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56 Feindliche Übernahme - Die Macht des Hexagons

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11. Feindliche Übernahme

11.3 Die Macht des Hexagons


Jan sah kurz darauf die Vorgaben für ihren neuen Kurs und passte die Flugbahn an die geänderten Daten an. Dabei fiel ihm auf, wie mühelos es gelang, den Kurs über seinen Steuerknüppel zu beeinflussen. Die Andruckkräfte hielten sich in Grenzen und pressten sie alle nur kurz etwas fester in ihre Sitze. Zur Seite wirkende Kräfte traten praktisch nicht auf, da die gesamte Zentrale sich in ihrer kardanischen Aufhängung sofort an jeder neuen Bewegungsrichtung ausrichtete. Man spürte überhaupt nichts von einer Richtungsänderung. Die GINA DACCELLI flog auf einer hohen Umlaufbahn um den Mond und würde nach kurzer Zeit auch die chinesische Mondstation und die Akademie überfliegen.
»Gibt es eine Möglichkeit, den Bereich um die Akademie herum zu beobachten?«, fragte Jan. »Es würde mich interessieren, ob die Chinesen dort tatsächlich mit Truppen aufmarschiert sind.«
»An Evas Terminal ist die Steuerung der Teleskope«, erklärte Sam. »Eva, bitte tu uns den Gefallen und zeichne alles mit der Hochgeschwindigkeitskamera auf, ja? Ich kann dir zeigen, wie du es bedienen musst.«
»Damit komme ich klar«, sagte Eva. »Ich hab mit solchen Geräten schon gearbeitet. Glücklicherweise ist ja nicht alles an Bord dieses Schiffes komplett neu konzipiert.«
Sam lachte. »Warum sollten wir auch das Rad neu erfinden? Diese Technologie ist ja bereits ausgereift.«
Die GINA DACCELLI flog in extrem großer Höhe über die Akademie hinweg. Die Kameras offenbarten eine beachtliche militärische Präsenz. Beunruhigend war auch die große Zahl von Frachtern der India Corp., die in einem niedrigen Orbit darauf warteten, von den chinesischen Landefähren entladen zu werden. Man konnte als sicher voraussetzen, dass die Hauptmasse der Ladung weiteres Militärmaterial darstellte.
»Haben wir auch Aufnahmen von der chinesischen Station bekommen?«, fragte Sam.
»Ja, haben wir«, bestätigte Eva. »Sie sind sehr scharf und man kann genau erkennen, dass sie dort noch eine weitere Streitmacht an Bodenfahrzeugen zusammenstellen.«
»Diese Streitmacht interessiert mich im Augenblick nicht so sehr«, meinte Sam. »Ich brauche gute Aufnahmen von der Gesamtstruktur der Anlage. Kannst du uns einige Ausdrucke machen? Wir werden sie uns nachher genau ansehen.«
»Kein Problem - wird erledigt.«
Inzwischen näherte sich die GINA DACCELLI den Koordinaten für die simulierte Landung und Jan gab einen kurzen Bremsschub, um das Schiff in eine Landeparabel zu zwingen. Die grafische Auswertung ihrer Flugbahn zeigte, dass sie noch exakt auf dem vorgesehenen Kurs waren. Die Geschwindigkeit nahm von Minute zu Minute zu und sie näherten sich dem Landepunkt.
Sam sah konzentriert und schweigend auf die Monitore, bis er schließlich sagte: »Sobald wir eine Höhe von zwei Kilometern erreicht haben, beginnen wir mit dem Bremsmanöver. Man kann in den Zielcomputer die Höhe eingeben, bei der man Stillstand erreichen möchte. Die Automatik hält diese Höhe, bis wir eine andere Entscheidung treffen. Gib bitte einhundert Meter ein, Jan.«
»Hast du sonst noch Wünsche?«, fragte Jan, nachdem er die Einstellung vorgenommen hatte.
Sam schüttelte den Kopf. »Nein, ich möchte, dass ihr zunächst seht, was das Schiff in dieser Hinsicht leisten kann.«
Immer schneller stürzten sie auf den Mond zu. Die Anzeige auf dem Distanzmesser, die sich anfangs nur langsam verändert hatte, war in ständiger Bewegung. Isabella hielt sich krampfhaft an ihrer Armlehne fest. Sie hatte kein gutes Gefühl bei diesem ungebremsten Sturzflug, doch exakt bei einer Höhe von zwei Kilometern schaltete sich die Zündung ein und die Triebwerke begannen zu feuern. Die Distanzanzeige veränderte sich langsamer, bis sie schließlich bei einem Wert von einhundert Metern anhielt. Die GINA DACCELLI stand unbeweglich über einem Feld aus spitzen Felsen. Eine echte Landung wäre an dieser Stelle überhaupt nicht möglich gewesen.
Jan stieß zischend seinen Atem aus. Es war ihm überhaupt nicht bewusst gewesen, dass er die ganze Zeit über den Atem angehalten hatte.
»Na, was sagt ihr?«, fragte Sam. »Ich finde, wir haben das Schiff ganz gut hinbekommen.«
»Das kann ich nur bestätigen«, sagte Jan. »Der Zielanflug war ein Kinderspiel. Doch wie soll es weitergehen? Landen können wir hier sicher nicht.«
»Ich sprach immer nur von einer Simulation«, erwiderte Sam. »Mir geht es darum, jetzt unser letztes großes Spielzeug im Echteinsatz zu testen. Bisher wurde das Schiff lediglich mit der Triebwerksstufe 1 geflogen. Jetzt möchte ich, dass du mit Vollschub des Plasmatriebwerks durchstartest. Mach es ruhig manuell, damit du ein Gefühl dafür bekommst.«
»Ok«, meinte Jan und suchte nach den Steuerelementen für den Plasmaschub. Zunächst war der Reaktor hochzufahren, um mehr Energie bereitzustellen. Im Gegensatz zu der bisherigen Stille war nun ein tiefes Brummen zu hören, das die gesamte Schiffszelle zu durchdringen schien. Jan wartete, bis die Anzeigen für die Bereitschaft der Energieversorgung von Rot auf Grün umsprangen, dann blickte er sich kurz um, um zu überprüfen, ob alle angeschnallt waren. Sein Blick traf kurz den von Isabella, die ihm zunickte. Dann schob er den Schubhebel mit einem Ruck nach vorn.
Die GINA DACCELLI machte einen Satz, als wäre sie von einer Kanone abgeschossen worden. Jan hatte von einer Sekunde zur anderen das Gefühl, die Faust eines Riesen würde ihn in den Sitz pressen. Das letzte Bisschen Luft wurde aus seinen Lungen gepresst. Das Atmen wurde zur Qual und seiner Brust entrang sich ein gequältes Stöhnen. Liebend gern hätte er nachgesehen, wie es Isabella erging, doch an ein Wenden des Kopfes war überhaupt nicht zu denken.
»Abschalten«, rief Sam röchelnd von seinem Sitz aus.
Jans Kontrollen waren direkt auf der Armlehne angebracht, dennoch brauchte er all seinen Willen und eine fast unmenschliche Kraft, bis es ihm gelang, den Schub auf ein erträgliches Maß zu reduzieren.
»Jetzt sollten wir das Schiff anhalten«, schlug Sam vor, nachdem er genügend Luft bekam. »Wir sollten uns nämlich einmal den Punkt ansehen, über dem wir vorhin auf dem Mond gestanden haben.«
Jan gab die Anweisung für ein kontrolliertes Anhalten in den Computer ein und wandte sich an Eva: »Bekommst du über die Teleskope schon ein Bild von unserem Startpunkt der Beschleunigung herein?«
»Ich versuch es«, meinte sie und bemühte sich, die Optik des Teleskops entsprechend einzustellen, doch sie waren schon zu weit in den Raum vorgedrungen und so fand sie die Stelle nicht wieder.
»Kein Problem«, meinte Sam. »Wir haben die Koordinaten noch im Computer. Wir fliegen einfach zurück und betrachten es uns aus der Nähe.«

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