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»Herein!«, rief er, als es an seiner Bürotür klopfte. Nervös trommelte er mit seinen Fingern auf seiner Schreibtischplatte, als sein alter Freund Trajan eintrat. Er blickte sich kurz um und kam dann auf ihn zu.
»Quentin, wie siehst du denn aus? So hab ich dich ja noch nie erlebt.«
Er hatte tiefe Ringe unter seinen Augen und man sah ihm an, dass er schon länger nicht mehr geschlafen hatte. Professor Quentin Habermost war eher für sein ausgeglichenes Wesen bekannt. Sein Besucher setzte sich ihm ungefragt gegenüber und sah ihn erwartungsvoll an. »Und?«
Quentin trommelte weiter auf der Tischplatte herum und nahm von seinem Besucher keine weitere Notiz.
»Quentin, so geht das nicht! Erst rufst du mich mitten in der Nacht an und bestellst mich hierher und jetzt sagst du mir nicht, was los ist. Elisabeth dachte schon, ich wäre völlig durchgedreht, als ich ihr sagte, ich müsse nach Genf fahren - mitten in der Nacht.«
Quentin hob ruckartig seinen Kopf. »Hast du ihr was gesagt?«
»Ja, was denn? Ich weiß doch selbst nicht, weshalb ich hier bin! Du weißt, dass ich dein Freund bin. Ich bin es immer gewesen. Aber ich hab es verdient, dass du mir reinen Wein einschenkst.«
»Hast du noch deine Cessna?«
»Bitte?«
»Hast du noch dieses kleine Flugzeug? Deine Cessna?«
Trajan schüttelte den Kopf. »Was soll das jetzt? Du willst doch nicht, dass ich mit dir jetzt einen Rundflug mache, oder?«
»Du hast sie also noch?«
»Ja, verdammt! Aber worum geht es hier eigentlich?«
Quentin schluckte und lehnte sich in seinem Sessel zurück. Das schwache Licht seiner Schreibtischlampe ließ ihn noch müder und erschöpfter aussehen als zuvor. »Trajan, habe ich dir jemals erzählt, woran ich eigentlich arbeite?«
Trajan wiegte seinen Kopf. »Nun ja, über deine Arbeit haben wir nie groß gesprochen. Du bist Professor an der Universität von Genf und gibst dort Vorlesungen in Nuklearphysik. Worauf willst du hinaus?«
»Mein Lehrstuhl ist die eine Sache, aber meine Hauptarbeit verrichte ich hier.« Er breitete seine Arme aus, als wollte er sein Büro und alles darum herum damit einschließen. »Hier in CERN. Hier findet die eigentliche Forschung statt.«
Trajan sah ihn spöttisch an. »Du meinst diese Spielereien mit den Teilchen, die ihr hier beschleunigt und kollidieren lasst? Das nennst du 'eigentliche' Forschung? Das ist doch nichts anderes als früher das Spielen mit den Dampfmaschinen, als wir noch Kinder waren. Es mag ja für euch interessant sein, die Lebensdauer von subatomaren Teilchen zu ermitteln und so'n Zeug, aber frag mal die Leute auf der Straße, ob sie das interessiert. Die haben genug damit zu tun, über die Runden zu kommen. Aber du hast mir noch immer nicht gesagt, warum ich eigentlich so dringend kommen musste. Ich mag dich, aber meine Nachtruhe ist mir auch heilig, weißt du?«
Quentin schlug mit der flachen Hand auf die Tischplatte, dass es knallte. Trajan zuckte erschreckt zusammen.
»Es geht um viel mehr, als nur um die Lebensdauer von subatomaren Teilchen! Meine Forschung hätte die Probleme all dieser Menschen da draußen deutlich verringern können.«
Trajan sah ihn interessiert an. »An was arbeitest du genau?«
