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Leseproben

Leseprobe: Die Zeitreisenden - Kurzroman

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DieZeitreisendenNeuesCover mittel1. Die Ankunft

»Was hältst du von den beiden?«, fragte Sheriff Wayne Dunn seinen Deputy. Lawrance Cole sah durch die Scheibe zu dem Pärchen hinüber, dass sie splitternackt am Coyote Run am Ortsrand von Thedford aufgegriffen hatten.
»Keine Ahnung. Vielleicht sollten wir die Behörden in Omaha informieren.«
Dunn lachte humorlos. »Um denen zu demonstrieren, dass wir die Sache hier nicht im Griff haben? Was sollte ich denen auch sagen? Dass wir ein nacktes Pärchen an einer Durchgangsstraße aufgegriffen haben, ohne Papiere und nur mit einem kleinen Beutel voller rätselhafter Gegenstände?«
Cole deutete mit dem Kopf zu ihren Gefangenen, die stumm nebeneinander im Verhörraum saßen und einander nicht ansahen. »Sie sind merkwürdig, oder? Sehen aus, als wären sie einem Modemagazin entsprungen. Sie wirken weder wie Exhibitionisten, noch wie irgendwelche Verbrecher.«
»Bisher ergab der Abgleich mit den Fahndungslisten auch keine Ergebnisse. Aber was soll’s? Wir werden schon etwas aus ihnen herausbekommen.« Er erhob sich. »Kommst du mit rein, oder schaust du lieber von hier aus zu?«
Cole nippte an seinem Kaffee. »Lass mich mal hier sitzen. Ich kann dich später ablösen, wenn sie weiter so schweigsam sind.«
Dunn nickte und öffnete seufzend die Tür zum Nebenraum. Der Mann trug nun Hemd und Hose, die sie ihm gegeben hatten, um ihre Blößen zu bedecken, die Frau trug ein langes Hemd, das sie in der Taille mit einer Kordel zusammengebunden hatte und wie ein kurzes Kleid wirkte. Ihre langen, weißblonden Haare trug sie offen, wie einen dichten Vorhang um die Schultern, bis auf den Rücken.
»Haben Sie es sich überlegt?«, fragte er. »Wir haben eine Menge Zeit, wenn Sie sich weiterhin weigern, uns zu erzählen, wer Sie sind. Wollen Sie vielleicht einen Kaffee oder ein Wasser?«
Sie antworteten nicht.
»Nein? Mir soll es recht sein. Also: Wie sind Sie zu der Straße gekommen, an der wir Sie gefunden haben? Wo ist ihr Fahrzeug? Wo ihre Kleidung? Hat Sie jemand dort abgesetzt?«
Der Mann bewegte sich plötzlich. »Mein Name ist Brungk. Meine Begleiterin heißt Sequel. Wir wollten nicht unhöflich sein, mussten jedoch zunächst ihre Sprache erlernen. Die Analyse ist abgeschlossen. Wir können kommunizieren.«
Dunn öffnete seinen Mund, schloss ihn aber sogleich wieder. Einen Moment sah er verständnislos zwischen den beiden hin und her. »Sagen Sie, wollen Sie mich verarschen? Sie wollen mir erzählen, sie hätten unsere Sprache vorhin noch nicht verstanden, und jetzt reden Sie, als hätten Sie nie etwas anderes getan?«
»So ist es. Bei uns wird höchstens verbal kommuniziert, wenn es sich nicht vermeiden lässt, aber wir können es, wenn wir es gelernt haben. Ich danke Ihnen für ihre vielen verbalen Vorlagen, die Sie uns mit ihrem Kollegen gegeben haben. Den Rest konnten wir dann aus dem linguistischen Pool ergänzen, auf den wir Zugriff haben.«
Er hob seine Hände. »Hat es einen Grund, warum man uns diese Handfesseln angelegt hat?«
Dunn schüttelte den Kopf. »Zurück zum Thema. Sie sind also Brungk. Und weiter?«
»Wie? Ich heiße Brungk. Nur Brungk.«
»Und ich heiße nur Sequel«, sprach die Frau mit klarer, wohlklingender Stimme. »Aber wir sind nicht hier, um über Dinge zu sprechen, die Sie nicht verstehen. Wir sind Forscher und haben einen wichtigen Auftrag.«
»Forscher«, sagte Dunn skeptisch. »Haben Sie kürzlich mal in den Spiegel geschaut? Sie sind doch höchstens Mitte zwanzig und sehen aus, wie aus einem Modemagazin. Was können Sie schon erforschen?«
»Lassen Sie sich nicht von unserem Äußeren täuschen. Wir sind sicher älter als Sie vermuten, und wurden lange auf unsere Mission vorbereitet. Wir würden es begrüßen, wenn Sie uns helfen, einen bestimmten Ort zu finden.«
Dunn zog seine Brauen hoch. »Einen bestimmten Ort? Genauer geht’s wohl nicht? Sonst haben Sie keine Probleme? Ich werd Ihnen jetzt mal was sagen: Solange Sie solche Spielchen mit mir spielen, werden Sie nirgendwo hinkommen, Mr Brungk.«
»Einfach nur Brungk.«
Dunn schlug mit der flachen Hand auf den Tisch. »Hören Sie endlich auf, mich zu veralbern!«
»Wir machen uns nicht über Sie lustig«, sagte Sequel. »Wir verstehen nur nicht, wieso es für Sie wichtig ist, unsere Identität zu kennen. Wir kannten uns vor unserem Erscheinen nicht und werden uns sicher nicht mehr wiedersehen, nachdem wir unsere Mission fortgesetzt haben.«
»Sie beide kosten mich den letzten Nerv, wissen Sie das? Sie sind verpflichtet, sich jederzeit, zumindest durch ihren Führerschein, ausweisen zu können. Ich bin berechtigt, Sie hier festzuhalten, bis wir diesen Punkt geklärt haben. Es liegt also an Ihnen, ob Sie mit uns zusammenarbeiten, oder unsere Arbeit behindern.«
Die beiden Fremden sahen Dunn nur an und schwiegen. Dunn trommelte nervös mit den Fingern auf dem Tisch. »Na gut. Es wird nicht mehr lange dauern, bis wir ihre Fingerabdrücke überprüft haben. Was denken Sie, was wir dann über Sie erfahren? Wenn Sie etwas zu sagen haben, wäre jetzt ein guter Zeitpunkt.«
Es klopfte an der Tür und Cole steckte seinen Kopf herein. »Wayne? Kannst du mal kurz rauskommen?«
Dunn erhob sich und ließ seine Gefangenen allein im Verhörraum zurück. »Was gibt es denn?«
Cole hielt ihm einige Papiere entgegen. »Die Ergebnisse aus Omaha sind da. Sie werden dir nicht gefallen.«
Dunn griff sie und studierte sie. »Das gibt’s doch überhaupt nicht. Das muss ein Irrtum sein.«
»Ich hab eben noch mit dem FBI telefoniert. Sie bestehen darauf.«
Dunn schüttelte den Kopf. »Keine zwei Menschen auf der Erde haben exakt dieselben Fingerabdrücke. Nicht einmal bei Zwillingen gibt es das, und diese Zwei dort drinnen sind ganz sicher keine Zwillinge.«
Cole zuckte mit den Achseln. »Was willst du jetzt von mir hören? Du erwartest doch nicht, dass ich dir sagen kann, was hier los ist? Aber bist du dir sicher, dass wir sie tatsächlich festhalten können? Allein die Tatsache, dass wir nichts über sie wissen, macht sie nicht gleich zu Verbrechern.«
»Das weiß ich selbst! Trotzdem hab ich das Gefühl, dass mit den beiden etwas nicht stimmt. Sie können doch nicht von Himmel gefallen sein. Niemand hat sie kommen sehen und plötzlich stehen sie nackt an der Straße. Keine Papiere, kein Geld, nichts. Das gibt es doch nicht. Ich will wissen, was da los ist.«
»Dann wünsch ich dir viel Spaß«, sagte Cole grinsend. »Ich würd sie laufen lassen, mich entspannt zurücklehnen und sie vergessen.«
Dunn brummte etwas und öffnete die Tür zum Verhörraum. Brungk und Sequel saßen so da, wie sie gesessen hatten, als er den Raum verlassen hatte. Er setzte sich den beiden gegenüber und legte betont ruhig seine Hände auf die Tischplatte.
»Die Auswertung ihrer Fingerabdrücke liegt vor, und Sie können sich vermutlich denken, dass ich jetzt erst recht weitere Fragen an Sie habe.«
Sequel warf ihre langen, weißblonden Haare zurück und sah ihn irritiert an. »Und aus welchem Grund?«
»Weil Sie beide exakt identische Fingerabdrücke besitzen. Keine zwei Menschen auf diesem Planeten haben dieselben Fingerabdrücke. Erklären Sie mir, warum das bei Ihnen anders ist.«
»Ich denke, Sie gehen von falschen Prämissen aus. Sagen wir einfach, wir sind nicht hier aus der Gegend. Wo wir herkommen, sind identische Fingersignaturen ein Zeichen für Zusammengehörigkeit. Wir wurden als biologisches Konzept geschaffen, weil unsere Forschung uns lange Zeit von unseren Bezugsgruppen trennen wird, und ein Paar als kleinstes Konzept die größte Wahrscheinlichkeit auf Erfolg verspricht.«
Sheriff Dunn sah sie an, als wäre sie ein Geist. »Was zum Henker erzählen Sie mir da? Das ist doch alles Bullshit! Ich will endlich wissen, woher Sie kommen und was Sie vorhaben.«
Sequel sah Brungk an, und Dunn war sicher, dass sie so etwas wie einen nonverbalen Dialog führten. Schließlich nickte Brungk und Sequel wandte sich ihm wieder zu. »Wir sind bereit, Ihnen alles zu erzählen, auch wenn wir glauben, dass Sie es nicht verstehen oder zumindest nicht glauben werden.«
Dunn lehnte sich in seinem Stuhl zurück. »Sie können es ja mal versuchen.«
»Wir haben einen weiten Weg hinter uns. Wir sind Menschen, stammen jedoch nicht von dieser Welt, die ihr Erde nennt. Unsere Geburtswelt trägt den Namen Lorana und ist viele Lichtjahre von hier entfernt. Ich könnte Ihnen die genaue Position nennen, aber ich fürchte, das würde Ihnen nicht viel sagen. Unsere Heimat ist nicht nur weit von hier entfernt, sie liegt auch in einer Zeit, die aus ihrer Sicht in einer weit entfernten Zukunft liegt. Wir können Ihnen leider nicht genau sagen, wie viele ihrer Jahre das sind, da die Zeitrechnungen im Laufe der Zeitalter oft gewechselt wurden. Unsere Techniker wissen es sicher, aber da das für unsere Mission irrelevant ist, sind wir nicht sicher.«
Sheriff Dunn starrte sie mit offenem Mund an. »Sagen Sie, wollen Sie mich testen? Erscheint hier gleich ein Kamerateam von Kanal 9 und ich werde vor Millionen Zuschauern als Depp der Nation vorgestellt?«
»Ich verstehe nicht, was Sie meinen.«
»Na hören Sie! Sie tischen mir eine so verrückte Geschichte auf und verlangen, dass ich Ihnen das abnehme? Aber okay, ich spiele ihr Spiel mal eine Weile mit. Sie kommen also von einem weit entfernten Planeten und aus einer Zeit, die viele Jahre in der Zukunft liegt. Hab ich das so weit richtig verstanden?«
»So ist es.«
»Dann sind Sie so etwas wie Aliens?«
Sequel überlegte einen Moment. »Wenn Sie damit meinen, dass wir eine fremde Lebensform darstellen, ist das falsch. Wir sind Menschen wie Sie ... oder besser: ähnlich wie Sie.«

************* Weiter geht es im Buch *****************

Leseprobe "Kongruenz"

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Kongruenz ist mein neuestes Projekt. Ich konnte es gleich zu Jahresbeginn 2020 fertigstellen und das Buch dazu wird in wenigen Tagen überall bestellbar sein. Hier schon mal das erste Kapitel als Leseprobe. Viel Spaß bei der Lektüre.


Kongruenz Titelbild klein

1.  Der erste Tag
 
Endlich hatte ich den Freitag hinter mich gebracht. Die Woche im Büro war verdammt stressig und jetzt freute ich mich darauf, ein Wochenende mit Anja zu verbringen. Wir hatten das mehr als verdient, denn auch Anja hatte eine anstrengende Woche auf der Messe in Frankfurt.
Der Weg nach Hause in der S-Bahn ließ mich jedes Mal schläfrig werden. Die Luft war stickig und die Klimaanlage schien wieder einmal ausgefallen zu sein.
Irgendwann waren mir die Augen zugefallen, denn ich schreckte hoch, als mich jemand am Knie berührte.
»Entschuldigung«, sagte ein Mann, der mich beim Aufstehen in unserer Vierersitzreihe gestreift hatte,
Ich wollte meine Augen wieder schließen - die Fahrt dauerte weitere zwanzig Minuten -, da bemerkte ich die junge Frau, die mir gegenüber saß und mich anlächelte.
»Warum lächeln Sie?«, fragte ich.
Sie schüttelte den Kopf. »Es ist nichts. Ich fand es nur so lustig, wie Sie immer wieder eingenickt sind - und das bei diesem ständigen Herumgerenne der Fahrgäste.«
»Alles eine Frage der Gewohnheit.« Ich lächelte ebenfalls. »Sie fahren nicht so häufig mit dem Zug?«
Sie schüttelte wieder den Kopf, wobei ihre feinen Haare wippten. 
»Es ist eine Ausnahme. Mein Wagen ist in der Werkstatt und ich bin auf dem Weg zu meinem Freund. Meinem neuen Freund. Ich muss gestehen, dass ich zum ersten Mal zu ihm fahre. Bisher haben wir uns immer in Paderborn getroffen, wo ich wohne. Aber wieso erzähle ich Ihnen das eigentlich?«
»Wo müssen Sie denn hin?«

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Leseprobe: Cuprum

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1 Isla dos Flores
1.1 Heiligabend

cuprum11Es war noch sehr früher Morgen, als ich mit meinem Fahrrad die letzte Steigung nach Farol de Albarnaz nahm. Bis zur Brücke über den Moinho war es immer recht angenehm, zu fahren, doch das letzte Stück verlangte mir doch jedes Mal einiges ab. Im Grunde mochte ich es, so früh unterwegs zu sein. Es half mir, den Kopf frei zu bekommen und mich auf meine Arbeit vorzubereiten. Es war noch dunkel und der Scheinwerferkegel meines Rades tanzte mit jedem Tritt in die Pedalen über das rissige Pflaster der schmalen Straße. Das Meer zu meiner Rechten rauschte leise und trotz der Anstrengung genoss ich den milden Dezember dieses Jahres. Früher, in Deutschland, wäre ich zu dieser Zeit nicht auf die Idee gekommen, nur mit einer relativ dünnen Jacke bekleidet, mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. Das Meer war nur durch die leise Brandung zu erahnen, denn zu dieser Stunde präsentierte es sich noch in absoluter Schwärze. Früher hätte man die vorbeifahrenden Schiffe wie die Perlen einer imaginären Kette erkennen können, doch das hatte inzwischen fast vollständig aufgehört.
In der Ferne konnte ich schon die Außenbeleuchtung der Station erahnen. Dort war meine Arbeitsstätte - eine Station am Ende der Welt, in der Mitte von Nirgendwo.
Ich legte mich noch einmal richtig ins Zeug, um die letzten Meter bis zum Parkplatz zu schaffen. Oben angekommen, stellte ich mein Zweirad unter einen Carport, der ursprünglich für die Autos der Angestellten gedacht war, aber heute fuhren - wenn überhaupt - sowieso nur noch Lastwagen und die Carports wurden anderweitig genutzt.
Nach der Dunkelheit des Weges und dem trüben Lichtkegel meiner Lampe tat das grelle Licht auf dem Parkplatz vor dem Stationsgebäude fast weh in den Augen. Das Gebäude war sicherlich keine Schönheit - es war halt ein Zweckbau und die GulfGen-Corporation hatte seinerzeit sicher anderes im Sinn gehabt, als ein gefälliges Design. Es war eben ein kalter, hässlicher Betonklotz. Ich betrat das Gebäude und lief sofort in die Messwarte, weil ich wusste, dass mein Kollege Ronald auf seine Ablösung wartete.
Die Messwarte war ein großer, quadratischer Raum ohne Fenster, der über und über mit Anzeigeinstrumenten übersät war. Ronald hatte die Deckenbeleuchtung abgeschaltet und so wurde der Raum nur gespenstisch durch die vielen Instrumentenbeleuchtungen etwas erhellt. Ronald saß in seinem Drehsessel und schwang darin zu mir herum, als er meine Schritte hörte.

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Leseprobe: Fünfzig Tage im Mai

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Fünfzig Tage im Mai2. Mai


Sascha Leyden hatte sich schon den ganzen gestrigen Tag nicht wohl gefühlt. Vermutlich hatte er sich einen grippalen Infekt zugezogen, wie er im Augenblick grassierte. Gerade jetzt, wo es innerhalb seiner Firma wieder einmal betriebsbedingte Kündigungen gab, passte es Sascha ganz und gar nicht, möglicherweise das Bett hüten zu müssen. Er hatte lange genug gekämpft, um eine feste Anstellung bei der Axxium-Versicherungsgesellschaft zu bekommen. Seine Freundin Conny hatte noch nicht so viel Glück gehabt – sie hielt sich durch eine Kombination von kurzfristigen Teilzeitjobs über Wasser.
Sascha sah auf seinen Computermonitor und musste sich anstrengen, dort etwas zu erkennen. Im Laufe des Tages hatte er bohrende Kopfschmerzen bekommen, die er auch mit Hilfe eines Schmerzmittels nicht in den Griff bekommen hatte. Verzweifelt blickte er auf die zahlreichen Unterlagen auf seinem Schreibtisch, die er noch bearbeiten musste. Er fragte sich, wie er das heute schaffen sollte – oder morgen, wenn die Grippe noch schlimmer werden sollte. Sascha wusste genau, dass man zwar eigentlich nicht entlassen werden konnte, wenn man krank war, doch die Praxis sah anders aus. In diesen Zeiten fand der Arbeitgeber immer eine Möglichkeit, einen Arbeitnehmer loszuwerden, der keine Effektivität versprach. Er machte sich keine Illusionen darüber, dass bereits zwei bis drei Tage Krankheit ausreichen konnten, seinen Job in Frage zu stellen. Sascha griff nach der nächsten Mappe und las die Beschreibung des Schadenfalles durch. Es war seine Aufgabe, Schadenfälle zu bewerten und die Folgen einer Schadenregulierung auf die Beitragsentwicklung des Kunden zu kalkulieren. Er las den Vorgang drei mal durch, doch konnte er sich einfach nicht mehr ausreichend auf den Text konzentrieren.

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Leseprobe: Iloo - die andere Welt

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Foto: Julia Kestner, Hamburg

1. Der Unfall


Es hatte bereits den ganzen Tag über geregnet und der Himmel war vom Morgen an bleigrau geblieben. Es war ein Tag, der allein aus diesem Grunde schon aufs Gemüt drückte, doch Rainer bemerkte es überhaupt nicht. Seine Welt war auf das zusammengeschrumpft, was sich in seinem Kopf abspielte. Er saß in seinem Auto und war auf dem Weg nach Hause. Tief in seinen Gedanken versunken, steuerte er den Wagen, eher automatisch als bewusst, über die Autobahn.
Er fragte sich, was er hier eigentlich tat. Womit hatte er das verdient? Über zehn Jahre lang hatte er sich für seine Firma förmlich zerrissen. Das alles sollte vorbei sein? Rainer war Programmierer. Es war das, was er immer sein wollte und von dem er wusste, dass er es gut konnte. An ihm hatte es auch nicht gelegen, dass es mit seiner Firma bergab gegangen war. Es war die Konkurrenz aus Fernost gewesen, die das Unternehmen unter Druck gesetzt hatte. Schließlich hatten sie aufgeben müssen und es folgte die Insolvenz. Anfangs gab es noch Hoffnung, dass der Insolvenzverwalter eine Lösung finden würde, die Firma zu retten - sie wieder auf eine finanziell tragfähige Basis zu stellen, doch diese Hoffnung schwand von Monat zu Monat immer mehr. Ihm wurde klar, dass eine Rettung des Unternehmens einen Preis fordern würde: eine drastische Reduzierung der Belegschaft. Ihn hatte es erwischt und man hatte ihm mitgeteilt, dass man sich leider gezwungen sehe, seine Arbeitskraft dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stellen.
Rainer lachte bitter auf. Wie toll sich das anhörte: Sich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stellen! Als wenn es für ihn, einen siebenundvierzigjährigen Informatiker, Verwendung auf dem Arbeitsmarkt geben würde ...
Es würde schwer werden, das war ihm absolut klar. Noch vor einem Jahr hätte er gedacht, alle Probleme meistern zu können, doch das galt jetzt nicht mehr. Vor drei Monaten hatte Ellen ihn verlassen. Nach all den Jahren der Ehe war sie einfach gegangen und er hatte nicht realisiert, was sich da angebahnt hatte. Anfangs hatte er getobt, dann war die Traurigkeit gekommen und er hatte sich unendlich leidgetan.
Ein lautes Hupen riss Rainer aus seinen Gedanken. Erschreckt riss er das Lenkrad seines Autos nach rechts. Er hatte nicht registriert, dass er fast auf die linke Fahrbahnseite geraten war und ein anderes Auto behindert hatte. Er hob entschuldigend die Hand und begann erneut zu grübeln.
Vielleicht wäre alles anders gekommen, wenn sie Kinder gehabt hätten, doch leider war ihnen dieses Glück nicht vergönnt gewesen. So hatten sie in der letzten Zeit mehr nebeneinander als miteinander gelebt. Sein Job hatte ihn immer stärker in Anspruch genommen und in der Krise hatte er versucht, durch einen unermüdlichen Einsatz dafür zu sorgen, unentbehrlich zu sein, um so seinen Arbeitsplatz zu sichern. Unter der Woche kam es kaum vor, dass er vor 22 Uhr abends nach Hause kam, und nicht selten fand er seine Frau dann bereits schlafend im Bett vor. An den Wochenenden arbeitete er zu Hause an seinen Projekten, die er im Betrieb nicht zu Ende geführt hatte. Sicherlich hatten die Zeichen bereits länger auf Sturm gestanden, nur hatte Rainer es nicht bemerkt - oder es nicht bemerken wollen. Er hatte einfach nicht die Zeichen erkannt, die darauf hingedeutet hatten, dass sie sich allmählich immer weiter voneinander entfernten. Die Entfremdung war nicht mehr aufzuhalten gewesen.
So war er auch vollkommen verblüfft, als er eines Abends nach Hause gekommen war und feststellte, dass Ellen nicht mehr da war. Im Wohnzimmer fand er nur einen Brief, auf dessen Umschlag sein Name stand. Er hatte diesen Brief rund zehnmal gelesen und kannte seinen Inhalt auswendig.

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Leseprobe: Nachbarn im String

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Nachbarn im StringMatthias saß bereits seit einiger Zeit in seinem Taxi am Taxistand des Berliner Bahnhofs Zoologischer Garten und langweilte sich. Zwar war er froh darüber, dass er nach längerer Zeit endlich eine Anstellung gefunden hatte, doch hatte er sich durchaus etwas mehr davon versprochen. Schließlich war Berlin nicht irgendeine Stadt und seit der Wiedervereinigung Deutschlands herrschte hier mehr Verkehr denn eh und je.

Allerdings war die Zahl der Konkurrenten groß und der Kampf um jeden Fahrgast war erbittert. So stand er mit seinem Mercedes mit laufendem Motor in der Warteschlange und hoffte, dass er endlich an die Reihe kam. Ständig plärrte das Funkgerät und beorderte Wagen zu den unterschiedlichsten Zielen. Leider stand er vollkommen eingekeilt und konnte diese Aufträge nicht annehmen, weil er warten musste, dass er endlich an der Reihe war. So nahm er die Bild-Zeitung ein drittes Mal in die Hand und las auch noch die letzten kleinen Beiträge, die ihn eigentlich überhaupt nicht interessierten. Er hatte geistig vollkommen abgeschaltet, als plötzlich die hintere Wagentür aufgerissen wurde und ein Mann sich auf den Rücksitz fallen ließ.

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