Get Adobe Flash player

Kurzgeschichten

Der Segen

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv

regenNaubatpur war sicherlich nicht der Nabel der Welt. Inesh wusste das, aber er kümmerte sich im Grunde nicht sonderlich um das, was in der Welt geschah. Er war ein einfacher Mann und zählte in seinem Dorf trotzdem zu den wenigen, die von sich behaupten konnten, dass ihnen ein kleines Stück Land gehörte. Wie schon sein Vater und dessen Vater vor ihm, baute er Reis an. Die Nähe des Ganges und die Lage seines Landes an einem kleinen Hügel begünstigten dies und Inesh beklagte sich auch nicht, dass es wohl nie gelingen würde, dort etwas anderes als Reis anzubauen.
Er hatte den ganzen Tag schon in der Hitze des Tages auf seinen Feldern gearbeitet und die Qualität der Pflanzen immer wieder geprüft. Der Boden war nur noch leicht feucht. In den oberen Terrassen seiner Anbaufläche war es bereits vollkommen ausgetrocknet.
Gerade jetzt war es wichtig, dass die empfindlichen Reispflanzen genügend Wasser hatten. Er blickte nach oben und sah einen makellos blauen Himmel. Kaum ein Wölkchen störte dieses tiefe Blau. Seit Wochen schon sah er nichts anderes, als diesen wolkenlosen Himmel. Seufzend erhob er sich und ließ seinen Blick über die grünen Felder schweifen. Noch waren sie grün, doch wenn es nicht bald Regen geben würde, könnte es geschehen, dass der Reis verdorren würde. Bereits jetzt konnte er die oberen Terrassen vergessen. Er glaubte nicht mehr daran, dass die Pflanzen dort noch zu retten waren. Wenn auch der Rest noch austrocknen sollte, würde er sein Land verkaufen müssen, um sich auf dem Markt im nahegelegenen Patna Lebensmittel zu kaufen. Er weigerte sich, diesen Gedanken weiter zu verfolgen. Es war bisher noch immer weitergegangen. Inesh bete täglich zu Brahma und Vishnu, in der Hoffnung, dass ihm die Götter gnädig sein würden.

 

Weiterlesen: Der Segen

Das Wunder vom Templo Major

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv

Es hatte ihre Hochzeitsreise werden sollen, doch hatte das Geld nie gereicht. Das Leben hatte es zunächst nicht gut mit ihnen gemeint. Die Miete für die kleine Wohnung in Tijuana war so hoch, dass es Raoul und Carmen oft schwer fiel, sie pünktlich zu bezahlen. Raoul war Landarbeiter und hatte sich ein kleines Stück Land am Rande der Stadt gekauft, welches eigentlich ihren Lebensunterhalt sichern sollte. Carmen hatte sich ihr Leben zwar anders vorgestellt, als Tag für Tag mit Raoul das bisschen Land zu bestellen, doch sie beklagte sich nicht. Sie hatte Raoul, der fleißig und treu war und fühlte sich im Grunde ihres Herzens glücklich.

Ein schwerer Rückschlag war es, als die große Dürre ihre gesamte Ernte vernichtete. Sie konnten dadurch die Kosten für die Wohnung nicht mehr aufbringen und mussten schweren Herzens das Land verkaufen.

Carmen suchte sich eine Arbeit als Bedienung in einem der wenigen Restaurants, die auch von den Gringos besucht wurden, wenn sie über die Grenze kamen, um mit ihren Dollars um sich zu werfen. Carmen hasste sie, doch sie sicherten ihr Einkommen, das für einige Zeit das einzige Geld war, das sie hatten.

Weiterlesen: Das Wunder vom Templo Major

Das Portal

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv

Ich kann nicht einmal sagen, dass es ein besonderer Tag war. Ganz im Gegenteil: Der Tag begann so gewöhnlich, wie ein Tag nur beginnen kann. Der Wecker klingelte um 6 und ich schwang meine Beine aus dem Bett. Michaela räkelte sich verschlafen auf der anderen Seite, wurde aber nicht richtig wach. Mir war das ganz Recht, denn einerseits wollte ich sie nicht wecken und andererseits verspürte ich kein Verlangen danach, unseren Streit vom Vortag gleich am frühen Morgen fortzusetzen.
Ich kann nicht einmal sagen, dass wir uns nicht mehr lieben würden. Das ist es nicht. Aber wir sind nun fast sieben Jahre verheiratet und da kam es dann schon mal zu Meinungsverschiedenheiten, die einem den Abend verderben konnten. Im Grunde ging es meist um Kleinigkeiten und später fragten wir uns oft, was eigentlich mit uns los war.

Weiterlesen: Das Portal

Raumschiff Freedom

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv

Ruben war nervös. Er konnte sich nicht erinnern, dass er jemals in seinem Leben so nervös gewesen war. Immer wieder schaute er auf seine Uhr. Gleich musste Sina kommen. Wenn sie nicht innerhalb der nächsten halben Stunde erschien, würde es bedeuten, dass die Bewahrer sie erwischt hätten. Dann könnte er sich auch gleich stellen, denn ohne Sina würde es für ihn keinen Sinn mehr machen, weiter in Freedom zu leben.

Eigentlich war Freedom kein schlechter Ort. Ruben musste unwillkürlich lächeln. Freedom war der einzige Ort, an dem Menschen lebten. Wenn es stimmte, was sie in der Schule gelernt hatten, war Freedom das letzte Schiff, das es noch geschafft hatte, die Erde zu verlassen, bevor der Krieg ausgebrochen war, damals, vor etwa hundertfünfzig Jahren. Freedom war die Arche, in der das menschliche Leben bewahrt wurde und einer ungewissen Zukunft entgegen strebte.

„Freedom!“, dachte Ruben verächtlich, „Das Wort bedeutete Freiheit.“

Weiterlesen: Raumschiff Freedom

Das Paradies

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv

»Lange werde ich nicht mehr hier sein.«
Sebastian drehte sich um und sah seinen Partner spöttisch an. Bernd fing immer wieder davon an und merkte überhaupt nicht, wie sehr er allen damit auf die Nerven ging.
»Natürlich. Vermutlich gewinnst du gleich heute die Lotterie und machst dich auf den Weg ins Paradies.«
»Genau das werde ich«, sagte Bernd. »Und wenn es so weit ist, werde ich mich nicht verabschieden. Ich werde einfach gehen, das schwöre ich dir. Während ihr noch hier in diesem Loch schuftet, sehe ich die Sonne und lasse mich verwöhnen. Überhaupt: Wenn du das alles so skeptisch siehst – wieso spielst du denn in der Lotterie?«
»Müssen wir diese Diskussion immer wieder führen?«, fragte Sebastian vorwurfsvoll. »Ich bin zwar sicher, dass sie uns das Einkommen nur aus der Tasche ziehen, aber vielleicht gewinne ich dabei etwas Geld, damit ich mir wenigstens eine eigene Zelle für mich alleine leisten kann. Diesen Hauptgewinn will ich doch gar nicht. Gut, wenn es mich träfe, würde ich mich nicht dagegen wehren, aber in erster Linie will ich ein kleines bisschen Privatsphäre kaufen können.«
»Siehst du Seb, darin unterscheiden wir uns. Bei mir heißt es ‚ganz oder gar nicht‘. Ich will hier weg. Wenn ich allein diesen Scheißjob betrachte: Kanalreinigung in der vierzigsten Sub-Ebene. Weißt du, wann ich zum letzten Mal das Tageslicht gesehen habe? Ich kann mich nicht einmal mehr daran erinnern. Und mach dir nichts vor: Ist man einmal hier unten gelandet, ist das auch das Ende der Karriere.«
Sebastian lachte humorlos auf.
»Von welcher Karriere redest du denn? Von der Normschule direkt in die Sub-Ebenen? Das ist keine Karriere. Sieh es doch von der positiven Seite. Wir haben zumindest Arbeit. Okay, wir stehen zehn Stunden am Tag mit unseren Stiefeln im Brackwasser und sehen nur das, was uns unsere Helmlampen zeigen, aber wir haben ein Einkommen. Wir haben eine Teilzeitzelle und können uns die Standardrationen leisten.«

Weiterlesen: Das Paradies

Textgröße wählen

Meine Bücher

Iloo_BoD_Cover_front_amazon.jpg
Diese Website verwendet Session-Cookies. Sie enthalten keine Daten, die Rückschlüsse auf die Besucher unserer Website zulassen und werden nach Verlassen der Seite gelöscht.
Zu den Datenschutzbestimmungen Ich habe den Cookie-Hinweis gelesen. Ablehnen