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Mehr Angebot = Mehr Qualität?

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Früher gab es drei Fernsehprogramme, die wir zu Hause mit unserer Zimmerantenne empfangen konnten. Das war noch zu Schwarz-Weiß-Zeiten. Das ARD-Programm war gut zu empfangen, ZDF schon nicht mehr ganz so gut und das "Dritte" - je nach Wetterlage mit mal mehr und mal weniger Schnee im Bild. Das Fernsehprogramm begann am frühen Nachmittag und endete in der Regel deutlich vor Mitternacht mit der deutschen Nationalhymne. Vorsintflutliche Verhältnisse waren das, als die Menschen in den Familien noch durch fehlende Zerstreuung dazu gezwungen wurden, sich miteinander zu beschäftigen. Nun, wir haben es überlebt. Der Eine oder Andere vielleicht nicht sehr gut, aber irgendwie ging es dann doch.


Es mag vielleicht jetzt so klingen, als wenn ich ein glühender Verfechter der Fernsehgegner wäre, doch das ist nicht der Fall. Obwohl ich der Generation angehöre, die Fernsehunterhaltung noch sehr dosiert erfahren hat, bin ich leider auch einer Derjenigen, die gewohnheitsmäßig abends den Fernseher einschalten - ohne vorher auch nur einen einzigen Blick in die Programmzeitschrift geworfen zu haben, um festzustellen, ob sich das Einschalten überhaupt lohnt. Warum mache ich das? Die Antwort ist ganz einfach: Das TV-Angebot ist inzwischen so vielfältig geworden, dass wirklich immer etwas läuft. Ein Blick in die Zeitung stiftet nur Verwirrung. Man hat Satellitenfernsehen und ein Vollprogramm auf Hunderten von Kanälen. Gefällt einem das Gesehene nicht, wird gezappt - schlimmstenfalls im Sekundentakt, wie es meine Söhne oft tun.

Kaum mehr bekannt - das TestbildDoch hat sich mit der Verbreitung der privaten TV-Sender, dem 24-Stunden-Vollprogramm, die Qualität der Beiträge wirklich verbessert? Ich behaupte nein! Nehmen wir einmal Nachrichtensendungen. Früher gab es sie zwar auch auf den wenigen Kanälen, die man sehen konnte, heute wird man förmlich davon erschlagen. Ganze TV-Kanäle haben sich darauf verlegt, überwiegend Nachrichten zu senden.

Was will ich als Konsument denn wirklich wissen? Ich will über die Tagesereignisse möglichst zutreffend und neutral informiert werden. Eine Wertung der Nachrichten möchte ich selber vornehmen können. Das liefern die öffentlich-rechtlichen Kanäle - wie sie es bereits früher getan haben. Bei den privaten Sendern sieht es anders aus. Bei ihnen steht die Quote im Vordergrund. Bringt eine Sendung, Serie oder eine Sparte keine Quote, wird sie über Bord geworfen. Sogar den Nachrichten merkt man dieses Verhaltensmuster der Sender an. Sie werden reißerisch aufgepeppt, die Wertung wird durch die Auswahl der Reihenfolge der Meldungen bereits zur Meinungsmache und sie erhalten eine Aufmachung wie eine Unterhaltungssendung. Entertainment ist Alles.

Überhaupt zählt fast nur noch Entertainment. Kein Sender, der nicht einen Tag in der Woche auserkoren hat, an dem er gleich eine ganze Kette von Comedy-Sendungen anbietet. Jedes Bedürfnis wird befriedigt: Mystery, Horror, Crime, Reality, Comedy. Der Nervenkitzel zählt ... und natürlich eine englische Bezeichnung des Genres. Der Durchschnittsbürger würde mit einer deutschen Bezeichnung heute auch nicht mehr zurecht kommen. Da die Quote heute Alles bedeutet, machen Alle dabei mit. Die Qualität bleibt allerings auf der Strecke. Insbesondere bei den Comedy-Sendungen wird häufig nur noch auf Grimassenkomik und Schläge unter die Gürtellinie gesetzt. Gute Unterhaltung mit Wortwitz oder politischem Hintergrund lässt sich leider nicht als Massenware produzieren - billiger Klamauk schon. Außerdem scheint man davon überzeugt zu sein, dass es das ist, was der Zuschauer sehen will. Leider geben die Quoten den Machern dieser Sendungen dabei auch noch Recht.

Auch wenn ich selbst zu den Konsumenten gehöre, die relativ viel fernsehen, bin ich der Meinung, dass der alte Grundsatz: "Weniger ist Mehr" immer noch aktuell ist. Man sollte auf eine 24-stündige Dauerberieselung mit TV-Sendungen verzichten und statt dessen lieber wieder anspruchsvollere Sendungen produzieren. Ich glaube, man würde sich wundern, wie sehr es der Medienlandschaft gut tun würde.

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