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Kurzgeschichten

Der Transmitter

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"Ich kann mir noch immer nicht wirklich vorstellen, wie das funktionieren soll."
Giyörgy Szabo nahm einen Schluck aus seiner Kaffeetasse und ließ seinen Blick über die monströse Anlage schweifen, die von seinen amerikanischen Wissenschaftlerkollegen installiert worden war.
"Es ist mir auch unheimlich, dass wir die gesamte Leistung des Kraftwerks benötigen werden, wenn der Test durchgeführt wird."
"Sie müssen sich nicht sorgen, Herr Kollege", versuchte Hank Lieberman seinen ungarischen Kollegen zu beruhigen. "Mit Ratten und Mäusen hat es bereits ohne Probleme geklappt. Sie müssen sich vorstellen, dass die Materialisation einer menschlichen Körpermasse ein Vielfaches der Energie benötigt. Das war ja gerade der Grund dafür, dass wir Ihr Institut gewählt haben. Es liegt direkt an der Donau und verfügt über zwei große Kraftwerke in unmittelbarer Nähe."
"Die Theorie ist mir durchaus bekannt, auch wenn ich einige Prämissen nicht nachvollziehen kann. Es geht mir nicht in den Kopf, dass es wichtig ist, eine größere Distanz zwischen den Geräten zu haben. Sollte es nicht eher so sein, dass es weniger Energie kostet, wenn die Entfernung nicht so groß ist?"
Lieberman sah Szabo an.
"Ich verstehe Sie. Mir ging es anfangs auch nicht anders. Unsere frühen Versuche schlugen allesamt fehl und wir haben monatelang geforscht und gerechnet. Erst, als wir den Abstand zwischen Sender und Empfänger vergrößerten, erhielten wir brauchbare Ergebnisse."

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Der Segen

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regenNaubatpur war sicherlich nicht der Nabel der Welt. Inesh wusste das, aber er kümmerte sich im Grunde nicht sonderlich um das, was in der Welt geschah. Er war ein einfacher Mann und zählte in seinem Dorf trotzdem zu den wenigen, die von sich behaupten konnten, dass ihnen ein kleines Stück Land gehörte. Wie schon sein Vater und dessen Vater vor ihm, baute er Reis an. Die Nähe des Ganges und die Lage seines Landes an einem kleinen Hügel begünstigten dies und Inesh beklagte sich auch nicht, dass es wohl nie gelingen würde, dort etwas anderes als Reis anzubauen.
Er hatte den ganzen Tag schon in der Hitze des Tages auf seinen Feldern gearbeitet und die Qualität der Pflanzen immer wieder geprüft. Der Boden war nur noch leicht feucht. In den oberen Terrassen seiner Anbaufläche war es bereits vollkommen ausgetrocknet.
Gerade jetzt war es wichtig, dass die empfindlichen Reispflanzen genügend Wasser hatten. Er blickte nach oben und sah einen makellos blauen Himmel. Kaum ein Wölkchen störte dieses tiefe Blau. Seit Wochen schon sah er nichts anderes, als diesen wolkenlosen Himmel. Seufzend erhob er sich und ließ seinen Blick über die grünen Felder schweifen. Noch waren sie grün, doch wenn es nicht bald Regen geben würde, könnte es geschehen, dass der Reis verdorren würde. Bereits jetzt konnte er die oberen Terrassen vergessen. Er glaubte nicht mehr daran, dass die Pflanzen dort noch zu retten waren. Wenn auch der Rest noch austrocknen sollte, würde er sein Land verkaufen müssen, um sich auf dem Markt im nahegelegenen Patna Lebensmittel zu kaufen. Er weigerte sich, diesen Gedanken weiter zu verfolgen. Es war bisher noch immer weitergegangen. Inesh bete täglich zu Brahma und Vishnu, in der Hoffnung, dass ihm die Götter gnädig sein würden.

 

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Raumschiff Freedom

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Ruben war nervös. Er konnte sich nicht erinnern, dass er jemals in seinem Leben so nervös gewesen war. Immer wieder schaute er auf seine Uhr. Gleich musste Sina kommen. Wenn sie nicht innerhalb der nächsten halben Stunde erschien, würde es bedeuten, dass die Bewahrer sie erwischt hätten. Dann könnte er sich auch gleich stellen, denn ohne Sina würde es für ihn keinen Sinn mehr machen, weiter in Freedom zu leben.

Eigentlich war Freedom kein schlechter Ort. Ruben musste unwillkürlich lächeln. Freedom war der einzige Ort, an dem Menschen lebten. Wenn es stimmte, was sie in der Schule gelernt hatten, war Freedom das letzte Schiff, das es noch geschafft hatte, die Erde zu verlassen, bevor der Krieg ausgebrochen war, damals, vor etwa hundertfünfzig Jahren. Freedom war die Arche, in der das menschliche Leben bewahrt wurde und einer ungewissen Zukunft entgegen strebte.

„Freedom!“, dachte Ruben verächtlich, „Das Wort bedeutete Freiheit.“

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Das Wunder vom Templo Major

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Es hatte ihre Hochzeitsreise werden sollen, doch hatte das Geld nie gereicht. Das Leben hatte es zunächst nicht gut mit ihnen gemeint. Die Miete für die kleine Wohnung in Tijuana war so hoch, dass es Raoul und Carmen oft schwer fiel, sie pünktlich zu bezahlen. Raoul war Landarbeiter und hatte sich ein kleines Stück Land am Rande der Stadt gekauft, welches eigentlich ihren Lebensunterhalt sichern sollte. Carmen hatte sich ihr Leben zwar anders vorgestellt, als Tag für Tag mit Raoul das bisschen Land zu bestellen, doch sie beklagte sich nicht. Sie hatte Raoul, der fleißig und treu war und fühlte sich im Grunde ihres Herzens glücklich.

Ein schwerer Rückschlag war es, als die große Dürre ihre gesamte Ernte vernichtete. Sie konnten dadurch die Kosten für die Wohnung nicht mehr aufbringen und mussten schweren Herzens das Land verkaufen.

Carmen suchte sich eine Arbeit als Bedienung in einem der wenigen Restaurants, die auch von den Gringos besucht wurden, wenn sie über die Grenze kamen, um mit ihren Dollars um sich zu werfen. Carmen hasste sie, doch sie sicherten ihr Einkommen, das für einige Zeit das einzige Geld war, das sie hatten.

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Das Portal

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Ich kann nicht einmal sagen, dass es ein besonderer Tag war. Ganz im Gegenteil: Der Tag begann so gewöhnlich, wie ein Tag nur beginnen kann. Der Wecker klingelte um 6 und ich schwang meine Beine aus dem Bett. Michaela räkelte sich verschlafen auf der anderen Seite, wurde aber nicht richtig wach. Mir war das ganz Recht, denn einerseits wollte ich sie nicht wecken und andererseits verspürte ich kein Verlangen danach, unseren Streit vom Vortag gleich am frühen Morgen fortzusetzen.
Ich kann nicht einmal sagen, dass wir uns nicht mehr lieben würden. Das ist es nicht. Aber wir sind nun fast sieben Jahre verheiratet und da kam es dann schon mal zu Meinungsverschiedenheiten, die einem den Abend verderben konnten. Im Grunde ging es meist um Kleinigkeiten und später fragten wir uns oft, was eigentlich mit uns los war.

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