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Die Akademie - Der Flug der JEAN SIBELIUS

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Eigentlich war der Roman "Die Akademie" bereits abgeschlossen. Doch dann dachte ich: "Warum nicht noch ein Kapitel hinzufügen, das nach der Zeit der Ausbildung spielt, wenn die Protagonisten bereits erfahrene Raumfahrer geworden sind?"
Von diesem Gedanken bis zu einer brauchbaren Idee war kein weiter Weg und so entstand das zusätzliche Kapitel "Der Flug der JEAN SIBELIUS". Wie man sich denken kann, geht auch in diesem Kapitel nicht alles glatt und es lauern Gefahren und Probleme ...
Wie sich die Protagonisten dabei verhalten und ihre Schwierigkeiten meistern, erfahrt ihr in dem folgenden, vollständigen Kapitel. Viel Spaß dabei!

 

Der Flug der JEAN SIBELIUS


Kommandantin Isabella Lückert saß an ihrer Pilotenkonsole und starrte gedankenverloren vor sich hin. Es wurde allmählich Zeit, wieder einmal nach Hause zu kommen. Die Mission hatte schon viel länger gedauert, als ursprünglich vorgesehen. Sie freute sich darauf, endlich Jan wiederzusehen. Sie hatte das Gefühl, als wenn sie ihren Ehemann viel seltener sah, seit sie vor drei Jahren geheiratet hatten. Als sie noch an der Akademie der UNO für Raumfahrt waren, hatte es sich noch ganz anders dargestellt. Die Akademie musste verheirateten Beschäftigten die Möglichkeit einräumen, gemeinsame Dienste zu machen, wenn es der Dienstplan zuließ. Leider konnten sie nicht für immer und ewig an der Akademie bleiben.
Bei ihrer Vorgeschichte hatten sie beide nicht wirklich ein Problem damit, eine Anstellung bei einer der ganz großen Gesellschaften zu finden. Sie entschieden sich für die ESA, da sie im Augenblick die interessantesten Projekte durchführte und so kam es, dass sie nun fast nie mehr gemeinsam Dienst taten, sondern fast nur noch auf getrennten Missionen waren. Isabella seufzte. Sie mussten sich etwas einfallen lassen, um mehr Zeit miteinander verbringen zu können. Es war nun bereits fast vier Wochen her, seit sie Jan zum letzten Mal gesehen und gespürt hatte. Gut, es gab natürlich die Funkverbindungen, aber die waren nur ein billiger Ersatz.
„Was ist mit dir?“, fragte Renata Leqlerque, die Navigatorin der JEAN SIBELIUS, dem Schiff, das Isabella befehligte.
Isabella sah von ihrer Konsole hoch und blickte zu Renata hinüber. Ihr Gesicht zeigte einen besorgten Ausdruck.
„Geht es dir nicht gut?“, fragte sie.

„Ach, ich weiß auch nicht“, sagte Isabella, „diese Mission geht mir langsam auf die Nerven. Sie dauert bereits zu lange. Die JEAN SIBELIUS ist zwar schnell, aber wir hatten ja auch nicht viel Glück draußen im Gürtel, nicht wahr?“
Renata nickte.
„Sie hätten uns sagen müssen, dass die Fundstellen der Speicherkristalle so dünn gesät sind. Aber das ist es doch nicht allein, oder?“
„Verrate es keinem, aber ich habe regelrechtes Heimweh, nach der Erde, nach Jan, meinen Eltern – ich weiß auch nicht. Mir geht es einfach nicht gut.“
„Du wirst doch nicht etwa krank werden?“, fragte Renata, „Wir haben noch ein gutes Stück bis zum Mond.“
„Ach was“, sagte Isabella, „es wird gleich schon wieder. Es ist in den letzten Tagen immer kurz nach dem Aufstehen. Danach geht es mir schon besser.“
Renata machte ein nachdenkliches Gesicht und wandte sich dann wieder ihren Instrumenten zu. Immer wieder sah sie zu Isabella hinüber. Es sah ihr gar nicht ähnlich, eine solche Stimmung zu verbreiten. Renata schätzte Isabella wegen ihrer kompetenten Schiffsführung und ihrer Fähigkeiten als Pilotin. Die JEAN SIBELIUS war das erste vollautomatische Prospektionsschiff der ESA mit Plasmatriebwerk. Es konnte den Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter in einer nie dagewesenen Zeit erreichen. Ihre Aufgabe war es gewesen, unter den Trümmern des Asteroidengürtels weit jenseits der Bahn des Mars nach Kristallballungen zu suchen, die man dringend für den immer größer werdenden Markt der Speicherkristalle benötigte. Noch war es nicht gelungen, künstlich Kristalle zu erzeugen, die eine vergleichbare Leistung brachten, wie die im Asteroidengürtel gefundenen Kristalle. Die Navigation zwischen all den Trümmern im Gürtel war eine echte Herausforderung an den Piloten, selbst wenn Computer und Radar ihn dabei unterstützten. Isabella hatte diese Aufgabe mit Bravour gemeistert. Immer wieder hatte sie das Schiff bis auf wenige Meter an die wertvollen Kristallballungen heran gesteuert, damit die vollautomatischen Abbaugeräte das Material, das sicher ein Vielfaches an Gold Wert war, bergen konnten. In all der Zeit war es Isabella gewesen, die stets durch ihre gute Laune die ganze Mannschaft mitgerissen hatte. Nun waren sie endlich auf dem Rückweg und Isabella ging es nicht gut. Renata hoffte, dass es nichts Ernstes war. Wieder blickte sie hinüber und sah, dass Isabella ungewöhnlich blass aussah.
„Wenn es dir so dreckig geht, lege dich doch noch Etwas in die Koje“, schlug sie vor, „zur Zeit ist ja doch noch nichts los.“
„Es geht schon“, entgegnete Isabella, „wo kommen wir den hin, wenn die Kommandantin wegen einer kleinen Unpässlichkeit die Zentrale verlässt?“
Sie versuchte dabei zu lächeln, doch sie sah aus, als wenn sie jeden Moment ihr Frühstück von sich geben wollte.
„Isabella“, sagte Renata, „ich würde vorschlagen, du gehst direkt zu unserem Doc und lässt dich durchchecken. Ich mache mir Sorgen.“
„Das ist doch Blödsinn. Mir fehlt nichts.“
Isabella sah, dass Renata nicht überzeugt war. „Ok, ok, ich gehe zu Eduardo.“
Sie erhob sich von ihrem Sessel und verließ die Zentrale. Renata sah ihr nach und ihr Blick traf den von Danladi Swaso, ihrem nigerianischen Techniker, der die ganze Zeit über nichts gesagt hatte.
„Es wird schon nichts sein“, sagte Danladi zuversichtlich.
„Woher willst du das wissen, Dr. Swaso?“, fragte Renata spöttisch.
„Wir werden ja sehen“, sagte Danladi, „wie wäre es mit einer kleinen Wette?“
„Wette?“, ereiferte sich Renata, „Spinnst du? Oder weißt du mehr, als ich?“
Danladi lachte mit seiner tiefen, rauchigen Stimme. „Liegt die Antwort nicht auf der Hand?“
„Worauf willst du hinaus?“
„Muss dir erst ein Mann sagen, woran man erkennt, ob eine Frau schwanger ist?“
„Das glaube ich nicht“, meinte Renata zweifelnd, „wodurch soll Isabella denn schwanger geworden sein?“
Danladi lachte schallend und zeigte sein weißes Gebiss. „Willst du wirklich, dass ich dir erkläre, wie so etwas funktioniert?“, fragte er unter Lachen.
„Du weißt genau, was ich meine!“, rief Renata verärgert.
Danladi wurde wieder ernst.
„Renata, ich weiß, wovon ich rede“, sagte er, „ich habe selbst zwei Kinder und in beiden Fällen hatte meine Frau diese Probleme innerhalb der ersten drei Monate auch. Unser letzter Urlaub, bei dem Isabella ihren Mann getroffen hat, liegt etwa acht Wochen zurück. Für mich ist der Fall klar.“
Renata biss sich nachdenklich auf die Lippen. Ihr gefiel dieser Gedanke nicht. Isabella war als Kommandantin sehr angenehm. Zum ersten Mal war sie in einer Crew, die als Team geführt wurde und nicht mit der sonst üblichen Borddisziplin.
Nach einiger Zeit kam Isabella wieder zurück und setzte sich wieder auf ihren Sessel. Die Anderen sahen sie an und warteten, dass Isabella etwas sagen würde, doch sie schien kein Verlangen zu haben, sich mitzuteilen.
Renata hielt es nicht mehr aus und fragte:
„Was hat Eduardo gesagt?“
Isabella drehte sich in ihrem Sessel zu ihr um.
„Ihr werdet es nicht glauben – ich bin schwanger.“
„Ha!“, rief Danladi und klatschte laut in seine Hände, „Habe ich es nicht gesagt? Ich wusste es!“
Isabella sah Danladi verständnislos an.
„Was soll das bedeuten: Ich wusste es? Ich habe es doch eben selbst erst erfahren.“
„Du scheinst dich gar nicht darüber zu freuen“, sagte Renata, der Isabellas ernstes Gesicht auffiel.
„Ich weiß nicht“, sagte Isabella, „irgendwie freue ich mich schon, aber ich weiß nicht, ob ich schon bereit bin, für ein Kind. Ich habe für dieses Kommando hart gearbeitet und jetzt ... ich muss mich erst an den Gedanken gewöhnen.“
„Ach, wenn du erst einmal den kleinen Racker im Arm hältst ...“, sagte Danladi, verstummte aber dann wieder.
Isabella starrte auf ihre Kontrollen. Was sollte sie im Augenblick mit einem Baby? Sie stand noch am Beginn ihrer Karriere. Sollte sie jetzt schon wieder vorbei sein? Sie seufzte. Was würde Jan dazu sagen, wenn er davon erfuhr? Es war noch viel Zeit, bis sie ihn wieder sehen würde.


 

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