Get Adobe Flash player

Bisher veröffentlicht

46 Mayday - GAU

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

10. Mayday

10.2 GAU


Als Pelle im Schiff war und die Ladeluken wieder fest verschlossen waren, ließ Jan die Buran beschleunigen.
»Es ist ernster, als ich dachte«, erklärte er den Anderen. »Die Anzeigen über den Füllstand des Treibstoffs reagieren etwas träge. Vorhin sah es noch gut aus, aber jetzt haben wir auch die Bestätigung für Pelles Beobachtung. Der Steuerbordtank verliert ständig Treibstoff. Ich hab zwar die Zufuhr vom Backbordtank abgestellt, um zunächst den Rest im defekten Tank komplett auszunutzen, doch wird es nicht reichen, die Buran rechtzeitig abzubremsen, bevor wir den Mond erreichen.«
»Was willst du uns damit sagen?«, fragte Gina.
»Ganz einfach: Wir brauchen eine ganz konkrete Geschwindigkeit, um den Mond erreichen zu können.«
Jan winkte ab. »Wem erzähl ich das eigentlich? Ihr wisst das doch genauso gut wie ich.  Die Geschwindigkeit können wir aufbauen. Was wir nicht können, ist, ausreichend abzubremsen, wenn wir in die Mondumlaufbahn einschwenken müssen.«
»Was bedeutet das? Fliegen wir etwa am Mond vorbei?«
»Schlimmer!«, sagte Isabella. »Wir haben die Wahl, den Mond zu treffen, oder uns von ihm wegschleudern zu lassen. Die Anziehungskraft des Mondes wird nicht reichen, uns festzuhalten, aber sie reicht aus, uns noch weiter zu beschleunigen. Dann wäre es für andere Schiffe schwierig, uns einzuholen, bevor unsere Luft verbraucht ist.«
»Wir könnten versuchen, nicht den Mond, sondern die Erde anzusteuern«, schlug Eva vor. »Von unserem augenblicklichen Standort aus ist die Winkeldifferenz zwischen beiden Himmelskörpern nicht sonderlich groß, und die Erde hat entschieden mehr Anziehungskraft als der Mond.«
»Isabella, lass es mal durch den Computer laufen«, sagte Jan. »Vielleicht kann es ja klappen.«
Sie waren gespannt und warteten schweigend, bis Isabella das Ergebnis verkündete. Jeder war mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt. Schließlich lehnte sich Isabella zurück. »Fehlanzeige! Die Erde macht es sogar noch schlimmer. Wir würden auch die Erde verlassen – und zwar noch schneller, als uns der Mond jemals machen könnte.«
»Und nun?«, fragte Gina.
»Wir brauchen unbedingt eine Verbindung zur Zentrale auf dem Mond«, sagte Isabella. »Sicher haben sie dort eine Idee.«
»Ich würde mich nicht darauf verlassen«, gab Eva zu bedenken. »Trotzdem geb ich dir recht, dass wir unbedingt Kontakt brauchen.«
Gina begann, die Antenne auszurichten, was eine mühsame Angelegenheit war, wenn man die Verbindung einmal vollständig verloren hatte. Zwar wusste man ungefähr, in welcher Richtung man den Mond zu suchen hatte, doch musste man ihn exakt im Visier haben, um eine stabile Verbindung zu erhalten. So dauerte es auch länger als eine Stunde, bis Gina ein Trägersignal orten konnte, bei dem es sich um das Positionssignal der Mondstation handelte.
»Ok, eingeloggt«, sagte sie. »Ab jetzt wird der Computer die Antenne nachführen und wird das Ziel nicht mehr verlieren.«
»Gut«, meinte Jan. »Dann lass mich mal ans Mikrofon, damit ich denen unseren Status mitteilen kann.«
Gina räumte bereitwillig ihren Platz, denn es drängte sie nicht danach, dem Mond Katastrophenmeldungen jeglicher Art zu übermitteln. Jan griff das Mikrofon und meldete sich. Es war ihm klar, dass es eine Weile dauern würde, bevor sie eine Antwort bekommen würden, also redete er einfach weiter und beschrieb die Geschehnisse auf dem Asteroiden 2006UB und ihre gegenwärtige Situation. Er ließ nichts aus, auch nicht die prekäre Lage in Bezug auf Treibstoff und Atemluft.
»Also haben wir zwar genügend Treibstoff, um die erforderliche Geschwindigkeit aufzubauen, doch zum Abbremsen wird es nicht mehr reichen«, schloss er seinen Bericht.
Sie dachten schon, die Verbindung wäre wieder abgebrochen, als endlich eine Antwort eintraf.
»Hier spricht Irina Onotova«, drang es aus dem Lautsprecher. »Zunächst mal freuen wir uns, dass wir überhaupt wieder Kontakt haben. Wir hatten bereits befürchtet, die Buran wäre verloren. Allerdings beurteilen wir die Situation, wie sie geschildert wurde, als äußerst ernst. Die Tatsache, dass es nicht möglich sein wird, das Schiff am Mond oder der Erde abzubremsen, könnte dazu führen, dass die Buran aufgegeben werden muss, denn wir werden bis zum Eintreffen der Buran keine wirklich schweren Einheiten bereitstellen können, die euch beim Bremsen unterstützen könnten.«
»Was soll dieses Gerede!«, entfuhr es Gina. »Will Irina uns darauf vorbereiten, dass wir draufgehen?«
»Sei doch mal still!«, fuhr Jan sie an. »Sie hat bestimmt noch eine Idee. Sie geben uns doch nicht einfach auf.«
»Hoffentlich hast du recht«, flüsterte Isabella.
»Wir haben eine Idee, wie wir euch helfen können«, ertönte Irinas Stimme aus dem Lautsprecher. »Eine verrückte Idee, die aber funktionieren kann – die funktionieren muss! Es gibt seit einiger Zeit eine Orbitalstation auf der Venus. Sie wird von den Chinesen betrieben, die sich in den letzten Jahren sehr weit vorgewagt haben. Derzeit steht die Venus in Konjunktion zur Erde. Ein Schiff, das Waren zur Venus gebracht hat, ist auf dem Rückweg zur Erde. Wir werden versuchen, mit diesem Schiff Kontakt aufzunehmen. Unter Umständen könnte es gelingen, ein Rendezvous zu arrangieren, wenn sie in ihrem Frachter noch genügend Treibstoff für zusätzliche Manöver an Bord haben. Versucht am Besten auch von dort aus, mit diesem Schiff Kontakt aufzunehmen. Es ist etwa auf der Linie zwischen Venus und Erde zu finden, also fast auf eurer Route. Der Frachter fliegt für die India Corp, ihr müsst es also auf deren Frequenzen versuchen. Wir melden uns, sobald wir weitere Informationen haben. Onotova, Ende.«
Sie sahen sich gegenseitig an und fragten sich, wie ihre Chancen wirklich standen. Ein Angleichungsmanöver aus dem Stegreif zu fliegen, war keine Option, die sie wirklich optimistisch machte. Es kamen zu viele Faktoren zusammen. Zum einen war da die fehlende Manövrierfähigkeit ihres eigenen Schiffes in der entscheidenden Phase, zum anderen wusste niemand, ob der Frachter überhaupt in der Lage war, sie rechtzeitig einzuholen und sich ihrer Fluglage anzupassen. Sie malten sich bereits aus, wie die Buran auf den Mond stürzte und niemand etwas dagegen unternehmen konnte.
»Ich werde versuchen, diesen Frachter über Funk zu kontaktieren«, sagte Gina. »Wir sind viel näher an ihm dran, als die auf dem Mond.«
Sie stieß sich ab und glitt zur Konsole hinüber, an der die Antenne ausgerichtet werden konnte.
»Die Mondkoordinaten sind eingespeichert«, sagte sie. »Wir werden also den Mond schnell wiederfinden, auch wenn ich die Antenne jetzt in die entgegengesetzte Richtung ausrichte.«
Sie nahm einige Schaltungen vor und wartete, während der Servomotor die Antenne in die gewünschte Richtung drehte. Nach einiger Zeit war es soweit und Gina begann, auf der Frequenz der India Corp. einen Notruf auszusenden. Da sie davon ausgehen konnten, dass sich das fremde Schiff irgendwo hinter ihnen befinden musste, war die Wahrscheinlichkeit recht groß, dass ihr Ruf gehört wurde. Es begann ein nervenaufreibendes Warten. Ständig trafen kleinere Meteoriten die äußere Hülle der Buran und verursachten beunruhigende Geräusche. Die Wissenschaftler wagten kaum noch, sich mit ihren Instrumenten zu beschäftigen, da sie ständig damit rechneten, dass die Hülle leckgeschlagen wurde.

Textgröße wählen

Meine Bücher

Iloo_BoD_Cover_front_amazon.jpg
Diese Website verwendet Session-Cookies. Sie enthalten keine Daten, die Rückschlüsse auf die Besucher unserer Website zulassen und werden nach Verlassen der Seite gelöscht.
Zu den Datenschutzbestimmungen Ich habe den Cookie-Hinweis gelesen. Ablehnen