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45 Mayday - Reparaturen

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10. Mayday

10.1 Reparaturen


Die Triebwerke liefen endlich wieder. Obwohl sie sich noch immer in Gefahr befanden, von einem Meteoriten getroffen zu werden, vermittelte ihnen das Dröhnen des Haupttriebwerks ein gutes Gefühl.
Zunächst hatte der Zustand der Buran Kopfzerbrechen bereitet. Die Personenschleuse stand zu einem kleinen Teil offen und konnte weder geschlossen noch weiter geöffnet werden. Ein Leck an der Dichtung der Lastenschleuse sorgte dafür, dass die komfortablen Mannschaftsquartiere nicht mehr genutzt werden konnten. Die Richtfunkantenne für den Kontakt zum Mond oder der Erde war beschädigt und verhinderte zurzeit jegliche Kommunikation. Die Bodenanker an den Landebeinen ließen sich nicht hydraulisch heben, sodass die Beine komplett abgesprengt werden mussten, da niemand bereit war, das Problem manuell von außen zu beheben. Einer der Treibstofftanks schien auch ein Leck zu haben, denn die Füllstandsanzeige zeigte einen unerklärlichen Fehlbestand. Noch war die Situation nicht all zu ernst, da die Buran beim Start vom Mond großzügig ausgestattet worden war. Im Augenblick stand lediglich fest, dass die Atemluft knapp werden konnte, wenn der Rückweg länger als erwartet dauern würde. Pelle entschied, ihre verbrauchte Luft so oft, wie es eben vertretbar war, durch die Filter laufen zu lassen, um sie von CO2 zu befreien.
Isabella hatte die vorbereiteten Programme von ihrer Konsole in den Navigationsrechner geladen. Jan war froh, sie an der Konsole zu wissen, da nur sie in der Lage war, die kyrillischen Zeichen der russischen Software flüssig zu lesen.
Jan überließ die Buran dem Computer und kontrollierte nur von Zeit zu Zeit, ob die Umsetzung korrekt war. Bei dem allgemein schlechten Zustand des Schiffes wollte er sofort eingreifen können, wenn die Programmsteuerung versagte. Bisher war das zum Glück nicht der Fall gewesen. Die Computer schienen noch nicht gestört zu sein.
»So, wir sind auf dem Heimweg«, sagte er, nachdem er sicher war, dass alles in Ordnung war. »Jetzt müssen wir nur noch versuchen, den Funk wieder in Gang setzen. Wie sieht es aus, Pelle? Können wir die Antenne reparieren?«
»Es sollte möglich sein. Aber dazu muss ich nach draußen, und ich brauch eine Menge Zeit sowie eine komplett neue Antenne. Letzteres ist kein Problem. Es liegt noch eine im Laderaum. Aber draußen fliegt noch viel kleines Zeug herum. Ich will nicht feige sein, aber ich hab keine Lust, einen direkten Treffer abzubekommen.«
»Wir könnten das Risiko verringern, indem wir die Buran drehen«, schlug Isabella vor.
»Auf dem Asteroiden waren wir dem Bombardement hilflos ausgesetzt, doch hier draußen können wir das Schiff so drehen, dass der Rumpf komplett zwischen dem Meteoritenfeld und dir liegt.«
Pelle dachte nach. »Das könnte klappen. Ich werd mir gleich einen Raumanzug anziehen und mich im Laderaum umsehen. Wenn die Ersatzantenne nichts abbekommen hat, mach ich mich gleich an die Arbeit. Schaltet aber den Antrieb ab und dreht den Vogel schon mal, damit ich arbeiten kann.«
Jan war zwar nicht begeistert davon, das Triebwerk schon wieder auszuschalten, doch er sah ein, dass man nicht bei laufendem Antrieb an der Außenseite der Fähre arbeiten konnte. Also schaltete er den Hauptantrieb ab und ließ die Buran um ihre Längsachse rollen, bis die Oberseite der Fähre zur, den Meteoriten abgewandten Seite zeigte. Es kostete etwas Feinarbeit, die Rotation exakt anzuhalten, doch nach kurzer Zeit hatte er es geschafft.
»Du kannst an die Arbeit gehen«, sagte er zu Pelle. »Ich wünsch dir Glück.«
Pelle machte das Victory-Zeichen und ließ sich zum Raum treiben, in dem die Anzüge gelagert waren. Gina half ihm, den Raumanzug anzulegen und prüfte, ob alles in Ordnung war.
Bevor er seinen Helm aufsetzte, fasste Gina ihn im Nacken uns zog ihn zu sich heran. »Versprich mir, dass du vorsichtig bist.« Aus ihren dunklen Augen sprachen Sorge und Angst. »Spiel bitte nicht den Helden.«
Er küsste sie sanft auf die Lippen und lächelte sie an. »Mach ich ganz sicher nicht, Schatz. Ich hab noch einiges vor, und du spielst dabei eine große Rolle.«
Sie sah ihn fragend an, doch er lächelte nur.
»Nun sag schon. Was meinst du damit?«
Er küsste sie noch einmal. »Ich erklär es dir, wenn ich zurück bin. Drück mir die Daumen.« Er setzte den Helm auf und verriegelte ihn durch eine leichte Drehung am Dichtungsring.
Danach begab er sich in Stancus altes Gefängnis, das inzwischen von allen nur noch Personenschleuse betrachtet wurde. Gina verschloss das Innenschott und Pelle ließ die Luft nach draußen entweichen, indem er das Außenschott behutsam öffnete.
»Jetzt ist es hier im Laderaum auch noch dunkel«, sagte er über Helmfunk. »Habt ihr den Strom hinten abgestellt?«
»Eigentlich nicht«, meinte Jan. »Vermutlich hat dieser Meteorit mehr beschädigt, als wir zunächst angenommen haben. Hoffentlich ist nichts Lebenswichtiges beschädigt.«
»Ich werd drauf achten«, sagte Pelle. »Ich schalte jetzt meine Helmlampe ein und such nach der Ersatzantenne.«
In der Zentrale wurden sie nervös, als Pelle sich wieder meldete.
»Ich hab jetzt das Sicherungsseil im Laderaum und an meinem Anzug befestigt. Wir haben Glück gehabt. Die Ersatzantenne hat nichts abbekommen, aber einige andere Geräte sind vollkommen demoliert. Das Werkzeug musste ich mir zusammensuchen, aber jetzt ist alles komplett. Ihr könnt die Ladeluke öffnen. Macht sie aber nur so weit auf, dass ich hindurchschlüpfen kann. Ich geb Bescheid, sobald ich draußen bin.«
»Ok!«, bestätigte Isabella und aktivierte den Schleusenmechanismus.
Nach kurzer Zeit meldete sich Pelle wieder. »Ich bin jetzt draußen. Haltet das Tor an. Ich beginne jetzt mit der Arbeit.«
Pelle hangelte sich an einigen Griffen entlang, die auf der Außenhaut der Fähre angebracht waren. Er wusste zwar, wo die Antenne zu finden war, die er austauschen wollte, doch fiel ihm die Orientierung aus dieser Perspektive schwer. Fast hätte er den korrekten Standort verfehlt, weil der Spiegel der Antenne komplett abgerissen war. Nur durch einen Zufall blickte er im richtigen Moment in die richtige Richtung und entdeckte den Stumpf der Vorrichtung.
»Was für eine Scheiße!«, entfuhr es ihm, als er den Schaden begutachtete. »Ich muss die komplette Halterung ausbauen und ersetzen. Bei dem Treffer wurde der Spiegel abgerissen und die obere Halterung verbogen. Ich kann daran nichts mehr anschließen. Glücklicherweise ist der Sockel noch in Ordnung, sodass ich die Halterung wechseln kann.«
»Mach, was nötig ist«, sagte Jan. »Aber sieh zu, dass es nicht so lange dauert. Ich würde mich besser fühlen, wenn ich dich sicher im Laderaum wüsste.«
Aus dem Lautsprecher drang ein leises Lachen. »Glaub mir, ich bleib keine Sekunde länger hier draußen als unbedingt notwendig.«
Pelle konzentrierte sich auf die Aufgabe, die vor ihm lag. Vorsichtig setzte er den schweren Spezialschlüssel an den Verschraubungen des Antennensockels an. Erleichtert stellte er fest, dass sich die Verbindungen durch den Schlag nicht verzogen hatten. Die Schrauben ließen sich ohne Problem lösen. Sorgfältig verstaute er die Muttern der Halterung in einer Tasche seines Raumanzuges, da er sie noch brauchen würde, um die Ersatzhalterung zu befestigen. Den zerstörten Sockel ließ er davontreiben. Als er dem Metallteil hinterherblickte, wie es sich ständig drehend von ihm entfernte, blitzte für einen Moment ein Licht auf, als sich die Beleuchtung der Zentrale in dem polierten Metall spiegelte. Pelle stutzte. Für einen Moment hatte er den Eindruck gehabt, er hätte kristallisierendes Gas gesehen, das den Reflex der Halterung diffus erscheinen ließ. Das konnte im Grunde nicht sein. Er beschloss, erst seine Arbeit zu beenden und anschließend nach dem Rechten zu sehen.
Der Austausch der Antenne war reine Routine. Nach Anbringen der Ersatzhalterung war die Montage des neuen Spiegels kein Problem mehr. Auch der Empfangs- und Sendekopf, der im Brennpunkt des Spiegels montiert werden musste, hatte fest vorgegebene, einrastende Punkte, die ihn sofort fixierten. Pelle schloss die Arbeit ab, indem er die Anschlüsse für die Ausrichtung und Sendung anschloss.
»Jetzt müsste es funktionieren«, meldete er, worauf Gina sogleich einen Testlauf machte.
»Ok, die Anlage ist online«, sagte sie. »Wir müssen nur noch den Mond oder die Erde wiederfinden, dann können wir uns mit ihnen unterhalten.«
Pelle verstaute seine Ausrüstung und wollte schon in die Ladebucht klettern, als ihm die Unregelmäßigkeit in der Nähe der Zentrale einfiel. Er hangelte sich von Haltegriff zu Haltegriff und bewegte sich auf die Stelle zu, wo er die kleinen Kristalle gesehen zu haben glaubte.
Als er dort ankam, wusste er, dass er sich nicht getäuscht hatte. Aus einem winzigen Loch in der Außenhaut der Buran, entwich etwas.
»Wir verlieren irgendein Gas«, meldete er über Helmfunk.
»Was verlieren wir?«, fragte Jan. »Doch hoffentlich keine Atemluft.«
»Das kann ich nicht sagen. Es tritt als Gas aus und kristallisiert sofort. Es kommt aus einem Loch in der Hülle, etwa vier Meter hinter dem rechten Cockpitfenster.«
»Treibstoff!«, entfuhr es Jan. »Der einzige Behälter, der dort zu finden ist, ist einer der Treibstofftanks. Vermutlich ist es die Leitung, denn wenn es der Tank selbst wäre, hätte es uns sicherlich bereits zerrissen. Können wir es abdichten?«
»Keine Chance«, sagte Pelle. »Wir sollten versuchen, so schnell wie möglich das Haupttriebwerk zu zünden. Ich denke, es ist besser, wenn der Treibstoff in der Reaktionskammer verbrennt, als ungenutzt zu entweichen. Ich komm jetzt wieder rein.«

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