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Kurzgeschichten

Auf der Flucht

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Nico starrte konzentriert in die Dunkelheit. Seit einer Stunde befanden sie sich nun bereits auf der Flucht. Seine Augen versuchten, die Schwärze zwischen den Bäumen des Waldes zu durchdringen. Müde ließ er seinen Kopf wieder hinter der Deckung verschwinden.

 „Konntest Du etwas sehen?“, fragte Elena flüsternd.
 Nico schüttelte den Kopf, bis ihm einfiel, dass sie seine Geste bei den schlechten Lichtverhältnissen nicht erkennen konnte.
 „Es ist einfach schon zu dunkel“, sagte er.
 „Ob sie vielleicht aufgegeben haben?“, fragte Elena hoffnungsvoll.
 „Aufgegeben?“, fragte Nico mit sarkastischem Unterton, „Du kennst doch Sergej. Der wird nicht eher ruhen, bis er uns gefunden hat.“
 „Ich kann nicht mehr“, jammerte Meike.
 

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Adler wollen fliegen

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„Ist die Ladung verstaut?“, fragte Pierre, den alle nur den „Träumer“ nannten. Niemand hätte vermutet, dass dieser – immer ein wenig abwesend wirkende- kleine Mann einer der wichtigsten Verbindungsleute zwischen den Drogenkartellen der amerikanischen Ostküste und den Opium-Liefernanten in Ostasien war. Nur die Wenigsten kannten die wahre Identität Pierres, der seine Dienste stets dem Meistbietenden anbot. Die Behörden in Europa und USA hatten schon häufig versucht, ihn zu erwischen, doch Pierre handelte nicht mit Drogen – er handelte vielmehr damit, die Verbindung zwischen Lieferanten und Kunden herzustellen.
„Es ist alles an Bord“, bestätigte Clark.
Pierre bezweifelte, dass Clark sein richtiger Name war, aber sein Kontakt hatte für ihn gebürgt, also ging das schon in Ordnung. Er hatte zum ersten Mal mit Clark zusammengearbeitet und seine sicherlich überzogene Forderung einer Anzahlung war anstandslos bezahlt worden.
Er blickte angestrengt über die Lichtung zum nahen Dschungel hinüber und wischte sich den Schweiß mit einem schmutzigen Tuch ab. Wie oft schon hatte er diese Reise gemacht und immer noch hasste er dieses Klima. Laos im Sommer war einfach die Hölle. Ein Blick auf die Uhr ließ ihn unruhig werden.
Ihre kleine Transportmaschine stand am Rande einer ausgedehnten Lichtung in der Nähe des Dorfes Houay Ped und hatte mit Sicherheit keine Berechtigung, hier zu stehen. Ganz im Gegenteil. Würden die laotischen Behörden ahnen, dass dieses Flugzeug hier stand, würde der Boden hier für sie ganz schnell sehr heiß werden.

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... denn, sie wissen nicht, was sie tun

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»Herein!«, rief er, als es an seiner Bürotür klopfte. Nervös trommelte er mit seinen Fingern auf seiner Schreibtischplatte, als sein alter Freund Trajan eintrat. Er blickte sich kurz um und kam dann auf ihn zu.
»Quentin, wie siehst du denn aus? So hab ich dich ja noch nie erlebt.«
Er hatte tiefe Ringe unter seinen Augen und man sah ihm an, dass er schon länger nicht mehr geschlafen hatte. Professor Quentin Habermost war eher für sein ausgeglichenes Wesen bekannt. Sein Besucher setzte sich ihm ungefragt gegenüber und sah ihn erwartungsvoll an. »Und?«
Quentin trommelte weiter auf der Tischplatte herum und nahm von seinem Besucher keine weitere Notiz.
»Quentin, so geht das nicht! Erst rufst du mich mitten in der Nacht an und bestellst mich hierher und jetzt sagst du mir nicht, was los ist. Elisabeth dachte schon, ich wäre völlig durchgedreht, als ich ihr sagte, ich müsse nach Genf fahren - mitten in der Nacht.«
Quentin hob ruckartig seinen Kopf. »Hast du ihr was gesagt?«
»Ja, was denn? Ich weiß doch selbst nicht, weshalb ich hier bin! Du weißt, dass ich dein Freund bin. Ich bin es immer gewesen. Aber ich hab es verdient, dass du mir reinen Wein einschenkst.«
»Hast du noch deine Cessna?«
»Bitte?«
»Hast du noch dieses kleine Flugzeug? Deine Cessna?«
Trajan schüttelte den Kopf. »Was soll das jetzt? Du willst doch nicht, dass ich mit dir jetzt einen Rundflug mache, oder?«
»Du hast sie also noch?«
»Ja, verdammt! Aber worum geht es hier eigentlich?«
Quentin schluckte und lehnte sich in seinem Sessel zurück. Das schwache Licht seiner Schreibtischlampe ließ ihn noch müder und erschöpfter aussehen als zuvor. »Trajan, habe ich dir jemals erzählt, woran ich eigentlich arbeite?«
Trajan wiegte seinen Kopf. »Nun ja, über deine Arbeit haben wir nie groß gesprochen. Du bist Professor an der Universität von Genf und gibst dort Vorlesungen in Nuklearphysik. Worauf willst du hinaus?«
»Mein Lehrstuhl ist die eine Sache, aber meine Hauptarbeit verrichte ich hier.« Er breitete seine Arme aus, als wollte er sein Büro und alles darum herum damit einschließen. »Hier in CERN. Hier findet die eigentliche Forschung statt.«
Trajan sah ihn spöttisch an. »Du meinst diese Spielereien mit den Teilchen, die ihr hier beschleunigt und kollidieren lasst? Das nennst du 'eigentliche' Forschung? Das ist doch nichts anderes als früher das Spielen mit den Dampfmaschinen, als wir noch Kinder waren. Es mag ja für euch interessant sein, die Lebensdauer von subatomaren Teilchen zu ermitteln und so'n Zeug, aber frag mal die Leute auf der Straße, ob sie das interessiert. Die haben genug damit zu tun, über die Runden zu kommen. Aber du hast mir noch immer nicht gesagt, warum ich eigentlich so dringend kommen musste. Ich mag dich, aber meine Nachtruhe ist mir auch heilig, weißt du?«
Quentin schlug mit der flachen Hand auf die Tischplatte, dass es knallte. Trajan zuckte erschreckt zusammen.
»Es geht um viel mehr, als nur um die Lebensdauer von subatomaren Teilchen! Meine Forschung hätte die Probleme all dieser Menschen da draußen deutlich verringern können.«
Trajan sah ihn interessiert an. »An was arbeitest du genau?«

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12 Uhr 34

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Der Wecker schrillte und riss mich aus dem Schlaf. Es dauerte einen Moment, bis ich so weit wach war, dass ich meine Umgebung bewusst wahrnahm. Die Sonne, die zum Fenster hereinschien, kitzelte meine Nase. Eigenartig, denn im Wetterbericht hatten sie eigentlich etwas vollkommen Anderes vorhergesagt.
Ich schwang meine Beine aus dem Bett und erhob mich, wobei ich meine Glieder streckte, um die letzten Reste von Müdigkeit und Trägheit daraus zu vertreiben. Es war wichtig, wach und fit zu sein – gerade heute. Mein Blick ging zur großen Wanduhr. Es war noch früh. Ich würde also noch eine Menge Zeit haben, zu frühstücken und mich fertig zu machen.
Mein erster Weg führte mich in die Küche, wo ich einen Kessel mit Wasser füllte und ihn auf den Herd stellte. Kochendes Wasser war wichtig. Zu einem guten Frühstück gehörte einfach eine schöne heiße Tasse schwarzen Tees. Sonst aß ich morgens häufig nur ein Müsli mit Milch, doch heute würde ich mir ein richtig kräftiges Frühstück bereiten und freute mich bereits auf ein kräftiges Brot mit Ei und diversen anderen Dingen, die der Kühlschrank hergeben würde.
Während der Wasserkessel auf dem Herd stand, ging ich ins Bad und klatschte mir ein paar Hände voll eiskalten Wassers ins Gesicht. Es war einfach herrlich, dieses Gefühl von kaltem Wasser auf der Haut zu spüren, nachdem man aufgestanden war.  Ich hatte erstaunlich gut geschlafen. Gestern hatte ich noch überlegt, ob ich eine halbe Schlaftablette nehmen sollte, doch dann hatte ich darauf verzichtet – und wie es aussah, war es ja auch nicht notwendig gewesen. Ich hatte geschlafen wie ein Murmeltier. Ich hatte nicht einmal davon geträumt, was ich heute tun würde. Ein letzter Blick in den Spiegel zeigte mir, dass ich gut aussah – jedenfalls nach meinem eigenen Geschmack. Wenn ich an die Reihe der Freundinnen dachte, die ich in den letzten Jahren gehabt hatte, dann schien es so zu sein, dass Frauen es wohl ebenso empfinden mussten. Ich hatte jedenfalls nie Probleme gehabt, Kontakt zum anderen Geschlecht zu finden. Ich musste schmunzeln, wurde jedoch schnell wieder ernst. Das war es nicht, worauf ich mich heute konzentrieren musste.

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Der lange Schlaf

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»Können Sie mich verstehen?«
Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Satz bereits in meinem Unterbewusstsein vernommen hatte, bevor ich allmählich begriff, was er bedeutete.
»Hallo, ich weiß, dass Sie wach sind. Es ist Zeit. Sie müssen nur noch Ihre Augen öffnen.«
Die Stimme begann lästig zu werden. Ich fühlte mich unsagbar müde und wollte mich in meinen gnädigen Schlummer zurückgleiten lassen. Dann war da schon wieder diese Stimme: »Sie können mich doch hören?«
Ich wollte erwidern, dass sie mich doch einfach in Ruhe lassen sollten, doch meine Zunge fühlte sich an, als würde sie nicht mir gehören. Sie wirkte wie ein Fremdkörper und wollte mir nicht gehorchen. Unwillkürlich blinzelte ich mit meinem linken Auge und Licht stach mir wie eine Nadel mitten durchs Hirn. Ein Stöhnen entrang sich meiner Brust.
»Ja, geben Sie sich Mühe. Sie haben es gleich geschafft. Öffnen Sie Ihre Augen.«
Gegen meinen Willen musste ich dieser Stimme lauschen, die mich nicht in Ruhe lassen wollte.
»Nurs Ina, dimm det Lite a littel.«
»Tu«, ertönte eine weibliche Stimme.
Was war das? Und was sollte das bedeuten? Vorsichtig versuchte ich erneut, meine Augen zu öffnen. Diesmal war es nicht so schmerzhaft. Man hatte die Helligkeit im Raum offenbar reduziert. Zum ersten Mal schlug ich die Augen vollständig auf. Ich lag offenbar in einem Bett. Die Zimmerdecke war weiß und leuchtete leicht. Mein Blick wanderte zur Seite. Ein bodentiefes Fenster spannte sich über die gesamte Seite einer Wand. Ich versuchte, etwas zu erkennen, begriff aber, dass ich einfach nur auf eine Wasserfläche blickte. Das Meer? Verdammt, wo befand ich mich?
Schwerfällig wandte ich meinen Kopf zur anderen Seite und erschrak, als ich zwei Personen entdeckte, die mich forschend betrachteten. Es war jedoch nicht die Tatsache allein, die mich erschrecken ließ, sondern die Erscheinung der Frau, deren Stimme ich gehört hatte. Ihre Haut war blau. Die andere Person war ein älterer Mann in einem einteiligen, weißen Anzug, der auf einem Stuhl neben meinem Bett saß. Er lächelte mich an. »Hallo Herr Laudenz. Sie haben es geschafft, und Sie glauben nicht, wie wir uns darüber freuen.«
Ich versuchte zu sprechen, doch meine ersten Versuche erstreckten sich in gestammelten Lauten.
»Lass di Tim«, sagte die blaue Frau und strich mir sanft über die Stirn.

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