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Leseproben

Leseprobe: Cuprum - die neue Steinzeit hat begonnen

1 Isla dos Flores
1.1 Heiligabend

cuprum11Es war noch sehr früher Morgen, als ich mit meinem Fahrrad die letzte Steigung nach Farol de Albarnaz nahm. Bis zur Brücke über den Moinho war es immer recht angenehm, zu fahren, doch das letzte Stück verlangte mir doch jedes Mal einiges ab. Im Grunde mochte ich es, so früh unterwegs zu sein. Es half mir, den Kopf frei zu bekommen und mich auf meine Arbeit vorzubereiten. Es war noch dunkel und der Scheinwerferkegel meines Rades tanzte mit jedem Tritt in die Pedalen über das rissige Pflaster der schmalen Straße. Das Meer zu meiner Rechten rauschte leise und trotz der Anstrengung genoss ich den milden Dezember dieses Jahres. Früher, in Deutschland, wäre ich zu dieser Zeit nicht auf die Idee gekommen, nur mit einer relativ dünnen Jacke bekleidet, mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. Das Meer war nur durch die leise Brandung zu erahnen, denn zu dieser Stunde präsentierte es sich noch in absoluter Schwärze. Früher hätte man die vorbeifahrenden Schiffe wie die Perlen einer imaginären Kette erkennen können, doch das hatte inzwischen fast vollständig aufgehört.
In der Ferne konnte ich schon die Außenbeleuchtung der Station erahnen. Dort war meine Arbeitsstätte - eine Station am Ende der Welt, in der Mitte von Nirgendwo.
Ich legte mich noch einmal richtig ins Zeug, um die letzten Meter bis zum Parkplatz zu schaffen. Oben angekommen, stellte ich mein Zweirad unter einen Carport, der ursprünglich für die Autos der Angestellten gedacht war, aber heute fuhren - wenn überhaupt - sowieso nur noch Lastwagen und die Carports wurden anderweitig genutzt.
Nach der Dunkelheit des Weges und dem trüben Lichtkegel meiner Lampe tat das grelle Licht auf dem Parkplatz vor dem Stationsgebäude fast weh in den Augen. Das Gebäude war sicherlich keine Schönheit - es war halt ein Zweckbau und die GulfGen-Corporation hatte seinerzeit sicher anderes im Sinn gehabt, als ein gefälliges Design. Es war eben ein kalter, hässlicher Betonklotz. Ich betrat das Gebäude und lief sofort in die Messwarte, weil ich wusste, dass mein Kollege Ronald auf seine Ablösung wartete.
Die Messwarte war ein großer, quadratischer Raum ohne Fenster, der über und über mit Anzeigeinstrumenten übersät war. Ronald hatte die Deckenbeleuchtung abgeschaltet und so wurde der Raum nur gespenstisch durch die vielen Instrumentenbeleuchtungen etwas erhellt. Ronald saß in seinem Drehsessel und schwang darin zu mir herum, als er meine Schritte hörte.

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Leseprobe: Iloo - die andere Welt

Foto: Julia Kestner, Hamburg

1. Der Unfall


Es hatte bereits den ganzen Tag über geregnet und der Himmel war vom Morgen an bleigrau geblieben. Es war ein Tag, der allein aus diesem Grunde schon aufs Gemüt drückte, doch Rainer bemerkte es überhaupt nicht. Seine Welt war auf das zusammengeschrumpft, was sich in seinem Kopf abspielte. Er saß in seinem Auto und war auf dem Weg nach Hause. Tief in seinen Gedanken versunken, steuerte er den Wagen, eher automatisch als bewusst, über die Autobahn.
Er fragte sich, was er hier eigentlich tat. Womit hatte er das verdient? Über zehn Jahre lang hatte er sich für seine Firma förmlich zerrissen. Das alles sollte vorbei sein? Rainer war Programmierer. Es war das, was er immer sein wollte und von dem er wusste, dass er es gut konnte. An ihm hatte es auch nicht gelegen, dass es mit seiner Firma bergab gegangen war. Es war die Konkurrenz aus Fernost gewesen, die das Unternehmen unter Druck gesetzt hatte. Schließlich hatten sie aufgeben müssen und es folgte die Insolvenz. Anfangs gab es noch Hoffnung, dass der Insolvenzverwalter eine Lösung finden würde, die Firma zu retten - sie wieder auf eine finanziell tragfähige Basis zu stellen, doch diese Hoffnung schwand von Monat zu Monat immer mehr. Ihm wurde klar, dass eine Rettung des Unternehmens einen Preis fordern würde: eine drastische Reduzierung der Belegschaft. Ihn hatte es erwischt und man hatte ihm mitgeteilt, dass man sich leider gezwungen sehe, seine Arbeitskraft dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stellen.
Rainer lachte bitter auf. Wie toll sich das anhörte: Sich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stellen! Als wenn es für ihn, einen siebenundvierzigjährigen Informatiker, Verwendung auf dem Arbeitsmarkt geben würde ...
Es würde schwer werden, das war ihm absolut klar. Noch vor einem Jahr hätte er gedacht, alle Probleme meistern zu können, doch das galt jetzt nicht mehr. Vor drei Monaten hatte Ellen ihn verlassen. Nach all den Jahren der Ehe war sie einfach gegangen und er hatte nicht realisiert, was sich da angebahnt hatte. Anfangs hatte er getobt, dann war die Traurigkeit gekommen und er hatte sich unendlich leidgetan.
Ein lautes Hupen riss Rainer aus seinen Gedanken. Erschreckt riss er das Lenkrad seines Autos nach rechts. Er hatte nicht registriert, dass er fast auf die linke Fahrbahnseite geraten war und ein anderes Auto behindert hatte. Er hob entschuldigend die Hand und begann erneut zu grübeln.
Vielleicht wäre alles anders gekommen, wenn sie Kinder gehabt hätten, doch leider war ihnen dieses Glück nicht vergönnt gewesen. So hatten sie in der letzten Zeit mehr nebeneinander als miteinander gelebt. Sein Job hatte ihn immer stärker in Anspruch genommen und in der Krise hatte er versucht, durch einen unermüdlichen Einsatz dafür zu sorgen, unentbehrlich zu sein, um so seinen Arbeitsplatz zu sichern. Unter der Woche kam es kaum vor, dass er vor 22 Uhr abends nach Hause kam, und nicht selten fand er seine Frau dann bereits schlafend im Bett vor. An den Wochenenden arbeitete er zu Hause an seinen Projekten, die er im Betrieb nicht zu Ende geführt hatte. Sicherlich hatten die Zeichen bereits länger auf Sturm gestanden, nur hatte Rainer es nicht bemerkt - oder es nicht bemerken wollen. Er hatte einfach nicht die Zeichen erkannt, die darauf hingedeutet hatten, dass sie sich allmählich immer weiter voneinander entfernten. Die Entfremdung war nicht mehr aufzuhalten gewesen.
So war er auch vollkommen verblüfft, als er eines Abends nach Hause gekommen war und feststellte, dass Ellen nicht mehr da war. Im Wohnzimmer fand er nur einen Brief, auf dessen Umschlag sein Name stand. Er hatte diesen Brief rund zehnmal gelesen und kannte seinen Inhalt auswendig.

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Leseprobe: Fünfzig Tage im Mai

Fünfzig Tage im Mai2. Mai


Sascha Leyden hatte sich schon den ganzen gestrigen Tag nicht wohl gefühlt. Vermutlich hatte er sich einen grippalen Infekt zugezogen, wie er im Augenblick grassierte. Gerade jetzt, wo es innerhalb seiner Firma wieder einmal betriebsbedingte Kündigungen gab, passte es Sascha ganz und gar nicht, möglicherweise das Bett hüten zu müssen. Er hatte lange genug gekämpft, um eine feste Anstellung bei der Axxium-Versicherungsgesellschaft zu bekommen. Seine Freundin Conny hatte noch nicht so viel Glück gehabt – sie hielt sich durch eine Kombination von kurzfristigen Teilzeitjobs über Wasser.
Sascha sah auf seinen Computermonitor und musste sich anstrengen, dort etwas zu erkennen. Im Laufe des Tages hatte er bohrende Kopfschmerzen bekommen, die er auch mit Hilfe eines Schmerzmittels nicht in den Griff bekommen hatte. Verzweifelt blickte er auf die zahlreichen Unterlagen auf seinem Schreibtisch, die er noch bearbeiten musste. Er fragte sich, wie er das heute schaffen sollte – oder morgen, wenn die Grippe noch schlimmer werden sollte. Sascha wusste genau, dass man zwar eigentlich nicht entlassen werden konnte, wenn man krank war, doch die Praxis sah anders aus. In diesen Zeiten fand der Arbeitgeber immer eine Möglichkeit, einen Arbeitnehmer loszuwerden, der keine Effektivität versprach. Er machte sich keine Illusionen darüber, dass bereits zwei bis drei Tage Krankheit ausreichen konnten, seinen Job in Frage zu stellen. Sascha griff nach der nächsten Mappe und las die Beschreibung des Schadenfalles durch. Es war seine Aufgabe, Schadenfälle zu bewerten und die Folgen einer Schadenregulierung auf die Beitragsentwicklung des Kunden zu kalkulieren. Er las den Vorgang drei mal durch, doch konnte er sich einfach nicht mehr ausreichend auf den Text konzentrieren.

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Leseprobe: Die Akademie

Die Akademie1. Die Aufnahmeprüfung


Jan Lückert war stolz darauf, dass er einer der wenigen Menschen war, die es geschafft hatten, eine Ausbildungsstelle bei der Akademie für Raumfahrt zu bekommen. Im Rahmen der anstehenden Besiedlung des Mondes war die Akademie als Teil eines internationalen Projekts erst vor ein paar Jahren errichtet worden. Als Symbol für die Überlegenheit des Menschen hatte man keine Kosten und Mühen gescheut und die Akademie am Rande des Kraterrandes des Mare Nubium auf dem Mond gebaut. Die Akademie sollte sowohl Symbol, als auch Brückenkopf für die weiteren Stationen sein, die in den nächsten Jahren Zug um Zug auf dem Erdtrabanten errichtet werden sollten. Für diese Unternehmungen würde man Spezialisten benötigen, die den steigenden Anforderungen gewachsen sein würden.
Jan Lückerts Eltern waren Anfangs überhaupt nicht begeistert, als er ihnen eröffnet hatte, dass er sich bei der Raumfahrt-Akademie bewerben wollte. Allein der Gedanke, dass ihr Sohn nicht – wie viele andere seiner Schulkollegen – in einer der Nachbarstädte in einem Studentenwohnheim wohnen würde, sondern die Erde verlassen würde, um auf dem Mond zu studieren, machte ihnen Angst. Als sie jedoch merkten, dass Jan sich nicht von seinem Ziel abbringen lassen würde, fanden sie sich damit ab. Nach und nach hofften sie, dass Jan eine Absage bekommen würde, zumal sich über zehntausend Schüler seines Jahrgangs aus aller Welt beworben hatten.

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Leseprobe: Nachbarn im String

Nachbarn im StringMatthias saß bereits seit einiger Zeit in seinem Taxi am Taxistand des Berliner Bahnhofs Zoologischer Garten und langweilte sich. Zwar war er froh darüber, dass er nach längerer Zeit endlich eine Anstellung gefunden hatte, doch hatte er sich durchaus etwas mehr davon versprochen. Schließlich war Berlin nicht irgendeine Stadt und seit der Wiedervereinigung Deutschlands herrschte hier mehr Verkehr denn eh und je.

Allerdings war die Zahl der Konkurrenten groß und der Kampf um jeden Fahrgast war erbittert. So stand er mit seinem Mercedes mit laufendem Motor in der Warteschlange und hoffte, dass er endlich an die Reihe kam. Ständig plärrte das Funkgerät und beorderte Wagen zu den unterschiedlichsten Zielen. Leider stand er vollkommen eingekeilt und konnte diese Aufträge nicht annehmen, weil er warten musste, dass er endlich an der Reihe war. So nahm er die Bild-Zeitung ein drittes Mal in die Hand und las auch noch die letzten kleinen Beiträge, die ihn eigentlich überhaupt nicht interessierten. Er hatte geistig vollkommen abgeschaltet, als plötzlich die hintere Wagentür aufgerissen wurde und ein Mann sich auf den Rücksitz fallen ließ.

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Die Akademie - Der Flug der JEAN SIBELIUS

Ich habe mich entschlossen, dem eigentlich bereits abgeschlossenen Roman "Die Akademie" noch ein weiteres Kapitel zu spendieren. Es spielt zu einer Zeit, als sowohl Jan, als auch Isabella nicht mehr an der Akademie studieren, sondern bereits fest im Beruf stehen. Das bedeutet jedoch nicht, dass es nun keine Gefahren und Probleme mehr gibt, die das Paar zu meistern hat. Für Fans und Interessenten des Romans "Die Akademie" hier nun das vollständige neue Kapitel. Viel Spaß dabei.

 

Der Flug der JEAN SIBELIUS


Kommandantin Isabella Lückert saß an ihrer Pilotenkonsole und starrte gedankenverloren vor sich hin. Es wurde allmählich Zeit, wieder einmal nach Hause zu kommen. Die Mission hatte schon viel länger gedauert, als ursprünglich vorgesehen. Sie freute sich darauf, endlich Jan wiederzusehen. Sie hatte das Gefühl, als wenn sie ihren Ehemann viel seltener sah, seit sie vor drei Jahren geheiratet hatten. Als sie noch an der Akademie der UNO für Raumfahrt waren, hatte es sich noch ganz anders dargestellt. Die Akademie musste verheirateten Beschäftigten die Möglichkeit einräumen, gemeinsame Dienste zu machen, wenn es der Dienstplan zuließ. Leider konnten sie nicht für immer und ewig an der Akademie bleiben.
Bei ihrer Vorgeschichte hatten sie beide nicht wirklich ein Problem damit, eine Anstellung bei einer der ganz großen Gesellschaften zu finden. Sie entschieden sich für die ESA, da sie im Augenblick die interessantesten Projekte durchführte und so kam es, dass sie nun fast nie mehr gemeinsam Dienst taten, sondern fast nur noch auf getrennten Missionen waren. Isabella seufzte. Sie mussten sich etwas einfallen lassen, um mehr Zeit miteinander verbringen zu können. Es war nun bereits fast vier Wochen her, seit sie Jan zum letzten Mal gesehen und gespürt hatte. Gut, es gab natürlich die Funkverbindungen, aber die waren nur ein billiger Ersatz.
„Was ist mit dir?“, fragte Renata Leqlerque, die Navigatorin der JEAN SIBELIUS, dem Schiff, das Isabella befehligte.
Isabella sah von ihrer Konsole hoch und blickte zu Renata hinüber. Ihr Gesicht zeigte einen besorgten Ausdruck.
„Geht es dir nicht gut?“, fragte sie.

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