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Kurzgeschichten

Unbedenklichkeitsbescheinigung

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doppelhelix

Meelena stand vor ihrem Badezimmerspiegel und bürstete sich ihre Haare. Gedankenverloren ließ sie ihre Bürste sinken und betrachtete ihre Erscheinung im Spiegel. Sie war mit ihren sechsundzwanzig Jahren noch immer sehr schlank und ihr Körper wirkte fest und straff. Langsam drehte sie sich, um sich im Profil zu betrachten. Sie war mit dem Ergebnis zufrieden. Nicht viele Frauen hatten dabei so volles, braunes Haar, welches ihr im Zusammenspiel mit ihren dunklen, braunen Augen einen weichen Ausdruck verlieh.

 Sie seufzte leise.
 „Was nutzt mir das alles“, flüsterte sie leise und eine Träne löste sich aus ihrem Augenwinkel.
 Sie wischte die Träne fort und verließ das Bad. Im Wohnzimmer saß Lennart, ihr Ehemann, an seinem Computer und arbeitete.
 Seit die meisten Firmen ihre Standorte aufgelöst hatten, arbeitete Lennart – wie fast jeder andere auch – zu Hause und war nur noch online mit dem Rechenzentrum seiner Firma verbunden.
 Lennart sah Meelena den Raum betreten und lächelte ihr zu. Noch immer spürte Meelena diese Schmetterlinge in ihrem Bauch, wenn er sie so anlächelte, obwohl sie nun bereits seit fast drei Jahren verheiratet waren. Im Grunde ihres Herzens war sie glücklich … wenn nicht …
 Sie setzte sich neben Lennart und blickte ihm über die Schulter. Wie von selbst, wanderte ihre Hand in seinen Nacken und begann ihn zu kraulen. Lennart brummte erst, doch dann wandte er sich ihr zu.
 „Was ist Schatz?“, fragte er besorgt, „Dein Blick ist so ernst.“
 Meelena sagte einen Moment lang nichts, dann rann wieder eine Träne über ihre Wange.
 „Schatz?“, fragte Lennart, „Was ist mit dir? Warum weinst du?“
 Sie schüttelte heftig ihren Kopf.
 „Lass' mich einfach“, sagte sie, „du musst dich auf deine Arbeit konzentrieren.“
 „Nein, die Arbeit läuft mir nicht weg“, sagte er, „erzähl' mir, was dich bedrückt. Bitte!“
 Meelena holte ein paar Mal tief Luft, dann presste sie es förmlich heraus:
 „Ich möchte ein Kind!“

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Sozialer Wohnungsbau

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HochhäuserEs war ein trüber Tag und genau so fühlte ich mich auch. Ich war noch nicht lange in der Stadt und mit meinem neuen Job kam ich auch noch nicht so zurecht, wie mein neuer Chef und auch ich selbst es erwarteten. Die ewigen Überstunden, welche die Folge davon waren, zerrten allmählich an meinen Nerven.
Doch jetzt wollte ich nicht mehr an die Arbeit denken. Endlich Feierabend. Die Straßenbahn war um diese Zeit nur mäßig gefüllt. Alles Menschen, wie ich, die auf dem Weg nach Hause waren und ihren eigenen Gedanken nachhingen.
Andererseits: Was sollte ich jetzt schon tun? Ich kannte ja im Grunde niemanden hier in dieser Stadt und immer nur abends durch die Kneipen zu ziehen, brachte auch nichts. In den Wochen, seit ich nun hier wohnte, hatte ich nur ein paar flüchtige Kontakte knüpfen können. Auch die bestehenden Cliquen innerhalb meines Büros waren keine große Hilfe. Bisher hatte man mir noch keine Angebote gemacht, mich ihnen anzuschließen, wenn sie in ihrer Freizeit etwas gemeinsam unternahmen. Erwartete ich zuviel? Ich wusste es nicht.
Mir war von Anfang an klar gewesen, dass ein Neuanfang nie leicht fallen würde, doch es ließ sich nicht leugnen, dass ich mich einsam fühlte. Es lief immer nach dem selben Schema ab: Aufstehen, arbeiten, Essen gehen, anschließend noch in einer Gaststätte ein Bierchen trinken – immer in der Hoffnung, Gesellschaft finden zu können. Letztlich landete ich sowieso wieder in meiner kleinen Wohnung in einem Hochhaus am Stadtrand, in dem niemand seinen eigenen Nachbarn kannte. Im Grunde war es eine ganze Hochhaussiedlung. Ich hätte auch lieber woanders gewohnt. Vielleicht später einmal, wenn ich etwas mehr verdienen würde.

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Reise ins Ungewisse

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Ein schrilles Signal ließ Sven hochfahren. Das Wecksignal machte ihm jeden Morgen zu schaffen. Gerade an diesem Morgen hätte er es am liebsten überhört, hätte sich die Decke wieder über den Kopf gezogen und die vor ihm liegende Aufgabe einfach ignoriert. Natürlich wusste er, dass es keinen Zweck hätte, und er damit niemals durchkommen würde.
»Licht«, rief er, doch die Deckenbeleuchtung seines Zimmers produzierte nur ein trübes Dämmerlicht - gerade genug, um sich zu orientieren. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, und wie es schien, hatte die dichte Wolkendecke vom Vortag nicht genügend Sonnenlicht durchgelassen, um die Kollektoren seines Wohnblocks aufzuladen.
Seufzend schaltete er seine eigene Akkulampe ein und stand auf. Heute war der Tag, der alles verändern würde. Für diesen Tag war er lange ausgebildet worden, und diesen Tag hatte er herbeigesehnt und gleichermaßen auch gefürchtet.
Mit schleppenden Schritten ging er ins Bad, wo er seine Akkulampe auf die Ablage des Rasierspiegels stellte. Er betrachtete den Mann im Spiegel.
Er war gut in Form, musste er zugeben. Ob ihm das helfen würde, wusste er zwar nicht, aber er hatte stets Wert gelegt auf eine gute körperliche Verfassung und Kondition. Die auf seinen Oberarm tätowierte Zahl 213 war ihm seit vielen Jahren geläufig und er beachtete sie nicht weiter. Sie war es, die ihn von den meisten Menschen unterschied, die noch in Australien lebten. Er war aus befruchteten Eizellen geklont worden, die aus ihm den 213. Sven gemacht hatten. Schon als Kind war ihm bewusst geworden, dass er auf eine ganz spezielle Aufgabe vorbereitet wurde. Anfangs hatte es ihm noch zu Schaffen gemacht, zu wissen, nur ein Klon zu sein, doch inzwischen war ihm das egal.
Er machte sich mit kaltem Wasser frisch und blickte wieder in den Spiegel.
»Willkommen im 24. Jahrhundert«, sagte er und schlüpfte in seinen Overall, den er voraussichtlich auch an Bord des Schiffes tragen würde, das er zu fliegen hatte.
Als er die Nasszelle verließ, war es draußen bereits heller geworden.
Der Kommunikator blinkte.
»Annehmen!«, rief Sven. »Hier Sven 213. Was gibt es?«
»John Harper, Raumüberwachung. Ich wollte Sie darauf hinweisen, dass die RENEGAT 4 startbereit ist. Ihre Passagiere sind bereits an Bord. Wir brauchen Sie so schnell wie möglich hier auf dem Raumhafen. Für den Swing-by brauchen wir einen sonnennahen Kurs. Das Schiff muss innerhalb der nächsten fünf Stunden starten, sonst müssen wir den Treibstoff neu berechnen. Schaffen Sie das?«
»Mein eCar ist nicht ausreichend aufgeladen. Gestern hatten wir fast keine Sonnenstunden, wie Sie wissen. Ich muss warten, bis die Helligkeit ausreicht, um die Live-Kollektoren ausreichend zu laden. Sobald ich kann, komme ich rüber zu Ihnen.«
»Nehmen Sie notfalls ein Miet-Car mit Brennstoffzellen. Die Kosten tragen wir.«
Sven ließ es unkommentiert und schaltete ab. Eigentlich hatte er noch frühstücken wollen, doch wenn der Raumhafen es so dringend machte, würde er stattdessen lieber dort etwas essen. Er blickte sich noch einmal in seinem Zimmer um. Seine wenigen privaten Dinge waren bereits vor einigen Tagen abgeholt worden. Trotzdem fiel es ihm schwer, jetzt wegzugehen. Ob er jemals wieder hierher zurückkehren würde, war mehr als ungewiss.
Entschlossen zog er die Tür hinter sich zu und ging, ohne abzuschließen.

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Schläfer

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Freddie Lomak machte seinen üblichen Spaziergang. Das Wetter meinte es ausgesprochen gut mit den Menschen und man sah überall nur freundliche Gesichter. Freddie kannte viele der Leute, die ihm begegneten, vom Ansehen, und grüßte daher stets, auch wenn er die Namen der Menschen nicht kannte. Der Lakeside Park war einfach toll und es machte Spaß, den Kindern dort beim Spielen oder den Seglern auf dem kleinen Lake Merrit zuzuschauen. Es gab kaum einen Tag, an dem Freddie nicht die Gelegenheit nutzte, auf dem Weg vom Büro nach Hause noch einen Abstecher hierher zu machen. Jane, seine Frau, wusste das und richtete sich mit dem Abendessen darauf ein.

 

In der Nähe des Oakland Lawn Bowling Clubs, bei dem um diese Zeit noch nicht viel los war, hielt er inne und sah sich in alle Richtungen um. Als er sicher war, dass ihm niemand zusah, fasste er mit seiner Hand in ein Lüftungsrohr am Gebäude des Clubs und tastete darin herum. Überrascht zog er einen kleinen braunen Umschlag hervor und steckte ihn schnell in seine Jackentasche. Dann entfernte er sich schnell vom Bowling Club und schlug die Richtung zu seiner Wohnung in der Perkins Street ein. Seine gute Laune, für die er bei allen bekannt war, war verflogen. Wie oft schon hatte er in den letzten Jahren diesen Griff in dieses Lüftungsrohr getan und nie war etwas darin gewesen. Warum jetzt?

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Reha 2.0

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Es gab Tage, da verfluchte ich den Job. Vor zwei Jahren, als es begann, war ich nicht scharf darauf. Hätte Martin, der Projektleiter, nicht permanent nachgehakt, mich zu überreden, wäre mein Leben heute unkomplizierter. Vor allem die unregelmäßigen Ruhephasen machten mich allmählich fertig. Manchmal schlief ich schon mal acht Stunden durch, doch heute war nicht so ein Tag.
Ich zuckte zusammen, als der Wecker des Mobiltelefons sein schrilles Piepsen hören ließ. Mit fahrigen Bewegungen tastete ich danach und schaltete den Alarm aus. Auf dem Display eine Nachricht von Martin: »Sei bitte pünktlich! Der Proband ist für den heutigen Durchgang vorbereitet. Olaf geht davon aus, dass wir ihn in spätestens einer Stunde synchronisiert haben. Du musst nahtlos für eine Sitzung zur Verfügung stehen.«
Ich warf das Telefon aufs Bett. Idiot! Als wüsste ich das nicht! Nicht eine Einzige hatte ich in den vergangenen zwei Jahren versäumt. Ich wünschte, ich hätte das mal getan. Vielleicht wäre ich dann heute noch dieselbe, die ich zu Beginn des Projekts war.
Ich blickte mich in dem spartanisch eingerichteten Raum um, in dem das Bett stand, dass ich während der tagübergreifenden Dienste benutzen durfte, in denen es nicht lohnte, nach Hause zu fahren. Ein fürchterlicher Raum. Keine Fenster und ständig das Säuseln der Klimaanlage. Das Institut ist eben keine Wellness-Oase.
Ich erhob mich und blickte in den Spiegel, der über dem winzigen Handwaschbecken hing. Meine Güte, wie ich aussah! Die Haare strähnig, Ringe unter den Augen. Liebend gern hätte ich jetzt geduscht, oder mir zumindest frische Kleidung angezogen, aber dazu blieb keine Zeit. Ich musste pünktlich sein. Kaltes Wasser ins Gesicht, ein paar Mal mit der Bürste durch die Haare und los.
Die Tür zum Gang ließ ich sorgfältig einrasten und verschloss sie mit meinem privaten Code.
Auf dem Weg zum Projektraum kam mir Daniela entgegen, die mit einem Stapel Speicherchips auf dem Weg zum Archiv war.
»Eliza!«, rief sie. »Du willst nicht schon wieder in eine Sitzung?«
»Von Wollen ist keine Rede. Martin hat mich herzitiert.«
Sie legte mir eine Hand auf den Arm. »Lass dich nicht verheizen. Was nutzt es, wenn das verrückte Projekt gelingt, und du psychisch vor die Hunde gehst?«
»So schlimm wird es schon nicht werden, Dany. Ich verstehe Martin. Ist man als Operator eingearbeitet, ist es im Grunde unmöglich, jemand anderes in demselben Projekt einzusetzen. Ich hoffe, dass es bald vorbei ist.«

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