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52 Mayday - Rettung - Teil 2/2

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10. Mayday

10.6 Rettung - Teil 2/2


»Es könnte sein, dass sich das jetzt ändern wird, Selma«, warf Eva ein.
Selma sah sie fragend an, worauf sie fortfuhr: »Ich bin an Bord der Buran nur, um als Beobachter zu fungieren. Jan und Isabella sollen vorzeitig ihre Patente erhalten – wegen überragender Leistungen. Die Buran-Mission sollte zeigen, ob die Einschätzung der Akademie korrekt war. Die Tatsache, dass die Mission so kläglich scheiterte, und sogar ein Menschenleben zu beklagen ist, kann diesen beiden jedoch nicht angelastet werden. Meiner Meinung nach haben sie sich gerade unter diesen widrigen Umständen hervorgetan. Ich werde daher in meinem Bericht erwähnen, dass die Erteilung der Patente an Jan und Isabella unbedingt gerechtfertigt ist. Ich werde aber auch nicht verschweigen, wie hervorragend diese Rettungsaktion geplant und durchgeführt worden ist. Ich werde eine Empfehlung aussprechen, der zivilen Kommunikationsoffizierin Selma Horec die Aufnahme in der Akademie anzubieten.«
»Das würden sie für mich tun?«, fragte Selma erfreut.
»Selma, wir kennen uns noch nicht«, sagte Eva. »Deshalb kann ich nicht behaupten, es für sie zu tun. Ich war an Bord der Buran als Beobachterin der Akademie. Es wäre für mich in dieser Eigenschaft ein Vergehen an den Interessen der Akademie, würde ich nicht versuchen, guten Leuten eine Chance zu geben, meinen sie nicht?«
»Ich will diese ganze Sache jetzt etwas abkürzen«, mischte sich Ranjan Negi ein. »Die INDIALOX 3 ist ein kommerzielles Schiff. Die Rettungsaktion hindert mich daran, meine Termine einzuhalten. Wir werden sie zum Mond bringen und dort absetzen. Allerdings wird meine Gesellschaft der Akademie eine gesalzene Rechnung dafür präsentieren. Können sie dafür garantieren, dass ihre Organisation die Kosten tragen wird? Wir wären sonst gezwungen, sie mit zur Erde zu nehmen.«
»Ich bin nur Beobachterin«, gab Eva zu bedenken. »Wenn sie mir gestatten würden, mit meiner vorgesetzten Dienststelle Kontakt aufzunehmen, könnte ich das sofort klären.«
»Selma, das ist deine Baustelle«, sagte Negi. »Schaff uns eine Verbindung zum Mond. Ich will wissen, woran ich bin.«
Selma drehte sich zu Jan, Isabella, Eva und Pelle um.
»Dann kommt mal mit in mein Reich. Ich schalte euch eine Verbindung.«
Selma stieß sich ab in Richtung des Innenschotts der Schleuse und zog sich geschickt mit den Händen um die Ecke. Man merkte ihr an, dass sie sich schon lange im All war. Die anderen folgen ihr und stellten fest, wie viel größer ein Frachtschiff gegenüber der Buran war, die sie bisher für geräumig gehalten hatten. Die Gänge waren relativ eng und mehr als ein Mal mussten sie Besatzungsmitgliedern ausweichen, die ihnen entgegenkamen. Jan fand das Schiff, im Gegensatz zu den Schiffen, die er bisher besucht hatte, relativ schmutzig, aber das schien auf Frachtern normal zu sein. Sie brauchten eine Weile, bis sie die Funkzentrale erreichten, die mit technischem Gerät absolut vollgestopft war.
»Das ist nur die Funkzentrale?«, wollte Pelle wissen. »Hier wird nichts anderes gemacht?«
»Wieso?«, fragte Selma zurück. »Was sollte denn hier sonst noch gemacht werden?«
»In der Buran wäre das der komplette Leitstand gewesen«, erklärte Isabella. »Bei euch ist alles eine Nummer größer.«
»Ach so«, meinte Selma gedankenverloren und machte sich bereits an den Schaltungen zu schaffen. »Es gibt einige Hilfsmittel, die mir die Aufgabe abnehmen, die Antennen einzeln manuell auszurichten. Wir haben zwar bisher nichts mit der Akademie zu tun gehabt, aber ich hab die Daten im Computer.«
»Antennen?«, fragte Jan. »Mehrzahl? Ihr arbeitet mit mehreren Antennen?«
»Sicher. Meist verwenden wir simultan drei Antennen. Dadurch erhalten wir ein viel stabileres Signal, selbst wenn das Schiff leicht rotiert. Ah seht Ihr? Da ist es schon. Das ist die Kennung der Akademie. Wer will mit ihnen sprechen?«
»Das mach ich«, sagte Eva. »Was muss ich tun, wenn ich sprechen will?«
»Gar nichts. Wir arbeiten mit Zweikanal-Technologie. Ein Umschalten ist nicht erforderlich.«
Eva nahm vor den Instrumenten Platz und sprach ins Mikrofon: »Hier spricht Eva Terbuer von Bord der INDIALOX 3. Bitte kommen.«
»Hier Mondakademie, Kommunikationszentrale, Diensthabender Miller. Eva Terbuer ist auf einer Mission mit der Raumfähre Buran. Wenn dieser Anruf ein Scherz sein soll, unterlassen sie ihn bitte und machen diese Frequenz frei.«
»Es ist kein Scherz. Die Buran ist ein Wrack und ich spreche von Bord der INDIALOX 3, die uns gerettet hat. Ich brauche sofort eine Verbindung zu Direktor Rafi Kupharhti oder seiner Stellvertreterin Irina Onotova. Es ist dringend.«
Der Diensthabende schaltete schnell. »Ok, ich habe verstanden«, sagte er und es dauerte auch nicht lange, bis die bekannte Stimme von Irina aus dem Lautsprecher drang.
»Hallo Eva«, sagte sie. »Dr. Kupharhti befindet sich zurzeit zu Gesprächen auf der Erde. Ich bin so weit informiert über die Situation. Die Funkzentrale der INDIALOX 3 hat die Informationen weitgehend an uns weitergeleitet. Wie kann ich helfen?«
»Der Kommandant des Schiffes bittet um Mitteilung, ob die Akademie die Kosten für den Verdienstausfall, sowie aller entstandenen Nebenkosten trägt. Sonst wird man uns zur Erde mitnehmen.«
Irina lachte leise, dann antwortete sie: »Es ist immer das Gleiche mit den Kommerziellen. Obgleich es kein Problem wäre, wenn man direkt zur Erde fliegen würde, bevorzugen wir den direkten Transport zum Mond. Selbstverständlich werden alle bisherigen und künftigen Kosten von uns übernommen. Wir haben auch bereits eine schwere Bergungseinheit angefordert, welche die Buran aufbringen und in die Mondumlaufbahn bringen kann.«
»Das ist gut«, meinte Eva. »An Bord befindet sich noch der Leichnam von Gina Daccelli sowie das gesamte Probenmaterial unserer Wissenschaftler. Wir hatten keine Möglichkeit einer Bergung.«
»Mach dir darüber keine Gedanken, Eva. Wir sind heilfroh, wenigstens euch gesund und munter zurückzubekommen. Der Unfall mit Gina ist bedauerlich und tragisch. Er geht uns allen sehr nahe. Wie ist der Zustand der übrigen Teilnehmer der Mission?«
»Bis auf den Geologen Sebastian Loma, der ebenfalls von einem Meteoritensplitter getroffen wurde, jedoch mehr Glück gehabt hat, sind wir alle wohlauf«, meldete Eva.
»Gibt es sonst noch etwas zu berichten?«, wollte Irina wissen. »Wie hat sich die Leitung der Buran geschlagen?«
»Sie waren erwartungsgemäß souverän«, gab Eva lachend durch. »Ihr könnt die Patente schon mal drucken lassen. Ich habe allerdings noch ein weiteres Anliegen.«
Vlad Stancu, der bisher interessiert zugehört hatte, bekam mit einem Mal ein flaues Gefühl im Magen. Nun würde sie über seine Aktion während des Hinfluges berichten, vermutete er.
»Wir haben hier an Bord der INDIALOX 3 jemanden, der es meiner Ansicht nach verdienen würde, einen Platz in der Akademie zu bekommen«, sagte Eva. »Es handelt sich um die Kommunikationsoffizierin Selma Horec. Sie hat sowohl die gesamte Kommunikation erledigt, als auch die Rettungsaktion geplant und die notwendigen Berechnungen für die Navigation durchgeführt. Ich halte sie für hochbegabt.«
»Warum hat sie sich nicht direkt bei uns beworben?«, wollte Irina wissen. »Wir sind immer an guten Leuten interessiert.«
»Wenn ich dir nun sage, dass sie das wiederholt getan hat und noch nicht mal eine Gesprächseinladung erhalten hat?«, fragte Eva.
»Ups«, drang es aus dem Lautsprecher. »Den Schuh müssen wir uns wohl anziehen. Wir sind in der Vergangenheit oft mit Bewerbungen überschüttet worden, dass wir irgendwann einen Schnitt gemacht, und uns die Unterlagen überhaupt nicht mehr angesehen haben. Selma soll einfach mit euch kommen und hier vorsprechen. Ich verspreche, dass sie eine faire Chance bekommen wird. Alles Weitere besprechen wir, sobald euer Schiff eintrifft. Onotova Ende.«
Stancu stieß zischend seinen Atem aus, als das Gespräch beendet war. Jan und Isabella blickten ihn erstaunt an. »Was ist denn mit ihnen los?«
»Ich hatte befürchtet, dass ihre Kollegin berichten könnte, was ich während des Fluges zum Asteroiden angestellt habe«, sagte er.
Isabella winkte ab. »Vergessen sie's. Ich bin inzwischen sicher, dass sie auch nur ein Opfer dieses Gheorghe Papu geworden sind. Was zählt, ist, was sie anschließend freiwillig getan haben, um uns allen zu helfen. Ich denke, es sollte unter uns bleiben. Was halten sie davon?«
»An mir soll es nicht liegen«, sagte Stancu erleichtert und reichte Isabella dankbar seine Hand.
Im Hintergrund begannen die Triebwerke der INDIALOX 3 zu arbeiten und ein dumpfes Dröhnen erfüllte das Schiff. An den Fenstern konnte man erkennen, wie die die Buran hinter ihnen zurückfiel. Jan, Isabella und Pelle drängten sich um das kleine Fenster der Funkzentrale. Mit Wehmut und Trauer verfolgten sie, wie ihre Fähre kleiner und kleiner wurde.
»Mach's gut, Gina«, flüsterte Isabella und schluchzte leise. Jan nahm sie in den Arm und drückte sie an sich, um sie zu trösten. Dabei fühlte er selbst einen dicken Kloß im Hals. Die Erste aus ihrer Gruppe hatte ihr Leben im All verloren. Er hoffte, dass er so etwas nicht mehr erleben musste.
Der Flug zum Mond verlief ereignislos, was den Freunden nur recht war. Sie hatten während der letzten Tage genug Aufregung ertragen müssen. Selma sah häufig nach ihnen und löcherte sie mit Fragen zur Akademie. Anfangs ging ihnen diese Fragerei auf die Nerven, doch bald erkannten sie, dass es sie auch von den Gedanken an Gina ablenkte.
Als sie den Mondorbit erreicht hatten, war es Maria Sanchez, die sie mit einer kleinen Fähre abholte. Sie hatte bereits erfahren, dass Gina auf der Mission verunglückt war. Sie war eng mit ihr befreundet gewesen und kam sofort zu Pelle, um ihn zu trösten. Pelle ließ sich von ihr in den Arm nehmen und genoss Marias Mitgefühl.
Ranjan Negi war kein Mann der großen Worte. Man sah ihm an, dass es ihm schwerfiel, Selma gehen zu lassen, die er quasi wie seine eigene Tochter behandelt hatte. Als Selma ihn zum Abschied umarmte, löste er nach einer Weile ihre Arme. »Los Selma, geh und mach es uns beiden nicht so schwer.«
Er zeigte auf Jan, Isabella, Pelle und Eva. »Dort liegt deine Chance, Mädchen. Greif nach den Sternen und zeig ihnen, was du kannst.«
Selma gab ihm noch einen Kuss auf die Wange, dann griff sie nach ihrer Tasche und gesellte sich zu den anderen. Jan grüßte noch mal, dann kletterten sie nacheinander durch den engen Tunnel zur Landefähre hinüber. Nach der langen Zeit in der Buran und der INDIALOX 3 empfanden sie die Enge in der Fähre als beklemmend. Maria schnallte sich sogleich an den Flugkontrollen fest und forderte die anderen auf, es ihr gleichzutun, um sich nicht zu verletzen.
»Maria, du musst uns das nicht erklären«, sagte Pelle grinsend. »Wir sind vom Fach.«
»Entschuldigung«, murmelte Maria. »Ich hab in der letzten Zeit dauernd Frischlinge von der Erde geflogen.«

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