Er blieb meist in meiner Nähe, und solange uns niemand entgegenkam, brauchte ich ihn nicht an die Leine zu nehmen.
Wir waren etwa eine halbe Stunde unterwegs, als Lorbass plötzlich zu mir zurückkehrte, und an meiner Seite blieb. Das war höchst ungewöhnlich und geschah meist nur, wenn ihn etwas beunruhigte. Seine dunklen Knopfaugen blickten mich an, und wie schon so oft, wünschte ich, er könnte sprechen. So beugte ich mich zu ihm hinab und kraulte ihn hinter den Ohren, wo er es gern hatte. »Na, mein Alter? Was beunruhigt dich? Hast du was gerochen? Du brauchst dir keine Gedanken machen. Ich bin ja bei dir.«
Sonst lief er oft gleich wieder los, doch diesmal verharrte er an meiner Seite. Ich starrte in die beginnende Dämmerung hinein und fragte mich, was Lorbass wohl hatte.
Nach einiger Zeit erreichten wir die alte Holzbank, auf der ich meist eine Pause machte, bevor es wieder zurück nach Hause ging. Überrascht stellte ich fest, dass dort jemand saß. Ein Mann mit einem breitkrempigen Hut, gehüllt in einen langen Mantel - eigentlich etwas übertrieben für diese Jahreszeit. Erst wollte ich weitergehen, doch etwas hielt mich zurück.
»Hätten sie etwas dagegen, wenn ich mich einen Moment zu ihnen setze?«
Der Mann wandte sich mir langsam zu und sah mich zunächst schweigend an. Ich bemerkte, dass er alt sein musste, denn sein bis zu den Schultern hängendes Haar war fast weiß und sein Gesicht von vielen Falten gefurcht. Sein Blick hatte etwas Hartes, Unerbittliches - wirkte irgendwie unangenehm. Doch nun hatte ich ihn gefragt. Am liebsten wäre ich jetzt einfach weitergegangen, doch wollte ich nicht unhöflich erscheinen.
Er wies mit seiner knochigen Hand auf das andere Ende der Bank. Seine Stimme war rau und tief. »Bitte! Nehmen sie Platz. Mich stört es nicht.«
»Wenn sie lieber allein sein möchten ... Ich kann auch weitergehen.«
Er verzog einen Mundwinkel nach oben, was sein Gesicht maskenhaft erscheinen ließ. »Ich sagte, es stört mich nicht. Sie mögen mich nicht, was?«
Ich schüttelte den Kopf. »Nein, ich hatte nur den Eindruck, dass ...«
Er unterbrach mich mit einer wischenden Bewegung seiner Hand. »Reden Sie nicht, wenn sie es nicht so meinen. Sie mögen mich nicht.« Er deutete auf Lorbass, der mit eingeklemmtem Schwanz neben mir hockte. »Und Ihr kleiner Vierbeiner dort mag mich auch nicht.«
Sein Blick traf mich erneut. »Nun setzen Sie sich schon. Ich beiße nicht.«
Wie ferngesteuert, nahm ich Platz und sah ihn verstohlen an. Ich hatte das Gefühl, als müsste ich ein Gespräch anzetteln, obwohl ich nicht wusste, worüber ich mit dem Alten reden sollte.
»Sie sind nicht von hier, oder?«, fragte ich ihn.
Er schüttelte fast unmerklich den Kopf und lachte leise auf. »Nein, das bin ich gewiss nicht. Ganz im Gegenteil. Aber was erzähle ich? Das kann sie ja nicht interessieren.«
»Wieso? Wo sind sie denn zu Hause?«
»Zu Hause? Einer wie ich hat kein Zuhause. Mir muss es reichen, von Zeit zu Zeit innezuhalten und etwas auszuruhen zu können.«
»Sie haben kein Zuhause?«, fragte ich überrascht. »Niemanden, zu dem sie gehen könnten? Das tut mir leid für sie.«
Er wandte sich mir zu. Jedes Mal, wenn sein Blick mich traf, hatte ich den Eindruck, als würde es eine Spur kälter, aber das musste Einbildung sein. Der Nebel über dem Kanal war dichter geworden.
Er lächelte zum ersten Mal. »Das meinen sie sogar Ernst. Es tut ihnen wirklich leid. Das geschieht nicht oft. Aber machen sie sich keine Sorgen um mich. Ich bin schon sehr alt und habe Dinge gesehen, die sie nie gesehen haben, und die sie auch niemals sehen sollten. Ich bin mit allem fertig geworden. Doch es wird schwieriger.«
»Im Alter wird alles schwieriger. Aber sie scheinen zumindest noch gesund zu sein, oder irre ich mich?«
»Was wissen Sie schon über das Alter? Wie alt sind Sie? Ich könnte der Sache auf den Grund gehen, aber ich schätze, dass sie höchstens Mitte dreißig sind. Was wollen sie mir über das Alter erzählen, das ich nicht längst weiß? Sie haben ja keine Ahnung ...!«
Der heftige Ausbruch des Alten hatte mich erschreckt. Irgendwie hatte er mit seiner Bemerkung gleich zu Beginn recht. Es fiel schwer, ihn zu mögen. Andererseits: Vielleicht wurde man im Alter so, wenn man niemanden mehr hatte, und unter Umständen nicht mal einen festen Wohnsitz. Ich startete einen weiteren Versuch.
»Sie müssen mich nicht gleich so anfahren. Ich wollte nur höflich sein. Haben Sie wirklich niemanden? Keinen, zu dem Sie gehen könnten? Es gibt da doch sicherlich Möglichkeiten ...«
»Lassen sie es! Für mich gibt es das alles nicht. Es würde mich behindern. Es hat mit dem zu tun, was ich tue.«
»Mit dem, was Sie tun?«, fragte ich. »Sind Sie noch berufstätig?«
Wieder dieses verhaltene Lachen.  Glauben sie an das Schicksal, junger Mann?«
»Ja, irgendwie schon.«
»Sehen sie? Und mein Schicksal muss es sein, allein zu sein - Gesellschaft zu meiden. Obwohl ich gestehen muss, dass ich unsere Unterhaltung genieße.«
Das überraschte mich völlig. »Sie genießen es? Bisher waren sie dafür mehr als einsilbig und haben sich alle Mühe gegeben, mich wieder loszuwerden.«
Er schwieg einen Moment, als müsse er überlegen. »Vermutlich war es sogar so. Dabei wollte ich nicht abweisend wirken. Es ist ... nicht leicht für mich, normale Gespräche zu führen, die für Euch selbstverständlich sind. Ich bin es einfach nicht mehr gewöhnt. Wann immer ich zu jemandem komme, begegne ich nur Ablehnung und Angst. Das ist auch für mich nicht einfach.« Seine Stimme wurde zu einem Flüstern. »Ich hab es so satt.«
Sein Gesicht wandte sich mir wie in Zeitlupe zu.
Was ist mit ihnen? Sie haben ein Zuhause, nicht wahr? Ihren Vierbeiner kenne ich ja jetzt schon. Sie haben sicher auch eine Frau und ein gemütliches Heim. Hab ich recht?«
Ich nickte. »Ja, ich bin seit beinahe zwölf Jahren glücklich verheiratet.« Mir schoss durch den Kopf, dass Karin krank war und ich Angst hatte, dass es etwas Ernstes sein könnte, auch wenn die Ärzte bis jetzt nichts feststellen konnten. Der Alte musste meine Besorgnis bemerkt haben. Sein Blick wurde forschend und ich bekam eine Gänsehaut, die meinen gesamten Körper erfasste. »Wollen sie darüber reden?«
»Worüber sollte ich reden wollen?«
»Sie wissen, was ich meine.«
Ich schluckte. Woher wusste er es? Eigentlich wollte ich nicht darüber reden, doch der Blick des Fremden hatte etwas Zwingendes.
»Meine Frau ist leider seit einiger Zeit krank, wissen sie? Ich hab einfach Angst um sie, wenn Sie verstehen? Aber warum erzähle ich Ihnen das überhaupt - einem völlig Fremden?«
»Sie können mir alles erzählen. Bei mir sind solche Dinge sicher aufgehoben. Ich bin gewiss nicht schwatzhaft. Meine Tätigkeit lässt das nicht zu. Ich wusste schon gar nicht mehr, dass ich eine Stimme habe. Allein dafür, dass sie mich quasi gezwungen haben, mit ihnen zu sprechen, bin ich ihnen dankbar.«
Der Mann machte auf mich einen äußerst zwiespältigen Eindruck. Einerseits umgab ihn eine eigenartige Aura, bei der ich mich unwohl fühlte. Lorbass schien das ebenfalls zu spüren, denn ich hatte ihn noch nie so still und verschüchtert erlebt. Andererseits tat er mir auch irgendwie leid. Er war unbestritten schon sehr alt und hatte offenbar nicht einmal jemanden, mit dem er sich unterhalten konnte. Nur, was redete er dauernd von einer Tätigkeit? In seinem Alter sollte man seinen wohlverdienten Ruhestand genießen. Das machte mich neugierig.
»So, wie Sie das erzählen, scheinen Sie noch immer berufstätig zu sein. Sollten Sie sich in ihrem Alter nicht längst ruhig zurücklehnen und die letzten Jahre als Rentner genießen? Entschuldigen Sie, dass ich das so sage ...«
Der Mann lachte. Zum ersten Mal fiel etwas von dieser unangenehmen Aura von ihm ab. »Ich als Rentner. Das würde was werden. Aber Sie haben natürlich recht. Aus Ihrer Sicht müsste ich längst im Ruhestand sein, wie das bei Euch heißt. Leider ist mir das nicht vergönnt. Aber Sie wollten von ihrer Frau erzählen ...«
Ich schüttelte den Kopf. »Eigentlich wollte ich das nicht. Sie erzählen mir ja schließlich auch nichts Konkretes über sich, oder irre ich mich?«
Er lachte wieder. »Ertappt. Ich erzähle nie jemandem darüber, was ich tue. Aber ich mag Sie. Wenn Sie mir Ihre Geschichte erzählen, dürfen Sie mir einige Fragen stellen und ich verspreche, sie wahrheitsgemäß zu beantworten.«
Ich sah ihn forschend an. Meinte er das ernst? Er wirkte noch immer unheimlich, auch wenn inzwischen ein Gespräch in Gang gekommen war. Selbst, wenn er lachte, wirkte sein Gesicht wie eine Maske und seine Augen hatten einen undeutbaren, abwesenden Ausdruck. Ich weiß nicht, wieso, aber ich begann zu erzählen. Ich erzählte ihm davon, wie Karin und ich uns kennengelernt hatten, wie wir uns verliebt und schließlich geheiratet hatten. Kinder hatten wir uns gewünscht, doch es hatte einfach nicht geklappt. Wir hatten uns beide von Spezialisten untersuchen lassen und der Befund, dass Karin keine Kinder bekommen konnte, war ein heftiger Schlag für uns gewesen. Karin hatte es bis heute nicht verwunden. Ich hatte ihr Lorbass gekauft und gehofft, dass der Hund ihr zumindest ein geringer Ersatz sein könnte, dass sie wenigstens ihr schönes Lächeln wiederfinden würde.
Der Fremde hörte mir zu, ohne mich auch nur ein einziges Mal zu unterbrechen. Als ich dann erzählte, dass meine Frau krank geworden war und ich mir große Sorgen um sie mache, zog er eine Augenbraue hoch, als wäre er überrascht und müsse überlegen.
Als ich fertig war, sah ich ihn erwartungsvoll an.
»War es das?«, fragte er. »War das Ihre ganze Geschichte? Dann dürfen sie mich jetzt fragen, was sie auf dem Herzen haben. Ich kann allerdings nicht versprechen, dass Ihnen meine Antworten gefallen werden.«
Immer wieder diese Andeutungen ... Ich atmete tief durch. »Okay, dann hätte ich gern gewusst, was Ihr Beruf ist, oder womit Sie sich beschäftigen.«
Er wandte sich ab und blickte auf den inzwischen dunklen Kanal hinaus. Ich glaubte schon, er würde schweigen, doch dann sprach er mit seiner tiefen, rauen Stimme.
»Ich bin nicht das, als das ich erscheine. Ich bin weitaus älter als sie vielleicht annehmen. Trotzdem gibt es für mich keinen Ruhestand, wie ihr ihn kennt. Irgendwie beneide ich euch darum. Ich bin zuständig für die Seelen der Menschen.«
»Seelen? Sind Sie so etwas wie ein Priester?«
»Oh nein. Obwohl auch ein Priester sich mit den Seelen der Menschen beschäftigt, da haben Sie schon recht. Meine Aufgabe beginnt dort, wo das Leben der Menschen zu Ende ist. Ich passe auf die Seelen auf, damit ihnen nichts geschieht.«
Ich verstand nicht. Vielleicht weigerte ich mich auch, ihn zu verstehen. Auf jeden Fall spürte ich plötzlich wieder das Unheimliche, das ihn umgab.
»Haben Sie keine weiteren Fragen an mich?«, fragte er, als er mein Schweigen bemerkte. »Wissen Sie nun, mit wem Sie hier auf dieser Bank sitzen?«
Ich spürte einen dicken Kloß im Hals, der durch Schlucken einfach nicht weichen wollte. »Ich bin mir nicht sicher. Sie leisten Sterbehilfe?«
Er schüttelte den Kopf. »Ich stehe auf der anderen Seite. Meine Klienten sind bereits aus Eurer Welt geschieden. Es gibt viele Namen für mich, und nicht alle sind schmeichelhaft, dabei beschütze ich doch nur die Seelen der armen Verstorbenen, begleite Sie an ihr endgültiges Ziel.«
Mir wurde schwindelig. »Dann sind Sie ...?«
»Der Tod. Richtig.«
Eine Kälte kroch an meinem Rückgrat empor. Es war die pure Angst. Ich war gewiss nicht leichtgläubig, aber ich zweifelte nicht eine Sekunde daran, dass der Fremde jedes Wort genau so meinte, wie er es gesagt hatte.
»Aber es kann doch nicht sein, dass ich ... Ich meine, ich bin doch noch nicht so alt und ich bin auch nicht ...«
Er wischte meine Einwände mit einer Handbewegung weg. »Was erwarten Se? Dass ich ihnen jetzt sage, ich müsse ihre Seele mitnehmen? So läuft das nicht. Sie müssen keine Angst haben. Niemand muss sich vor mir fürchten. Ich töte doch niemanden. Ich kümmere mich nur um jene, deren Uhr abgelaufen ist. Und selbst das wird in eurer Welt immer schwieriger, weil Ihr so viele seid. Nein, nein, leben Sie erst mal Ihr Leben zu Ende. Wir werden uns noch früh genug wiedersehen.«
»Sie wissen, wann es geschehen wird?«, fragte ich flüsternd. Meine Kehle war staubtrocken.
Er lächelte wieder. »Natürlich. Aber das werde ich Ihnen nicht verraten. Das tue ich keinem Menschen an. Vor allem nicht jemandem, der so freundlich war, mir ein wenig seiner Zeit zu opfern, um sich mit mir zu unterhalten. Ich mag Sie wirklich, auch wenn wir keine Freunde werden können.«
Er griff in seinen Mantel und holte ein abgegriffenes Notizbuch hervor. Mit langsamen Bewegungen blätterte er darin und wandte sich mir wieder zu. »Weil Sie so freundlich zu mir waren, möchte ich Ihnen eines verraten. Wenn sie dereinst aus dem Leben scheiden, und wir uns wiedersehen, werden viele Menschen an ihrem Grab stehen, um sich zu verabschieden. Zwei davon werden ihre Kinder sein. Nehmen sie dieses Wissen mit und bewahren es gut. Sie müssen sich keine Sorgen um ihre Frau machen, aber es ehrt sie, dass sie es tun. Für mich wird es Zeit, meine Arbeit wieder aufzunehmen. Aber es hat gutgetan, diese kleine Pause zu genießen. Ich danke Ihnen.«
Eine Ente flog schnatternd am Kanalufer hoch und lenkte meine Aufmerksamkeit kurz ab. Lorbass sprang auf und bellte einmal ...
Das Nächste, an das ich mich erinnerte, war, dass Lorbass mir über das Gesicht leckte. Ich schlug die Augen auf und blickte in die Augen meines treuen Hundes. Mir war kalt und es war fast dunkel. Ich saß noch immer auf der Bank am Kanal und ich blickte zur Seite. Der Fremde war verschwunden.
Hatte ich das tatsächlich erlebt, oder war ich eingeschlafen und hab es nur geträumt? Ein Blick auf die Uhr zeigte mir, dass ich wenigstens eine Stunde hier gesessen haben musste. Ich war vollkommen verwirrt, konnte mich aber an alle Einzelheiten dieses eigenartigen Zusammentreffens erinnern. Das konnte doch nur ein Traum gewesen sein, oder? Ich war mir nicht sicher.
Mit steifen Gliedern erhob ich mich von der Bank und bewegte Arme und Beine, um wieder Leben hineinzubringen. Ich hatte Karin gesagt, ich würde nur eine kleine Runde mit dem Hund laufen. Nun war ich schon viel länger unterwegs. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich nicht gern lange von zu Hause fern war, wenn Karin sich nicht wohlfühlte. Ich nahm den Hund an die Leine und lief mit langen Schritten nach Hause. Ich war erst beruhigt, als ich das warme Licht sah, das aus den Fenstern unseres kleinen Häuschens schien. Im Innern sah ich Karin, die den Tisch für das Abendbrot deckte. Sie wirkte nicht mehr so abgespannt und erschöpft, wie noch zuvor. Mir wurde warm zumute, als ich sie so sah.
Als ich die Tür öffnete, sprang Lorbass gleich hinein und auf Karin zu, die ihn liebevoll begrüßte. Ich blieb einen Moment in der Tür stehen und betrachtete einfach nur diese Szene. Einen Moment war ich versucht, ihr von meinem merkwürdigen Erlebnis zu erzählen, doch als sie zu mir hochblickte, und ich nach langer Zeit endlich wieder dieses Lächeln in ihrem Gesicht entdeckte, verwarf ich den Gedanken.
Vielleicht hatte der Alte ja recht. Traum oder nicht, ich würde diese Episode für mich behalten. Für mich war jedoch klar, dass Karin wieder zu sich zurückfinden, und wir doch noch Kinder haben würden.
Irgendwie hatte der Tod seinen Schrecken für mich verloren.

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